China steht leer

Henrik Bork Xiao Wu hätte sich ein besseres Jahr vorstellen können, um seinen Abschluss an der Industrie-Universität in Guangzhou zu machen. "Wegen der Finanzkrise wird es besonders für Hochschulabsolventen schwer, dieses Jahr eine Anstellung zu finden", zitieren ihn die Pekinger Nachrichten. 5,6 Millionen neue Hochschulabsolventen drängen in China in diesem Jahr auf den Arbeitsmarkt. Und weil auch schon in den vergangenen Jahren mehrere Millionen Akademiker keine Arbeit gefunden haben, sind jetzt bald mehr als zehn Millionen von ihnen arbeitslos.

In chinesischen Großstädten wie Shanghai oder Peking ist auf den ersten Blick von der Wirtschaftskrise nicht viel zu spüren. Neureiche Konsumenten gehen schwer beladen mit Einkaufstüten voller Designerware spazieren. Doch bei genauerem Hinsehen entpuppen sich beispielsweise viele der nagelneuen Büroetagen im Pekinger "Central Business District" als leer. Der nacholympische Boom, auf den ihre Bauherren spekuliert hatten, lässt zumindest noch eine Weile auf sich warten. Die Regierung hat mit großzügigen Konjunkturpaketen geantwortet und wird so zumindest kurzfristig weiteres Wachstum garantieren können. Gerade hat die Weltbank ihre Wachstumsvorhersage für China auf 7,2 Prozent für das laufende Jahr angehoben. Wie schwer die Krise China letztlich treffen wird, lässt sich aber noch nicht sicher prognostizieren.

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26. Juni 2009, 17:132009-06-26 17:13:00 © sueddeutsche.de