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Vorwürfe gegen die Universität Würzburg:Doktortitel gegen Spenden

...Strauß wollte seinen Spezl unbedingt als Professor in Würzburg sehen.

Forchel: Die Universität hatte einen anderen Kandidaten vorgeschlagen und war nicht frei handlungsfähig. Aber natürlich ist die Tatsache, dass 30 Jahre danach wiederum von einer Fabrik für Titel die Rede ist, doppelt ärgerlich.

Welche Konsequenzen hat die Universität jetzt gezogen?

Frosch: Wir haben einige Defizite in der alten Promotionsordnung und im Promotionsverfahren festgestellt. Mit der neuen Ordnung, die in Kürze in Kraft tritt, stellen wir sicher, dass Promotionsvermittler nicht tätig werden dürfen, dass die Regeln der Forschungsgemeinschaft eingehalten werden und dass die Doktorarbeit öffentlich verteidigt werden muss. Eigentlich sind das heute Selbstverständlichkeiten. Aber klar: Ein Gesetz wird verändert, wenn man merkt, so kann es nicht weiter gehen.

Seit 2006 sind fünf Jahre ins Land gezogen. Eine lange Zeit.

Frosch: Wir haben unsere Ordnung von Grund auf neu konzipiert und auch die Rechtsprechung einbezogen. Das erforderte enge Abstimmungen mit der Rechtsabteilung. Tatsache ist auch, dass die Universitäten heute mit Aufgaben überhäuft werden, die sie kaum mehr bewältigen können - eine Gremiensitzung jagt die andere. Für die eigentlichen Kernaufgaben der Universitäten bleibt uns kaum noch Zeit.

Der Professor, der die Doktortitel vergeben hat, gilt als Mann mit lexikalischem Wissen. Was treibt so einen an?

Forchel: Wir wissen es nicht. Wir gehen davon aus, dass der heutige Emeritus auf diesem Weg Spenden für seine - der Forschung nahestehenden - gemeinnützigen Vereine gesammelt hat, möglicherweise auch von Promovierenden. Um eigene Bereicherung ging es dabei aber mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht. Die Staatsanwaltschaft hat das überprüft. Ob die neuen Ermittlungen disziplinarrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen, werden wir sehen.

Herr Forchel, Herr Frosch. Fühlen Sie sich jetzt in einer ähnlichen Rolle, wie Bayreuth nach der Guttenberg-Affäre?

Frosch: Es schmerzt natürlich, sich mit solchen Geschichten in der Diskussion wiederzufinden. Zweifel am ordnungsgemäßen Zustandekommen und der Qualität einzelner medizinischer Doktorarbeiten widersprechen eklatant unserem Anspruch, eine international beachtete Institution der medizinischen Forschung zu sein. Es gibt aber einen entscheidenden Unterschied zu den Vorgängen in Bayreuth: Wir haben 2005 selber diese Probleme erkannt und eine Klärung versucht, die mit der Übergabe der Vorgänge an die Staatsanwaltschaft abschloss.

© SZ vom 28.05.2011/holz
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