Weihnachtsfeier im Job "Die Kunst ist, die rechte Hand frei zu haben"

Ein Faux Pas: Sektgläser werden nicht am Kelch, sondern am Stiel gehalten - es sei denn, man braucht gerade eine freie Hand, sagt die Knigge-Expertin.

(Foto: Alasdair Elmes/Unsplash)

Knigge-Expertin Katharina Starlay erklärt, wie Sie stilvoll die Betriebsfeier meistern und Peinlichkeiten vorbeugen.

Interview von Larissa Holzki

In vielen Betrieben steht in diesen Tagen die Weihnachtsfeier an. Und Vorbereitung kann sich lohnen, denn Weihnachtsfeiern sind eine Chance zum Netzwerken. Sie können aber auch leicht zur Stilfalle werden, sagt die Modedesignerin und Knigge-Ratsfrau Katharina Starlay. Im Interview am Morgen gibt Sie Tipps für einen gelungenen Abend.

SZ: Was ziehe ich zur Weihnachtsfeier an, Frau Starlay?

Katharina Starlay: Solche Veranstaltungen kommen oft privat daher, nach dem Motto: Heute wollen wir mal ganz entspannt miteinander sein. Aber letztlich ist auch das Geschäft. Die Menschen sind Kollegen und Chefs. Ein gewisses professionelles Verhalten wird erwartet. Wenn kein Dresscode in der Einladung steht, würde ich den Gastgeber danach fragen. In der Regel ist Business Casual bis Smart Casual angemessen.

Mit diesen Dresscodes kennt sich nicht jeder aus. Was heißt das?

Interview am Morgen

Diese Interview-Reihe widmet sich aktuellen Themen und erscheint von Montag bis Freitag spätestens um 7.30 Uhr auf SZ.de. Alle Interviews hier.

Business Casual bedeutet, man ist ein bisschen lässiger unterwegs, trägt aber nach Möglichkeit noch ein Teil des Businessoutfits, so dass es geschäftlich aussieht. Smart Casual ist ein privater Dresscode, bei dem man sich schick macht. Dabei trägt man glänzende Materialien und festlichere Kleidung, ein bisschen mehr Schmuck. Da dürfen Sie sich also ein bisschen schön machen. Aber Achtung: Man kann auch overdressed sein.

Gerade für neue Mitarbeiter oder in großen Unternehmen ist es manchmal ein bisschen unangenehm, zur Firmenfeier zu gehen. Man irrt herum, kommt sich hilflos vor und weiß nicht, wo man sich anhängen darf.

Wer sich nicht so wohlfühlt, sollte sich mit einem Kollegen verabreden. Dann kommt man nicht in so eine Menge rein, in der man sich finden muss, sondern kann zu zweit das erste Getränk nehmen und sich orientieren.

Für Netzwerker bieten Betriebsfeiern die Chance, endlich mit dem Leiter der Abteilung ins Gespräch zu kommen, in die sie gerne wechseln würden. Im entscheidenden Moment sind dann meist allerdings die Hände voll Sekt und Häppchen, und schon ist er vorbeigelaufen. Lässt sich diese Situation stilvoll lösen?

Ja, die Kunst ist, die rechte Hand für einen Begrüßungshandschlag frei zu haben. Und das geht auch. Bei einem Stehempfang bekommt man in der Regel als erstes ein langstieliges Glas mit Sekt in die Hand. Dieses Glas hängt man sich in die geöffnete linke Hand zwischen Zeige- und Mittelfinger. Mit dem Daumen kann man das Glas stabilisieren. So bleiben Mittelfinger, Ringfinger und kleiner Finger frei. Legt man sich dort eine gefaltete Serviette hinein, haben kleinere Häppchen Platz - und mit der freien Hand können Sie abwechselnd Hände schütteln und trinken.

Katharina Starlay ist Modedesignerin, Imageberaterin und Stilbuchautorin. Seit 2014 ist sie Mitglied im Knigge-Rat.

(Foto: Stephanie Schweigert)

Das klingt nach einer wackeligen Angelegenheit.

Üben Sie vor der Weihnachtsfeier mit Schokostücken. Ich verwende in Seminaren immer diese eingepackten Miniriegel. Wenn die herunterfallen, bleibt der Fußboden trotzdem sauber.

Apropos sauber. Es ist peinlich, wenn bei so einer betrieblichen Feier Rotwein über Hemd oder Bluse verschüttet wird. Ist der Abend dann noch zu retten?

Generell würde ich raten, bei Veranstaltungen im Winter immer einen Schal dabei zu haben. Gerade eine Seidenbluse wärmt nicht. Ein schönes Tuch ist die Rettung - sowohl wenn es zieht, als auch bei Rotweinpannen. Ansonsten hilft nur die Charmeoffensive. Lächeln Sie und überlegen Sie sich einen guten Spruch, um das Malheur zu überspielen: Leider passt die Farbe nicht ganz in mein sonstiges Farbkonzept heute Abend. Das kann immer passieren, gerade wenn es voll ist.

Auch ein Graus: Wenn sich der Chef etwas Lustiges überlegt hat und rote Mützen verteilt. Die schöne Frisur! Muss ich bei jedem Gag mitmachen?

Ich fürchte, ja. Sie werden sonst zum Spielverderber. Da würde ich drüber stehen, lächeln und hoffen, dass kein Fotoapparat in der Nähe ist. Aber in der Regel kommen Sie auch um den Schnappschuss nicht herum.

Die #metoo-Debatte hat in diesem Jahr darauf aufmerksam gemacht, dass sich vor allem viele Frauen von Kollegen und Vorgesetzten sexuell belästigt fühlten. Das hat Menschen auch verunsichert. Darf man noch Komplimente machen?

Absolut, aber sie verlangen mehr denn je Feinfühligkeit. Zum einen kommt es auf die Formulierung an. Man muss ja nicht sagen, du bist schick oder gar sexy, aber man kann sagen: Der Blazer hat einen schicken Schnitt; Ich finde dieses Kleid besonders schön an dir; Du hast eine tolle Ausstrahlung heute. Wichtig ist auch, dass man Komplimente unter vier Augen verteilt und nicht einfach im Vorbeigehen. Warten Sie einen Moment ab, in dem Sie in der Menge für einen Moment unter sich sind.

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