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Videobewerbung:Und bitte!

Der perfekte Dreh: Was Jobsuchende bei der Produktion einer Video-Bewerbung unbedingt beachten müssen und wie sie sich dabei von ihrer besten Seite präsentieren.

Sebastian Knoppik

Die Vorteile von Video-Bewerbungen liegen auf der Hand: Der Personalchef kann sich vom Schreibtisch aus einen persönlichen Eindruck von dem Bewerber machen und so schon frühzeitig Kandidaten aussortieren, die nicht ins Unternehmen passen. Und die Bewerber selbst können sich von ihrer besten Seite präsentieren und Informationen liefern, die aus Lebenslauf, Anschreiben und Foto allein nicht hervorgehen. Doch wer zur Kamera greift, sollte einiges beachten, um einen guten Eindruck beim künftigen Arbeitgeber zu hinterlassen. Merke: Besser als ein schlechtes Bewerbungsvideo ist gar kein Video.

Profis ranlassen

Natürlich lässt sich ein Video für die Bewerbung theoretisch auch mit einer einfachen Amateur-Kamera aufnehmen. Inzwischen wird sogar spezielle Software angeboten, mit der sich Bewerbungsvideos erstellen lassen. Doch Experten raten von dieser Variante ab. Verwackelte und dunkle Amateur-Aufnahmen mögen auf Youtube einen gewissen Charme haben. Bewerbungsvideos aber sollte man von einem Profi mit entsprechender Ausrüstung machen lassen. Denn die schlechte Filmqualität überträgt sich allzu leicht auf das Image des Bewerbers.

Der Coach zum Dreh

Aber auch aus einem anderem Grund empfiehlt sich eine professionelle Anleitung. Denn wer das Sprechen vor der Kamera nicht gewohnt ist, wirkt oft unnatürlich oder verkrampft. Da hilft etwa ein erfahrener Schauspieler, der dem Bewerber als Coach gegenübersitzt und dabei hilft, möglichst natürlich und selbstsicher zu wirken.

Schwarze Schafe

Video-Bewerbungen liegen derzeit im Trend. Viele wollen daher auf den Zug aufspringen. Inzwischen bieten zum Beispiel Fotografen zusätzlich zu Bewerbungsfotos Videoaufnahmen an. Doch hier ist Vorsicht geboten. Allein eine professionelle technische Ausstattung ist noch kein Qualitätskriterium. Wer ein Bewerbungs-Video auf hohem Niveau produzieren will, wendet sich am besten an ein darauf spezialisiertes Studio und lässt sich entsprechende Referenz-Filme zeigen.

Vorbereitung ist alles

Einfach vor die Kamera setzen und loslegen, ist keine gute Idee beim Dreh des Bewerbungsvideos. Wer sich mit einem Film vorstellen möchte, sollte sich vorher genau überlegen, was die Hauptaussagen der Bewerbung sein sollen. Dazu empfiehlt es sich, sich auf etwa zwei bis drei Fragen zu konzentrieren, die man auf jeden Fall beantworten möchte.

Frei sprechen statt ablesen

Bei der Präsentation geht es vor allem darum, Charaktermerkmale und die Persönlichkeit des Bewerbers zur Geltung zu bringen. Wer einen vorgefertigten Text stur vom Blatt abliest, kann aber nicht viel über sich selbst verraten. Im besten Fall stellt jemand aus dem Off Fragen, die der Kandidat in freier Rede beantwortet und dem Personaler so etwas über seine bisherigen Berufserfahrungen und persönlichen Stärken mitteilt.

Nur das Sahnehäubchen

Das bewegte Bild transportiert vor allem Emotionen. Der potentielle Chef bekommt noch vor dem Vorstellungsgespräch einen Eindruck von der Persönlichkeit des Bewerbers und sieht möglicherweise auch, ob der Kandidat in das jeweilige Unternehmen oder Team passt. Ein Bewerbungsvideo kann aber nie alleine stehen. Für eine Bewerbung unerlässliche Fakten wie Berufsstationen, Ausbildungsabschlüsse oder andere Punkte des Lebenslaufs lassen sich kaum in einer Video-Botschaft mitteilen. Sie gehören ins Anschreiben und in den Lebenslauf. Bei einer Online-Bewerbung kann der Link zum Film in die Mail oder das Online-Formular gesetzt werden. Wählt man den klassischen Weg per Briefpost, brennt man das Video am besten auf eine CD und fügt diese bei.

Keine Experimente

Wer sich nicht gerade als Trendscout, Art Director oder in einem anderen besonders kreativen Beruf bewirbt, sollte auf Schwenks, Heranzoomen oder sonstigen Schnickschnack unbedingt verzichten. Seriosität ist beim Video genauso wie bei den übrigen Elementen einer Bewerbung unerlässlich. Die Kamera sollte daher ohne unnötige Bewegungen den Bewerber zeigen. Auch von überflüssigen Effekten und sonstigem schmückendem Beiwerk ist abzuraten. Ausnahmen in der Kreativbranche bestätigen diese Regel.

Kleidung passend zum Job

Kleiden sollte man sich beim Video-Dreh genau so wie man es beim Bewerbungsgespräch machen würde. Also dezent und seriös. Die Kleidung sollte sich dabei natürlich am künftigen Job orientieren. Von wem später der gut sitzende Anzug erwartet wird, der sollte sich auch bei der Bewerbung entsprechend förmlich kleiden. Geht es allerdings um eine Tätigkeit, bei der man meistens in Jeans und ohne Krawatte arbeitet, empfiehlt sich das auch für das Bewerbungsvideo. In jedem Fall muss man auf die Besonderheiten der Technik Rücksicht nehmen: Weißes oder Kleingemustertes ist tabu, weil es zu Bildflimmern führt.

Nicht langweilen

Ähnlich wie beim Bewerbungsanschreiben gilt auch bei der Video-Bewerbung, dass man den möglicherweise künftigen Chef auf keinen Fall langweilen sollte. Das gilt zum einen für den Inhalt des Spots. Ermüdende Wiederholungen sollte man möglichst vermeiden. Aber auch die Dauer des Videos sollte nicht zu lang sein. Drei Minuten gelten als absolutes Maximum.

Ein Video fürs Leben

Wer ein wirklich professionelles Bewerbungsvideo von sich drehen lassen möchte, muss mindestens 200 Euro investieren. Je nachdem, wie intensiv der Bewerber vor dem Dreh trainiert wird, kann es auch deutlich teurer werden. Man sollte daher schon allein aus Kostengründen ein Video nie auf eine bestimmte Stelle oder sogar auf einen einzelnen Arbeitgeber münzen. Dann wird nämlich bei einer künftigen Bewerbung der nächste teure Video-Dreh fällig. Der Film sollte den Bewerber und seine Fähigkeiten vielmehr allgemein vorstellen, damit das Video für unterschiedliche Bewerbungen verwendet werden kann.

© SZ vom 19.9.2009
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