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Weiterbildung:Intensivprogramm statt Häppchen-Lernen

Den diametral entgegengesetzten Ansatz zum Babbel-Angebot verfolgt das Landesspracheninstituts der Ruhr-Universität Bochum. Hier werden seit mehr als 40 Jahren Intensivkurse angeboten - gerade in Sprachen, für die es sonst wenige Angebote gibt wie Russisch, Chinesisch oder Japanisch. Statt Sprach-Häppchen nebenbei gibt es hier für die Lernenden das Intensivprogramm. Nicht digital, sondern vor Ort.

Ganztagsunterricht, oft über mehrere Wochen, volle Konzentration aufs Sprachenlernen und das alles auch zu einem nicht unerheblichen Preis: Die Kunden des Landesspracheninstituts sind fest entschlossen. "Zu uns kommen Leute, die eine Sprache wirklich lernen wollen, oft auch müssen", sagt Klaus Waschik, Direktor des Instituts. Die meisten arbeiteten in Unternehmen, im öffentlichen Dienst oder Redaktionen. Oft hätten sie einen Auslandsaufenthalt konkret vor Augen oder das Gefühl, im Alltag nicht genug Zeit zu finden, um an der neuen Sprache zu arbeiten.

Bernhard Merzenich ist einer dieser Menschen. Der Lehrer nimmt an einem Kompaktkurs Arabisch teil. Er ist seit mehreren Jahren in der Flüchtlingshilfe im Libanon tätig, immer mal wieder hat er begonnen, die Sprache zu lernen. Während seiner Einsätze habe er auch durchaus Gelegenheit, sein Arabisch zu üben - "und doch spreche ich dann fast nur Englisch". Den Intensivkurs sehe er als "Sprungbrett", um doch noch fließend sprechen zu lernen, sagt Merzenich. Das Pensum erlebt er als "knackig aber machbar".

Die Belastungsgrenze liegt bei acht Stunden am Tag

"Bei uns steht die Sprache im Mittelpunkt", sagt Institutsleiter Waschik, im Alltag lenke zu vieles ab. Um rechnerisch auf die 60 Stunden Lernzeit eines zweiwöchigen Intensivkurses zu kommen, müssten Lernende, die einen normalen Sprachkurs machten, etwa ein Vierteljahr einplanen. Und das reiche nur, wenn sie tatsächlich jede Woche sechs Stunden mit der Sprache arbeiteten. Für Berufstätige mit Familie oder Hobby durchaus sportlich. Ein weiterer Grund, der Waschik zufolge für den Intensivkurs spricht: "Die Erfahrung, jeden Tag Fortschritte zu machen, motiviert zusätzlich."

Maximal acht Stunden jeden Tag, dann sei beim durchschnittlichen Lerner die Belastungsgrenze erreicht. "Zehn Stunden schaffen nur spezielle Gruppen, wie zum Beispiel die ESA-Astronauten, die wir erst in Russisch, dann in Chinesisch schulen", sagt Waschik. Das Landesspracheninstitut setzt auf Muttersprachler als Dozenten, die mehrfach am Tag wechseln. Bei der Methodik werde viel Wert auf das Sprechen gelegt. Doch auch die Intensivkurse würden mittlerweile mit E-Learning-Einheiten ergänzt - "vor allem nach Abschluss des eigentlichen Kurses".

"Viele Firmen versuchen, Kosten einzusparen"

Auch wenn Fremdsprachenkenntnisse angesichts der immer globalisierteren, vernetzteren Wirtschaftswelt im Beruf wichtiger werden, beobachtet Waschik mit Sorge, dass der Stellenwert sinke, den Unternehmen dem Sprachenlernen beimessen. "Viele Firmen versuchen, genau da Kosten einzusparen." Oft herrsche der Glaube vor, mit Englisch werde man schon weit genug kommen. "Das mag zwar in den USA, vielleicht auch noch in Europa gelten", sagt Waschik, "nicht aber in China, in Russland und im arabischen Raum."

Dort erleben viele Ausländer, die ohne oder nur mit rudimentären Sprachkenntnissen im neuen Land starten, wie schwer es ist, im neuen Umfeld Fuß zu fassen - selbst wenn die Firmensprache offiziell Englisch ist. Wer hingegen an Gesprächen in Landessprache teilnehmen kann, wird ganz anders von den einheimischen Kollegen aufgenommen.

Was aber ist nun der beste Weg, um eine Fremdsprache zu lernen? Die Methode sei letztlich unerheblich, glaubt Psycholinguistin Monique Flecken. "Das Wichtigste ist: Dranbleiben, regelmäßig Üben und das Gelernte in der Praxis anwenden."

© SZ.de/mkoh/jab

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