bedeckt München 17°

Vorwürfe gegen die Universität Würzburg:"Das Ansehen der gesamten Universität steht auf dem Spiel"

2005 sind mehrere Schriften im medizinhistorischen Institut gefunden worden, niedergelegt in der Handschrift des Emeritus. Diese Schriften stimmen in weiten Teilen mit zuvor eingereichten Doktorarbeiten überein. Als das entdeckt wurde, hätte das doch die sofortige Aberkennung der Titel bedeuten müssen. Wenn der Papa an der Hausarbeit des Sohnes mitwirkt, kann das nur eine Konsequenz haben: Note ungenügend.

Frosch: So hatten wird das auch erwartet. Deswegen haben wir damals die Universitätskommission zur Untersuchung wissenschaftlichen Fehlverhaltens beauftragt, die Vorgänge zu prüfen. Am Ende wurde die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Sie kam zu dem Ergebnis, eine unlautere Hilfe sei nicht gerichtsfest nachzuweisen. Trotzdem müssen wir die Vorgänge nun aufarbeiten, denn das Ansehen der medizinischen Fakultät und damit auch der gesamten Würzburger Universität steht auf dem Spiel. Es darf nicht sein, dass wegen einiger zweifelhafter Doktorarbeiten der "Doktor med." aus Würzburg generell abgewertet wird.

Ein Patient denkt, ein "Doktor med.", etwa ein Zahnarzt oder ein Chirurg, habe sich einen Doktortitel erworben als Spezialist für ein bestimmtes medizinisches Fach. In Wahrheit hat er eine Arbeit abgeliefert, keine 40 Seiten über historische Heilblumen - die eigentlich in die philosophische Fakultät gehören würde, wäre sie nicht so verstörend dünn.

Frosch: Ich gebe Ihnen völlig recht. Wir haben als medizinische Fakultät nicht ausreichend die uns zur Verfügung stehenden Kontrollinstrumente genutzt. Wir hätten sagen müssen: Das ist in der Tat eine philosophische Arbeit - dann müsste wenigstens das Zweitgutachten aus dieser Fakultät stammen. Kam es aber nie, es waren immer Mediziner.

Forchel: Generell zeigt das die Schwierigkeiten von kleinen fachübergreifenden Disziplinen - wie etwa der Medizingeschichte. Wenn es da an der Spitze Anfälligkeiten gibt, schlagen die voll durch.

Wozu braucht ein einfacher Mediziner eigentlich einen Doktortitel?

Frosch: Diese Frage ist berechtigt. Zum Teil bezeichnet der Doktortitel natürlich umgangssprachlich sozusagen unseren Beruf. Der Arzt ist eben der "Herr Doktor", von daher gehört der Titel bei den meisten dazu, wir haben Promotionsquoten von 80 Prozent. Der Anspruch an die Promotion muss aber primär sein, zum wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn beizutragen. Aus Studentenbefragungen wissen wir, dass eine gute wissenschaftliche Ausbildung das Anliegen der Medizinstudenten ist. Der Promotion kommt da eine Schlüsselstellung zu. Daher wehre ich mich, nun leichtfertig den "Doktor med." in Frage zu stellen.

In dem anonymen Papier, das die neuen Ermittlungen maßgeblich in Gang gebracht hat, wird auch unterstellt, dass man am medizinhistorischen Institut nur mit "stramm rechter Gesinnung" seine Karriere vorantreiben konnte.

Forchel: Hinweise darauf haben wir nicht gefunden. Ich vermute, damit sollte eine Verbindung zu früheren Vorgängen an der Würzburger Universität nahegelegt werden.

Sie spielen an auf die viel beschriebene "Doktorfabrik" des umstrittenen Soziologie-Professors und Franz-Josef-Strauß-Spezls Lothar Bossle, der vor 30 Jahren im Ruf stand, in Würzburg Titel am Fließband zu produzieren.

Forchel: Wobei man sagen muss, dass bei Bossle die Qualitätskontrollen der Uni funktioniert haben. Gegen dessen Berufung hat die Uni Würzburg ja heftig protestiert - damals scheiterte man an den politischen Rahmenbedingungen...

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema