Wissenschaftliche Plagiate Das Google-Diplom

Das Plagiieren ist ihrer Ansicht nach nichts grundlegend Neues. "Plagiate gab es schon immer, sie waren nur schwerer zu entdecken." Was also tun? "Es muss an die Wurzeln rangehen, wir brauchen ein Bewusstsein, was gute Wissenschaft ist", fordert Weber-Wulff. Und das fange beim Lehrkörper an. Professoren, die Diplomarbeiten ihrer Studenten als eigene Erkenntnisse ausgeben, seien eben keine guten Vorbilder für den wissenschaftlichen Nachwuchs.

Weber-Wulff, die sich wie ihr österreichischer Namensvetter bereits seit langem mit Plagiaten beschäftigt, sieht darin vor allem ein ethisches Problem, aber nichts, das sich durch das Internet verschlimmert habe: "Das Abendland ist schon untergegangen, wir müssen schauen, wie wir es wieder aufbauen können." Dazu gehört für Debora Weber-Wulff, dass Verfehlungen wie Plagiate offen benannt werden.

Textkultur ohne Hirn

Das würde auch der österreichische Medienwissenschaftler Stefan Weber unterschreiben. Weber, der schon zahlreiche Plagiatoren entlarvt hat, ist jedoch pessimistischer als seine Berliner Kollegin, was die Möglichkeiten anlangt, grundlegend etwas zu ändern. Zum einen beklagt er den herrschenden akademischen Habitus, der dazu führe, dass Dinge eher unter der Decke gehalten als an die Öffentlichkeit gebracht würden.

Noch schlimmer aber findet Weber das, was nach seiner Meinung an vielen Universitäten wenigstens geduldet wird: Eine, wie er es in seinem Buch nennt, "Textkultur ohne Hirn": "Immer weniger Leute wissen, wovon sie schreiben. Immer mehr simulieren ein Wissen, das sie nicht haben, und das ist ihnen auch herzlich egal." Viele Studierende recherchierten hauptsächlich im Internet: "Ich bin öfters ganz allein in der Bibliothek", erzählt Weber. Dabei seien Webquellen in einigen Jahren wertlos, weil nicht mehr auffindbar. Und wer nur über Suchmaschinen im Internet recherchiere, liefere sich auch deren Suchalgorithmen aus.

Viele seiner Studenten aber seien gar nicht mehr in der Lage zu unterscheiden, welche Texte sich überhaupt in einer wissenschaftlichen Arbeit verwenden lassen und welche nicht. "Da finden Sie in einer Arbeit dann auf einmal zwei Seiten von der Webseite irgendeines Wuppertaler Heilpraktikers." Insgesamt kommt Weber zu einem vernichtenden Urteil: 90 Prozent aller Abschlussarbeiten hält er für "völlig wertlos".

Er konstatiert einen generellen Niveauverlust, seit fast jeder einen Zugang zum Internet hat: "Seit 2002 ist nichts mehr zu machen." Zum Teil seien die Studienbedingungen daran schuld, auch der Arbeitsmarkt werde immer prekärer. Anstatt sich mit Feuereifer und Freude an der wissenschaftlichen Erkenntnis aufs Studium zu stürzen, müssten viele nebenher arbeiten.

Um voranzukommen, müssten auch die Lehrenden umdenken, fordert Weber, doch viel Zustimmung erntet er innerhalb des wissenschaftlichen Betriebes nicht. "Die effizienteste Waffe gegen das Aufdecken von Plagiaten ist das Schweigen". Immerhin: Die entlarvte Plagiatorin von Klagenfurt wurde nach einem ausgiebigen Untersuchungsverfahren entlassen. Sie hatte als Assistentin gearbeitet.