Weiterbildung im Job:Wie man sich fit hält für den Arbeitsmarkt

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Ausbildung, Arbeit, Rente - das funktioniert heute nur noch selten. Lebenslanges Lernen und ständige Weiterbildung sind unerlässlich, um mit der immer schneller werdenden Arbeitswelt Schritt zu halten. Doch das Angebot ist riesig - und mitunter undurchsichtig.

von Sibylle Haas

Lebenslanges Lernen ist heute keine Zukunftsvision mehr, sondern eine Notwendigkeit, um fit für den Arbeitsmarkt zu bleiben. Denn: Eine Ausbildung zu machen und bis zur Rente die gleiche Tätigkeit auszuüben, ist heute kaum noch vorstellbar. Die Arbeitswelt ist schneller geworden, der Druck größer und die Anforderungen an jeden Einzelnen ebenfalls. Um auf dem riesigen Weiterbildungsmarkt den Überblick zu behalten, hat die Bundesagentur für Arbeit das Informationsheft "Weiter durch Bildung" herausgegeben, das online bestellt werden kann. Die wichtigsten Angebote im Überblick:

[] Eine gängige Art ist die Anpassungsweiterbildung. Sie ist immer dann notwendig, wenn sich am Arbeitsplatz etwas ändert. Wenn etwa eine neue Software eingeführt wird oder wenn neue Arbeitsprozesse eine interne Schulung erforderlich machen. Wer dagegen beruflich weiterkommen will, muss sich für den Aufstieg weiterbilden. Allerdings sollte man vorher die Perspektiven mit dem Chef abklären, um nicht enttäuscht zu werden. Dazu gehört die Frage, ob es nachher eine bessere Stelle gibt und mehr Geld. Wer aus gesundheitlichen Gründen seinen Beruf wechseln muss, für den kommt eine Umschulung in Frage. Auch Arbeitnehmer, die in ihrem Beruf unglücklich sind, können eine Umschulung erwägen. Allerdings sollte dies gut überlegt werden. Eine Umschulung ist ein harter Schnitt. In vielen Fällen kann es auch sinnvoll sein, den zweiten Bildungsweg in Angriff zu nehmen, also einen Schulabschluss nachzuholen, etwa das Abitur.

[] Fernunterricht, Präsenzseminar oder eine Mischung: Bei der beruflichen Weiterbildung führen viele Wege zum Ziel. Welcher der richtige ist, hängt von den eigenen Voraussetzungen ab. Die Frage ist, ob man allein und zeitlich flexibel oder zusammen und in einem festen Rahmen lernen will. Präsenzveranstaltungen, wie Schulungen oder Lehrgänge, bieten eine feste Struktur. Sie finden oft an einem Tag in der Woche statt oder am Wochenende. Gelernt wird in der Gruppe. Fernunterricht eignet sich dagegen für diejenigen, die nicht zu bestimmten Zeiten den Unterricht besuchen können oder wollen. Fragen beantworten Dozenten in diesem Fall per Telefon oder E-Mail. Tests finden in Präsenzveranstaltungen statt. Wer den Computer ständig dabei hat, für den eignet sich E-Learning. Das sind Lernformen, bei denen die Kommunikation über das Internet läuft. Daneben gibt es nach wie vor das klassische Lernen mit Fachliteratur.

Abschlüsse und Anbieter

[] Für die berufliche Weiterentwicklung kommen geregelte Fortbildungsabschlüsse in Frage. Sie sind nicht nur staatlich anerkannt, sondern bieten attraktive Perspektiven. Mehr Einkommen oder Führungsaufgaben zum Beispiel. Dies sind die nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) oder die nach den Gesetzen der Länder geregelten Fortbildungen in Industrie und Verwaltung. Dazu gehören Fachberater/in, Industrie- und Fachmeister/in, Polier/in, Fachkaufmann/-frau, Fachwirt/in, Techniker/in, Betriebswirt/in (Fachschule) und Technische/r Betriebswirt/in. Gleichwertige Abschlüsse regelt die Handwerksordnung. Viele Berufsverbände bieten auch Weiterbildung fachbezogen und je nach Bedarf ihrer Mitglieder an. Die Abschlüsse können in der jeweiligen Branche anerkannt sein, auch wenn sie nicht mit einer staatlichen Prüfung enden. Zudem gibt es Abschlüsse, die bei Volkshochschulen oder privaten Anbietern erworben werden.

[] Der Weiterbildungsmarkt ist groß. Zahlreiche Anbieter tummeln sich dort. Eine gute Anlaufstelle ist die Datenbank Kursnet der Bundesagentur für Arbeit unter www.kursnet.arbeitsagentur.de. Sie liefert viele Weiterbildungsmöglichkeiten für die unterschiedlichsten Berufe. Auch Berufsverbände oder Bildungswerke können Informationen liefern. Seriöse Anbieter informieren umfassend und transparent über Dauer, Lehrmethoden, Inhalte, Ziele, Abschluss und Kosten einer Weiterbildung. Hinweise auf die Qualität können Zertifizierungen und anerkannte Gütesiegel sein. Im Vertrag sollten Dauer, Abschluss, Inhalte, Prüfungsordnung, alle Kosten, Zahlungsweise sowie Kündigungs- und Rücktrittsbedingungen geregelt sein. Die Kosten für eine Weiterbildung können je nach Anbieter stark schwanken. Man sollte darauf achten, ob Lehrmaterial im Preis enthalten ist und ob Prüfungsgebühren zusätzlich anfallen.

Zuschüsse und Bildungsurlaub

[] Wer sich beruflich weiterbildet, muss auch über die Finanzierung nachdenken. Es gibt regionale und bundesweite Förderungen. Je nach Angebot kann man mit mehreren hundert Euro rechnen, wenn man die Voraussetzungen erfüllt. Das Meister-Bafög gibt es für alle, die eine Aufstiegsfortbildung planen. Voraussetzung ist, dass man über eine anerkannte Erstausbildung verfügt. Wer nicht älter ist als 25 Jahre, kann sich um ein Weiterbildungsstipendium der Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung gGmbH bewerben. Wer älter als 25 Jahre ist, kann ein Aufstiegsstipendium beantragen. Für Erwerbstätige, deren zu versteuerndes Jahreseinkommen 25 600 Euro bei Alleinstehenden oder 51 200 Euro bei gemeinsam Veranlagten nicht übersteigt, kann die Bildungsprämie interessant sein. Sie setzt sich zusammen aus dem Prämiengutschein (500 Euro jährlich) und dem Weiterbildungssparen (über vermögenswirksame Leistungen).

[] In zwölf Bundesländern haben Arbeitnehmer einen gesetzlichen Anspruch auf Bildungsurlaub. Er gilt, je nach Bundesland, als gesetzlich verankerter Zeitraum von etwa fünf Tagen pro Jahr. Den Zeitpunkt der Weiterbildung bestimmt der Arbeitgeber. Dabei muss er die Wünsche des Arbeitnehmers berücksichtigen. Ob ein Arbeitgeber sich an den Kosten der Weiterbildung beteiligt, entscheidet er. Eine gesetzliche Verpflichtung dazu besteht nicht. Viele Arbeitgeber freuen sich aber, wenn sich ein Mitarbeiter weiterbilden will. Man sollte den Chef fragen, ob er einen Teil der Kosten übernimmt.

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