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Versicherungen für Berufsanfänger:Bloß nicht zu viele abschließen

Wie sich Azubis richtig versichern.

Das erste Gehalt ist noch nicht überwiesen, da wollen schon die ersten Unternehmen an das hart verdiente Geld heran: Nicht nur Steuern und Sozialabgaben lassen die Ausbildungsvergütung schmerzlich schmelzen. Auch Versicherungen wollen einen Teil vom geringen ersten Lohn. Dabei reichen gerade beim Einstieg in das Berufsleben einige wenige Basisversicherungen.

"Bloß nicht überversichern", lautet der Rat von Michael Wortberg, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz in Mainz. Zu den "Basics" gehöre auf jeden Fall die Krankenversicherung. Bis spätestens 14 Tage nach Beginn der Ausbildung müssen sich Azubis für eine Kasse entschieden haben. "Danach muss der Arbeitgeber den Auszubildenden bei der Kasse anmelden, bei der er zuletzt war", sagt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten (BdV) in Henstedt-Ulzberg (Schleswig-Holstein).

Um den Geldbeutel zu schonen, darf es ruhig eine günstige Kasse sein. "Die Leistungen unterscheiden sich kaum", sagt Rudnik. Ist die Krankenkasse aber gewählt, bleibt die Mitgliedschaft mindestens 18 Monate bestehen. Innerhalb dieser Zeit ist ein Wechsel nur möglich, wenn die Beiträge erhöht werden.

Neben der Krankenversicherung müssen sich viele Auszubildende für eine private Haftpflicht entscheiden. Sie springt ein, wenn man anderen Schaden zufügt. Bei Autounfällen oder Personenschäden kann es schnell sehr teuer werden, wenn das Unglück selbst verschuldet ist. "In der Regel sind Auszubildende und Studenten aber noch über ihre Eltern haftpflichtversichert", sagt Michael Wortberg.

Erst bei einer Zweitausbildung müssen Azubis und Studenten selbst eine solche Versicherung abschließen. "Am besten fragt man bei der Versicherung der Eltern nach und lässt sich schriftlich bestätigen, dass man noch weiter versichert ist", so die Empfehlung von Thorsten Rudnik.

Auch eine Hausratversicherung ist für die meisten Azubis verzichtbar. "Die braucht man nur, wenn man tatsächlich einen eigenen Hausstand hat", erklärt Wortberg. Wohngemeinschaften hingegen sollten eine solche Versicherung abschließen. "Dabei ist genau darauf zu achten, dass die Versicherungssumme ausreichend hoch ist. In WGs, in denen jeder einen Computer, eine Musikanlage und hunderte von CDs hat, kommen recht hohe Wertsummen zusammen."

Heftig umworben werden Azubis auch von Anbietern für Berufsunfähigkeitsversicherungen. "So ein Abschluss ist für junge Menschen sinnvoll, weil sie in der Regel noch gesund sind und daher die Einstiegstarife niedrig sind", sagt Stephan Gelhausen vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin. Auch der BdV hält die private Absicherung gegen Berufsunfähigkeit für unverzichtbar. "Durch schwere Krankheit oder einen Unfall können auch Auszubildende schon berufsunfähig werden", erklärt Rudnik.

Anspruch auf eine staatliche Erwerbsminderungsrente haben Arbeitnehmer erst nach fünf Jahren Berufstätigkeit, und diese reicht laut Rudnik im Invaliditätsfall ohnehin nicht aus.

Völlig unangemessen ist für Azubis der Einstieg in die private Rentenvorsorge etwa mit Lebensversicherungen. "Das Gehalt ist während der Ausbildung noch viel zu gering, und oft ändern sich auch die persönlichen Lebensverhältnisse sehr schnell", sagt Michael Wortberg. Auch Rudnik mahnt Berufsanfänger zur Vorsicht. Viele machten den "teuren Fehler", zu früh in die Altersvorsorge einzusteigen.

© Britta Schmeis, dpa
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