Weihnachtsgeld Alle Jahre weniger

Polizisten, Lehrer, Bauarbeiter: Viele Beschäftigte bekommen dieses Jahr weniger Weihnachtsgeld. Selbst die Kirche spart an der Sonderzahlung.

Von Von Martin Hammer

Normalerweise ist der Blick auf den November-Gehaltszettel für die meisten Angestellten ein Grund zur Freude. Denn dann überweisen viele Firmen ihren Mitarbeitern zusätzlich zum Monatsgehalt das Weihnachtsgeld, je nach Branche und Betrieb zwischen 25 und 120 Prozent des monatlichen Einkommens. Doch in diesem Jahr dürfte die Freude bei einigen Münchnern deutlich geringer ausfallen als sonst - denn viele bekommen 2004 weniger Weihnachtsgeld.

Nicht alle müssen dieses Jahr ums Weihnachtsgeld fürchten. Schönstes Gegenbeispiel: BMW.

(Foto: Foto: dpa)

"Es gibt zwar keine repräsentativen Daten, aber alle Hinweise deuten darauf hin, dass sich der Trend zur Kürzung der Sonderzahlung auch in diesem Jahr fortsetzt", erklärt Reinhard Bispinck, Referatsleiter Tarifpolitik beim Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut der Hans-Böckler-Stiftung. Vor allem übertarifliche Zahlungen stünden dabei zur Disposition, denn eine Mindesthöhe des Weihnachtsgeldes bleibe in vielen Branchen durch den Tarifvertrag gesichert: Die Spanne reicht von 55 Prozent in der Metallindustrie bis zu 100 Prozent des Montasgehalts im Bankgewerbe.

780 Euro weniger

Doch es gibt Ausnahmen: Im Baugewerbe haben sich die Tarifparteien 2003 auf eine Öffnungsklausel geeinigt, die eine Reduzierung des Weihnachtsgeldes auf 780 Euro erlaubt. "Für einen Facharbeiter bedeutet das statt 55 nur noch 30 Prozent des Monatslohns", erklärt Lothar Platzer, Tarifexperte des Bayerischen Baugewerbeverbandes. Und mehr als 90 Prozent der Münchner Betriebe würden in diesem Jahr von dieser Regelung auch Gebrauch machen.

Ebenfalls gekürzt wird 2004 beim Staat. Nicht nur die bayerischen, auch die rund 10.000 städtischen Beamten bekommen statt bisher 84,29 Prozent jetzt je nach Besoldungsgruppe nur noch 65 beziehungsweise 70 Prozent eines monatlichen Bruttogehalts. Auch die evangelische Kirche in Bayern hat diese Regelung übernommen und überweist ihren rund 2900 Pfarrern in diesem Jahr weniger Weihnachtsgeld. Bei den pensionierten Beamten der Stadt schrumpft der Bonus laut Personalreferat sogar auf 54 bis 60 Prozent. Nicht betroffen sind die 16.000 städtischen Angestellten. Sie erhalten unverändert 82,14 Prozent ihres Lohns.

120 Prozent vom Monatslohn

Die Beschäftigten des krisengeschüttelten Karstadt-Konzerns müssen um ihr Weihnachtsgeld noch zittern. Derzeit wird verhandelt, ob die von der Dauer der Betriebszugehörigkeit abhängige Vergütung, die bisher als Warengutschein ausbezahlt wurde, bestehen bleibt. Sicher leer ausgehen werden die Mitarbeiter der Telekom-Sparte T-Com. Im Frühjahr haben sich die Tarifparteien auf eine Arbeitszeitverkürzung geeinigt, die entsprechende Lohnkürzung erfolgt durch den Wegfall des Weihnachtsgelds.

Bei den Münchner Dax-Unternehmen hat sich in diesem Jahr dagegen kaum etwas geändert - die Arbeitnehmer bekommen genauso viel Geld wie im Vorjahr. Wie viel das ist, ist höchst unterschiedlich: Primus bleibt der Autobauer BMW, der seinen Mitarbeitern bis zu 120 Prozent des Monatslohns als Weihnachtsgeld überweist - mehr als das Doppelte der Tarifvorgabe.

Beim Versicherungskonzern Allianz gibt es immerhin 90 Prozent des Monatsgehalts für die Weihnachtseinkäufe, ebenfalls mehr als der Tarifvertrag vorschreibt. Siemens hält sich dagegen genau an die Vorgabe aus dem Metall-Tarif und zahlt, ebenso wie Infineon und MTU, je nach Dauer der Betriebszugehörigkeit zwischen 25 und 55 Prozent der Monatsbezüge. Darüber hinaus gebe es im Januar eine variable Zahlung, deren Höhe vom Erfolg des Konzerns abhänge, so ein Siemens-Sprecher.

Auch wenn viele Beschäftigte in diesem Jahr weniger Geld zum Jahresende bekommen, dass an den Geschenken gespart wird, fürchtet der Einzelhandel nicht. "Wir rechnen gegenüber dem Vorjahr mit einem Plus im Weihnachtsgeschaft", sagt Bernd Ohlmann, Sprecher des Branchenverbands LBE, optimistisch. "Man gönnt sich dieses Jahr etwas zu Weihnachten" - auch wenn der Arbeitgeber sich geiziger zeigt als im Vorjahr.