Von Meister bis Master Staatlich anerkannte Fortbildungen und Schulabschlüsse

Bundesweit einheitlich geregelt und staatlich anerkannt sind außerdem die Fortbildungsabschlüsse nach dem Berufsbildungsgesetz und der Handwerksordnung. Dem Bildungsministerium zufolge sind sie etabliert und regelrecht als "Marke" anerkannt. Dazu gehören 230 bundesrechtlich geregelte Fortbildungsordnungen, nach denen man beispielsweise Schreinermeister, Industriemeister oder Fachwirt wird. Landesrechtlich geregelt sind beispielsweise die Fortbildungen zum Staatlich geprüften Techniker oder Betriebswirt. Auch Erzieher, Fachkrankenpfleger, Fachkaufmann/-frau oder Edelmetall-Gestalter sind derart geregelte berufliche Abschlüsse, die nur erreicht, wer eine staatlich anerkannte Prüfung erfolgreich abgelegt hat.

Bei diesen Bildungsgängen ist genau festgelegt, was der Teilnehmer lernen und am Ende können muss, um die jeweilige Qualifikation zu erwerben. Sie setzen in der Regel bereits eine abgeschlossene Berufsausbildung und oft auch mehrjährige Berufserfahrung voraus und gelten daher als Berufsabschlüsse, die einem über eine allgemein anerkannte Berufsbezeichnung den Zugang zu neuen Aufgaben ermöglichen. Das sorgt für Transparenz und Vergleichbarkeit, bedeutet aber auch viel Engagement, weil sie mehrere Monate, oft auch, wie beim Meister oder Techniker, mehrere Jahre Zeit in Anspruch nehmen.

Solche Aufstiegsfortbildungen werden nach drei Qualifikationsebenen gegliedert: Nach Erstausbildung und erster Berufserfahrung kann man sich beispielsweise zum Geprüften Fachberater oder zum Kfz-Servicetechniker fortbilden, um so spezielle berufliche Fertigkeiten wie Kundenberatung oder Projektleitung zu vertiefen. Auf der zweiten Ebene, die für mittlere Führungsaufgaben, zur Selbstständigkeit als Handwerker oder zum Ausbilden qualifiziert, stehen Meister, aber auch Fachwirte oder Staatlich Geprüfte Techniker.

Die dritte Ebene bilden beispielsweise der Geprüfte Betriebswirt oder der Geprüfte Berufspädagoge. Diese soll auf Unternehmensführung und strategische Planungs- und Entscheidungsaufgaben vorbereiten. Nötig sind dazu, beispielsweise für den Betriebswirt, zwei Jahre Vollzeitunterricht an Fachschulen, Akademien, Kammern oder auch privaten Instituten. Während der Kurs oft auch als Fernunterricht angeboten wird, muss die Prüfung jedoch in der Regel bei einer offiziell zuständigen Stelle, etwa der Handwerkskammer, absolviert werden.

Anerkannt in der eigenen Branche

Viele andere, oft kürzere fachbezogene Fortbildungen sind zwar nicht öffentlich-rechtlich geregelt und enden nicht mit einem gesetzlich anerkannten Abschluss. Aber sie unterliegen innerhalb der jeweiligen Branche klar geregelten Vorgaben des Verbandes und schließen ebenfalls mit einer Prüfung nach einheitlichen Kriterien ab. Daher sind sie oft im jeweiligen Berufszweig von großem Ansehen, weil sie Inhalte vermitteln, die allgemein oder gerade gefragt sind - das kann die Wellness-Massage-Fortbildung für Kosmetiker an einer Berufsfachschule genauso sein wie die mehrmonatige Weiterbildung zum Energieberater oder zur Fachkraft für mechatronische Systeme bei der Handwerkskammer. Auch als Wirtschaftsinformatiker oder Pflegedienstleiter im Gesundheitswesen kann man nach Lehrgängen an Fachschulen, Akademien, Kammern oder privaten Einrichtungen arbeiten.

Fachwissen in bestimmten, enger umgrenzten Bereichen, etwa für Buchführung oder für einzelne Computerprogramme lässt sich sowohl bei öffentlichen wie auch bei privaten Bildungsträgern - vom eigenen Arbeitgeber oder dem Berufsverband über die Volkshochschule bis zum Erwachsenenbildungswerk - erwerben. Welche Verwertbarkeit diese Zertifikate über bestimmte Qualifikationen im Einzelfall haben, lässt sich in Weiterbildungsberatungen klären. Bei der Einschätzung können auch die Kammern, Branchenverbände oder Arbeitsagenturen helfen.

Ohne bestimmte Abschlüsse bleiben einem Arbeitsbereiche, Karriereschritte und auch höhere Weiterbildungsstufen mitunter verschlossen. Neben der fachlichen Fortbildung ist deshalb auch eine allgemeine Weiterbildung möglich, indem man zunächst einmal Schulabschlüsse nachholt und sich so auf den beruflichen Aufstieg vorbereitet. Wer etwa eine Berufsfachschule besuchen will, um Fachkrankenpfleger zu werden, muss in der Regel mindestens einen mittleren Schulabschluss mitbringen. Alle allgemeinbildenden Schulabschlüsse lassen sich auf dem Zweiten Bildungsweg nachholen, je nach Niveau an Volkshochschulen, (Berufs-)Kollegs, Abendschulen, Fachschulen, -akademien oder per Fernunterricht. Eine Übersicht hat die Bundesagentur für Arbeit hier zusammengestellt.