Wohnungsnot Mit Job, ohne Bleibe

Auch wenn die Firma die Umzugskosten übernimmt, ist der Ortswechsel in die andere Stadt noch längst nicht geschafft.

(Foto: imago/Westend61)

Neue Mitarbeiter können ihren Job nicht antreten, weil sie keine Wohnung finden. Immer häufiger helfen Firmen deshalb bei der Wohnungssuche.

Von Miriam Hoffmeyer

Der neue Mitarbeiter der Firma PTC Telecom in Wörthsee westlich von München hatte die Probezeit glänzend bestanden. Nun wollte er seine Frau und sein Kind aus Berlin nachholen. Doch nach zwei Monaten Suche hatte er immer noch keine Wohnung in Aussicht. "Jedes Mal hieß es von den Vermietern, sie hätten 80 bis 100 Bewerber", sagt Michael Padberg, Geschäftsführer des Telekommunikations- und IT-Unternehmens mit rund 60 Mitarbeitern. Der ausländische Familienname des neuen Kollegen sei vermutlich ein zusätzliches Hindernis gewesen.

"Wir haben jedenfalls gesagt: So geht es nicht weiter", erzählt Padberg. "Meine Assistentin und ich haben dann auch immer bei den Vermietern angerufen und gesagt, was für ein toller Mitarbeiter das ist. So hat er überhaupt mal Besichtigungstermine bekommen. Ich bin auch mehrmals mitgegangen, um persönlich mit den Vermietern zu reden." Diese Strategie hatte nach weiteren drei Monaten schließlich Erfolg, die Kleinfamilie fand eine Wohnung nahe Landsberg am Lech. "Hier im Ort ist sowieso nichts zu bekommen", sagt Padberg.

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Der Wohnungsmangel in vielen Ballungsräumen wird auch für Unternehmen zum Problem, weil er die Suche nach knappen Fachkräften noch schwieriger macht. In München, wo Bewohner innenstadtnaher Viertel inzwischen 40 Prozent ihres Einkommens fürs Wohnen ausgeben, wird das besonders sichtbar.

Laut dem Fachkräftemonitor der Industrie- und Handelskammern (IHK) fehlen in der Region derzeit etwa 71 000 Fachkräfte, in technischen Berufen sind ungefähr 15 Prozent der Stellen unbesetzt. "Wir hören immer öfter von Unternehmen, dass Bewerber, die schon zugesagt haben, die Stelle am Ende doch nicht annehmen, weil sie im Großraum München keine bezahlbare Wohnung gefunden haben", sagt Elfriede Kerschl, Referatsleiterin für Wirtschaftspolitik und Fachkräfte bei der IHK München und Oberbayern.

Firma gibt Annoncen auf - um Wohnungen für Mitarbeiter zu finden

Der Fotoservice Cewe München zahlt seinen Beschäftigten in der Produktion wegen der hohen Wohnkosten eine Prämie von 25 Prozent auf den Tariflohn. "Sonst stünde ich alleine hier", erklärt Geschäftsführer Stephan Reinhold. In Oldenburg, wo Cewe seinen Hauptsitz hat, bekommt man für den Mietpreis einer Münchner Einzimmerwohnung ein komfortables Einfamilienhaus. Cewe München hilft auch aktiv bei der Wohnungssuche, indem es Annoncen für die Mitarbeiter aufgibt. "Wir sind bei Vermietern aber nur so mittelbekannt", meint Reinhold. "Großunternehmen haben mit eigenen Anzeigen wahrscheinlich bessere Erfolgschancen."

In Stuttgart, Frankfurt oder Köln ist die Lage auf dem Wohnungsmarkt nicht viel besser. In der aktuellen Standortumfrage der IHK Stuttgart, bei der 23 Standortfaktoren berücksichtigt wurden, gab die regionale Wirtschaft den Faktoren "Verfügbarkeit attraktiven Wohnraums" und "Mieten und Kaufpreise von Wohnungen und Häusern" die schlechtesten Noten von allen. Die IHK Berlin legte schon vor zwei Jahren ein Positionspapier vor, in dem der Bau von 20 000 neuen Wohnungen pro Jahr in der Hauptstadt gefordert wird.