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Vorstellungsgespräch:Frauen wirken anders

Kieler Forscherinnen untersuchen Vorurteile gegenüber Männern und Frauen bei Bewerbungsgesprächen.

Auch wenn eine Frau und ein Mann im Vorstellungsgespräch Wort für Wort dasselbe sagen, hören die Leute verschiedene Aussagen heraus. Das zeigt eine Studie von Forscherinnen der Universität Kiel.

Anja Gottburgsen

Anja Gottburgsen rät Frauen, bei Gehaltsverhandlungen nicht zu tief zu stapeln

Das Experiment: Einigen hundert Versuchspersonen wurde das schriftliche Protokoll eines Bewerbungsgesprächs vorgelegt. Bei der Hälfte der Fälle war von einem männlichen Kandidaten die Rede. Bei der anderen Hälfte bewarb sich eine Frau um die Stelle. "Im Anschluss daran sollten die Testpersonen Qualitäten und Eignung der Bewerber beurteilen", erklärt Projekt-Mitarbeiterin Anja Gottburgsen.

Obwohl das schriftliche Material Wort für Wort übereinstimmte, wurden Männer von den Testpersonen im Nachhinein ganz anders eingeschätzt als Frauen.

Höflich statt aggressiv

So erinnerten die Versuchspersonen sich bei Bewerberinnen häufiger an Höflichkeitsfloskeln und kooperatives Gesprächsverhalten, sowie daran, dass sie ihre eigenen Aussagen abschwächten oder verschönerten. Männer dagegen sprachen in der Einschätzung der Testpersonen durchsetzungsfähiger und aggressiver.

Als die Testpersonen den zukünftigen Erfolg und das Jahreseinkommen der fiktiven Bewerber einschätzen sollten, schnitten Männer weitaus besser ab, obwohl das zu Grunde liegende Testmaterial immer noch das gleiche war. "Das ist ein Beleg dafür, dass hier Klischees in den Köpfen der Testpersonen am Werke waren", sagte Gottburgsen.

Man dürfe die Vorurteile im Kopf aber nicht durchgängig als schlecht ansehen, betont die Forscherin. Stereotype machen nach ihrer Ansicht das Leben auch leichter, weil sie uns helfen, in komplexer Umwelt zurecht zu kommen.

Nicht unter Wert verkaufen

Um in einem Bewerbungsgespräch einen besseren Eindruck zu hinterlassen, macht es nach ihrer Ansicht keinen Sinn, sich zu verstellen:

"Wenn sich eine Frau absichtlich aggressiver und durchsetzungsfähiger gibt, als sie ist, kann das leicht nach hinten losgehen", schätzt Gottburgsen. Der Gesprächspartner sei über das männliche Verhalten der Bewerberin dann eher irritiert. Einzige Ausnahme: "Was das Gehalt angeht, sollten Frauen ruhig ein wenig härter verhandeln", rät sie. Denn Frauen verkauften sich im Vergleich zu ihren Geschlechtsgenossen oft unter Wert.

(sueddeutsche.de/AP, Anke Weidmann)