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Verhasstes Großraumbüro:Wie in einer Bahnhofshalle

Trotz aller Beschwerden der Angestellten bleiben Großraumbüros weiter Standard. Die Beschäftigten leiden nicht nur unter Trubel und Temperatur.

Die Versicherungsgruppe Hannover, kurz VGH, ist Niedersachsens größte Assekuranz. Im vergangenen Jahr wurden für die Zentrale in Hannover drei neue Gebäude mit einer Bürofläche von 28.500 Quadratmetern fertiggestellt, so dass nun alle etwa 1600 Mitarbeiter an einem Standort arbeiten. Das soll die Zusammenarbeit und Kommunikation im Konzern erleichtern. Zur Konzeption der Büroarbeitsplätze schreibt die VGH-Pressestelle: "Transparent aus Glas und Aluminium konstruiert, bilden helle, offene Räume für vier bis 14 Mitarbeiter die Teamstruktur und Kommunikationskultur des Versicherers optimal ab."

Großraumbüro

Großraumbüros sind weiterhin Standard. Auch wenn sich viele Angestellte nach einem Einzelbüro sehnen.

(Foto: dpa)

Ein Jahr ist die Eröffnung her, seitdem wurde manches geändert. "Es gab von den Mitarbeitern Beschwerden ohne Ende, das ging bis zum Personalrat. Der offene Bereich lag direkt am Fahrstuhl, was zu Unruhe durch den permanenten Strom von Menschen führte", sagt Architektin Ulrike Härke, bei der VGH zuständig für die Projektsteuerung beim Neubau. Wände wurden nachträglich eingezogen, um den Lärmpegel zu senken. Auf die Fensterscheiben zum Flur wurden Folien als Sichtschutz geklebt - Mitarbeiter hatten darauf gedrungen, um nicht permanent den Blicken von Außenstehenden ausgesetzt zu sein.

Der Lärm in den Großraumbüros bleibt ein Problem, das permanente Telefonklingeln wird als störend empfunden. "Man kann nachträglich keine Akustikpaneele einhängen, denn das würde die Kühlung beeinträchtigen", sagt Härke. Die VGH hatte auf eine künstliche Be- und Entlüftung verzichtet und sich statt dessen für wassergekühlte Leitungen in der Decke entschieden.

Die Vorstellungen der Arbeitgeber und der von ihnen beauftragten Architekten darüber, wie die 17 Millionen Büroarbeitsplätze in Deutschland idealerweise aussehen sollen, haben nicht unbedingt etwas mit den Wünschen der Betroffenen zu tun. Das stellt Silke Stadler von der Beratungsfirma Officekoncept aus München immer wieder fest. Die Architektin hat 2007 im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung im Raum München Büromitarbeiter von drei großen IT-Konzernen nach ihren Erfahrungen befragt. 86 Prozent der Befragten arbeiteten in Großraumbüros mit mindestens einem Dutzend Beschäftigten. Die Unternehmen hatten ihre Büroarbeitsplätze vor einiger Zeit umgestaltet und kleine Büros zugunsten von größeren Einheiten zusammengelegt.

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