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Weiterbildung:Apps sind nicht wirklich interaktiv

App und Online-Plattform

Ohne anstrengendes Vokabeln- und Grammatik-Pauken geht es aber nicht. Und dafür gibt es mittlerweile zu fast jeder analogen Lernmethode auch eine digitale. Zahlreiche Online-Lernportale bieten ganze Lektionen an. Ulbricht hat sich bereits vor Jahren durch die Übungen einer Plattform für Japanisch gearbeitet. Es habe ihm geholfen, die Struktur der Sprache zu erfassen. Mittlerweile büffelt er mit der App Anki täglich in der U-Bahn auf dem Weg zur Uni Vokabeln und Schriftzeichen, die er vorab auf virtuelle Karteikarten geschrieben hat. "Die Wörter, die ich noch nicht beherrsche, fragt die App öfter ab, die ich schon kann, in größeren Abständen", sagt er, "so gelangen sie ins Langzeitgedächtnis." Und er muss dafür keine Karteikartenstapel mit sich herumschleppen.

Andere Apps wie Memrise, Babbel oder Nemo trainieren spielerisch als Quiz Vokabeln und Redewendungen und sprechen so verschiedene Lerntypen an. "Für jemanden, der sowieso gern am Smartphone daddelt, könnte das eine gute Art zu lernen sein", sagt Hufeisen. Belastbare Studien zum Erfolg der Apps kennt sie nicht. Ein Kollege ließ eine Gruppe Doktoranden mithilfe einer App Grammatikregeln üben. Im Test danach schnitten sie im Vergleich zur Kontrollgruppe weder besser noch schlechter ab. Ein Manko der Apps und Online-Portale sei, dass sie nicht wirklich interaktiv seien. Dafür müsse man schon mit echten Menschen kommunizieren.

Tandem und Sprachencafé

Beliebt für die Interaktion mit Muttersprachlern ist der Tandem-Unterricht: Zwei Menschen mit verschiedenen Muttersprachen vermitteln sich gegenseitig den eigenen Wortschatz und die Diktion. Dieses Konzept funktioniere ihrer Meinung nur, sagt Britta Hufeisen, wenn beide wüssten, wie man Sprachen lernt. Um die lockere Konversation zu üben, eignet sich diese Methode aber auf jeden Fall.

Lars Ulbricht geht dafür regelmäßig ins Sprachencafé. Das International Center seiner Uni veranstaltet es seit 2014 jeden Mittwochnachmittag im Stucafé an der Hauptmensa. Hier geht es nicht nur ums Lernen, sondern auch darum, Kontakte zu knüpfen. Es gibt kostenlosen Kaffee und Kuchen, und an jedem Tisch wird eine andere Sprache gesprochen - welche, lassen die Miniflaggen auf den Tischen erkennen. Die Themen wählen die Teilnehmer selbst. Nicht nur Hochschulen organisieren Sprachencafés, sondern auch private oder ehrenamtliche Initiativen. Auf Portalen wie Meetup.com oder Sprachcafe.org finden Interessierte Cafés und Stammtische in verschiedenen Städten.

In München hat sich Lars Ulbricht an den Tisch mit der Japan-Flagge gesetzt, neben deutsche und japanische Kommilitonen und neben seinen Zwillingsbruder, der ebenfalls in München studiert. Beim Jugendaustausch 2012 war er auch dabei. Er wohnte damals bei einer anderen Gastfamilie. Das Japanfieber hat ihn aber genauso erfasst wie seinen Bruder. Der könnte sich durchaus vorstellen, nach dem Studium bei einer japanischen Firma zu arbeiten - am liebsten in Japan.

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