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VroniPlag-Gründer Martin Heidingsfelder:Geschäftsmodell Plagiatsprüfung

Und jetzt gab es viele, die der Ansicht waren, es tue einiges zur Sache, wer genau dieser Martin Heidingsfelder ist. Nun, er ist Franke, Diplom-Kaufmann und Inhaber eines kleinen Unternehmens das Online-Befragungen anbietet. Vor allem aber ist er kein Wissenschaftler aus dem Mittelbau, der sich über die Entwertung seines Doktortitels ärgert. Dafür ist er SPD-Mitglied. Vor allem der FDP-Europaabgeordnete Jorgo Chatzimarkakis, dem sein Doktortitel im Juli entzogen worden war, ergriff die Chance zur Vorwärtsverteidigung. In Bild warf er Heidingsfelder "parteipolitische und kommerzielle Interessen" vor. Und auch im VroniPlag-Forum des Wikis wurde heftig darüber diskutiert.

Kritik aus den eigenen Reihen

In seinem Profil beim Online-Business-Netzwerk Xing bietet Heidingsfelder inzwischen die "Begutachtung wissenschaftlicher Texte" und "Plagiatsprüfung" als Leistungen an. Nun wäre er damit nicht der einzige professionelle und auch nicht der einzige kommerzielle Plagiatsjäger. Aber dann ist da noch der Umstand, dass Ende Juni beim Deutschen Patent- und Markenamt die Markenrechte für "Vroniplag" und "Guttenplag" auf Martin Heidingsfelders Namen eingetragen wurden. Ohne ihr Wissen, wie andere Administratoren der Seite sagen.

Martin Heidingsfelder glaubt, es werde von außen versucht, VroniPlag zu spalten, die Leute dort gegeneinander aufzubringen und einzelne auszugrenzen: "Ich will, dass das Wiki weitergeht." Es sei eine unglaubliche Leistung, die dort erbracht worden sei. Er liebe das Projekt. Konflikte seien doch normal. Ein paar Wochen vor seinem Outing hatten ihm die anderen Administratoren die privilegierten Zugriffsrechte eines "Bürokrators" entzogen, eine Degradierung haben das manche genannt.

Als im Februar auf der Seite GuttenPlag die Promotion des Verteidigungsministers auseinandergenommen wurde, erzählt Martin Heidingsfelder, habe er erst nur ein paar Tage lang neugierig zugeschaut. Dann sei ihm selbst eine Fundstelle untergekommen. Eigentlich hatte er zu diesem Zeitpunkt ein dringendes berufliches Projekt auf dem Schreibtisch liegen. "Nach drei Tagen habe ich meinem Auftraggeber gesagt, ich habe keine Zeit. Das war mein erstes Opfer, ich habe den Auftrag sausen lassen."

Als Koch-Mehrin ins Spiel kommt, geht es los

Am Rande seiner Guttenberg-Recherchen tauchten dann Hinweise auf die Doktorarbeit von Veronica Saß, geborene Stoiber auf. Sie ist die Tochter früheren bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber. Unter den anderen GuttenPlagianern aber fehlt es an Interesse. Saß ist keine Politikerin, sie hat kein Amt und kein Mandat. Schließlich beschließt Heidingsfelder ein eigenes Wiki einzurichten, dass sich zunächst nur Saß' Promotion widmet - VroniPlag. Das Projekt dümpelt eine Weile vor sich hin. "Es waren am Anfang ganz wenige Leute", erinnert sich Heidingsfelder, weit weniger als die zwanzig Aktiven, die später zusammenkamen: "Wir hatten ja nur einen Fall." Auch ein zweiter, der des baden-württembergischen CDU-Landtagsabgeordneten Matthias Pröfrock, ändert daran nichts - obwohl beide Male der Plagiatsnachweis gelingt und es zur Aberkennung der Doktorwürde führte. Erst als Silvana Koch-Mehrin ins Spiel kommt, hebt VroniPlag so richtig ab.

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