Verhasstes Großraumbüro Wer zuerst kommt, bekommt den besten Platz

Per du mit dem Platzhirsch

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Eine zweite Tendenz sei das "desk sharing", bei dem es keine festen Arbeitsplätze mehr gibt, sondern sich jeder im Großraumbüro seinen Platz sucht. Hintergrund ist die Reduzierung der vollzeitbeschäftigten Kernmannschaften zugunsten flexibel einsetzbarer Arbeitskräfte wie Teilzeitmitarbeiter oder Zeitarbeiter, die nur phasenweise einen Schreibtisch benötigen. So könne man Raum sparen und auch flexible Arbeitsplätze von unterschiedlicher Qualität anbieten.

"Man hat allerdings auch immer neue Nachbarn, und wer als Letzter kommt, kriegt den schlechtesten Platz. Das führt dazu, dass die Leute früher mit der Arbeit beginnen", sagt Stadler. Das Urteil der Beschäftigten zu diesem Modell fällt häufig negativ aus: Man kann seinen Arbeitsplatz nicht mehr persönlich gestalten, denn Fotos der Kinder oder sogar das Abstellen der Brotdose auf dem Schreibtisch sind oft verboten. Bei der VGH in Hannover sind eigene Pflanzen unerwünscht - der Arbeitgeber sorgt in den Büros selber für die Begrünung.

Ein weiteres Problem ist laut Stadler das Verhalten von Führungskräften: "Einerseits soll die informelle Kommunikation durch Treffpunkte wie den Kaffeeautomaten im Großraumbüro gestärkt werden, andererseits reagieren Vorgesetzte negativ, wenn sie Mitarbeiter dort häufig treffen oder sie über den Urlaub reden hören. Angestellte fühlen sich dann kontrolliert." Letztlich, so Stadler, stecke hinter der starken Kritik an den Großraumbüros in Deutschland auch ein kulturelles Problem: "Bei Microsoft zum Beispiel haben im weltweiten Vergleich die deutschen Mitarbeiter die meiste Bürofläche. Der Konzern will einheitliche Verhältnisse und in Deutschland die Fläche reduzieren. In den USA, England oder den Niederlanden sind Großraumbüros üblich, in denen auch die Führungskräfte sitzen. In Deutschland regt sich dagegen noch Widerstand."