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Wunsch nach reduzierter Arbeitszeit:Wenn doch bloß drei Tage Wochenende wäre

\"BÄRENRUHE\"

Unberührt von menschlichen Begriffen wie "Faulpelz" genießt der Malaienbär Chica im Kölner Zoo sein Leben. (Symbolbild)

(Foto: DPA/DPAWEB)

Weniger arbeiten, mehr leben - jeder zweite Berufstätige würde im Job gerne kürzertreten. Doch neben der Furcht vor finanziellen Einbußen steht vielen Teilzeitwilligen noch etwas anderes im Weg: ihr eigenes Ego.

Mehr Freizeit - was könnte man dann nicht alles erledigen! Zeit für die Familie, um sich weiterzubilden, etwas für die Gesundheit zu tun, ein Hobby zu beginnen oder ein zweites Standbein aufzubauen. Eine lange Liste hatte sich Stefan Schmid im Kopf zurechtgelegt, bevor er die Klinke zum Chefbüro drückte, um seinem Vorgesetzten zu erklären, dass er künftig nur noch vier Tage pro Woche arbeiten möchte.

Weniger arbeiten, mehr leben: Viele Berufstätige würden gern einen Gang herunterschalten. "Downshifting" heißt das im Fachjargon. Doch der Ausstieg ist schwierig - nicht nur, wenn Chefs sich querstellen. Auch Arbeitnehmer müssen ihre eigenen Ansprüche überdenken, wenn sie auf eine Vier-Tage-Woche reduzieren wollen. Mehr Freizeit bedeutet weniger Gehalt. Die Folgen sind bis zur Rente zu spüren. Aber ein Tag weniger im Büro heißt auch: die Kinderbetreuung einen Tag weniger in Anspruch nehmen, Hunderte Kilometer weniger pendeln pro Jahr, nur vier Tage Kantinenessen, mehr Netto vom Brutto haben - und weniger Stress.

Vier-Tage-Woche Weniger Arbeit, mehr Leben - Wäre die Vier-Tage-Woche ein Modell für Sie?
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Weniger Arbeit, mehr Leben - Wäre die Vier-Tage-Woche ein Modell für Sie?

Jeder zweite Berufstätige würde im Job gerne kürzertreten. Doch neben der Furcht vor finanziellen Einbußen steht vielen Teilzeitwilligen noch das eigene Ego im Weg. Wäre die Vier-Tage-Woche ein wünschenswertes Modell für Sie?   Diskutieren Sie mit uns.

1930 prophezeite der britische Ökonom John Maynard Keynes, dass hundert Jahre später die Menschen nur noch 15 Stunden pro Woche arbeiten müssten. Wir nähern uns diesem Datum, unsere wöchentliche Arbeitszeit allerdings pendelt noch immer zwischen 35 und 40 Stunden.

Endlich Zeit für Sport

Doch nun bekommt die Vier-Tage-Woche erneut Unterstützung aus Großbritannien: John Ashton, Präsident der Faculty of Public Health, fordert die Abschaffung der Fünf-Tage-Woche. Sie verteile nicht nur Arbeit ungerecht, sondern gefährde die Gesundheit der Menschen. "Wir sollten uns in Richtung Vier-Tage-Woche bewegen," sagte Ashton dem Guardian, "denn wir haben in unserer Welt das Problem, dass ein Teil der Bevölkerung zu viel arbeitet, während ein anderer Teil arbeitslos ist."

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Serienmarathoni, Komatöse und Überperformer

Die Menschen könnten an dem zusätzlichen freien Tag ihr Leben genießen und nebenbei ihren Blutdruck senken, weil sie endlich Zeit für Sport hätten. Die Arbeitszeit in Großbritannien erreicht im Europa-Vergleich einen Spitzenwert, entsprechend groß ist das Interesse an mehr Freizeit: Laut einer aktuellen Umfrage unterstützen 57 Prozent der erwerbstätigen Briten die Idee einer Vier-Tage-Woche, 71 Prozent glauben, dass sie die Menschen glücklicher machen würde.

In Deutschland wünschen sich einer Studie des Familienministeriums zufolge drei Viertel der Männer und etwa die Hälfte der Frauen, ihre Arbeitszeit zu reduzieren. Hierzulande gilt ein Recht auf Teilzeit für alle Mitarbeiter, die mindestens seit sechs Monaten im Unternehmen arbeiten, wenn dieses mehr als 15 Beschäftigte hat. Allerdings können Firmen Teilzeitanträge aus betrieblichen Gründen ablehnen. Zumindest rechtlich hat jemand, der einen Gang zurückschalten möchte, aber kaum Probleme.