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Weiterbildung:Vokabeln pauken auf dem Smartphone

Digitale Lernplattformen versprechen, diesen Haufen Arbeit in Form von kleinen Häppchen in den Alltag zu integrieren. Auf Smartphone oder Tablet trägt der vielbeschäftigte, mobile Workaholic seinen Sprachkurs stets griffbereit mit sich herum. Grammatik-Einheit auf dem Weg zur Arbeit, Vokabeltraining am Feierabend auf der Couch - das könnte für alle attraktiv sein, in deren eng getakteten Arbeitsalltag sich kein Volkshochschulkurs mit fixen Zeiten und fixer Dauer integrieren lässt.

Online-Angebote seien vor allem für Einsteiger und Auffrischer geeignet, sagt Miriam Plieninger, bei Babbel, dem größten Anbieter für digitale Sprachkurse, für den Bereich Didaktik verantwortlich. "Wir setzen bei unseren Lernern keinen philologischen Abschluss voraus", sagt sie. Statt komplexer Deklinationstabellen oder langer Listen unregelmäßiger Verben geht es gleich in die Praxis. Kurze Textabschnitte, Alltagskommunikation, die wichtigsten Vokabeln - so sollen Anfänger auf tatsächliche Dialoge im Alltag vorbereitet werden.

Nur mit der App ein weit fortgeschrittenes Level zu erreichen, ist jedoch kaum möglich - und sei so auch gar nicht gedacht, sagt Plieninger. Wer schon weiter sei, nutze Babbel eher als Ergänzung: Zum Konversations-Kurs kommt dann Vokabeltraining dazu oder speziellen Einheiten zu Fachthemen wie Wirtschaftsenglisch.

"Zeiteinheiten von zehn bis 15 Minuten sind ideal, am besten jeden Tag"

Den Babbel-Entwicklern geben die Daten Tausender Nutzer Hinweise, wie das Lernen weiter verbessert werden kann. Bei welchen Vokabeln machen sie immer wieder Fehler, nach welcher Zeit brechen sie eine Lektion ab? Solche Informationen werten Didaktik-Chefin Plieninger und ihr Team aus - mit teils überraschenden Ergebnissen. "Während man vor zehn Jahren noch überzeugt war, dass Lektionen eine gewisse Länge haben müssen, ist jetzt klar: gern so kurz und knackig wie möglich", so Plieninger. Dafür sei es aber wichtig, das Gelernte zu wiederholen und auch mit dem bisherigen Stoff zu verknüpfen. "Wir haben über die Jahre mehr Wiederholungsschleifen eingebaut."

Die erfolgreichsten Babbel-Lerner seien diejenigen, die dranbleiben an ihrem Sprachprojekt. "Zeiteinheiten von zehn bis 15 Minuten sind ideal, am besten jeden Tag", sagt Plieninger. Ihr Tipp: "Am besten sucht man sich einen Trigger, eine wiederkehrende Situation, in der man zur App greift. Zum Beispiel dem Morgenkaffee."

So praktisch digitales Sprachenlernen auch sei, das Gespräch mit einem echten Menschen könne es nicht ersetzen, gibt auch Babbel-Mitarbeiterin Plieninger zu. "Was fehlt, ist der Gesichtsausdruck, die Reaktion des Gegenübers."