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USA: Klagewelle wegen Diskriminierung:Wal-Mart: Das brisanteste Verfahren

Das bei weitem brisanteste Verfahren beschäftigt den Obersten Gerichtshof in Washington. Dabei geht es um den juristischen Feldzug der Kassiererin Betty Dukes gegen Wal-Mart, den größten Einzelhändler der Welt. Dukes, heute 60 Jahre alt, arbeitete in einer Filiale in San Francisco. Ähnlich wie die Klägerinnen im Fall Bayer, fühlte sie sich bei Beförderungen übergangen und zog vor Gericht. Sechs weitere Frauen schlossen sich dem Verfahren an. Bisher. Sollten Dukes und ihre Mitstreiterinnen Erfolg haben, könnte Wal Mart mit Lohnausgleichs- und Schadenersatzforderungen von 1,5 Millionen Frauen konfrontiert werden. Wal Mart droht eines der größten Verfahren der US-Wirtschaftsgeschichte - und ein Schaden in Milliardenhöhe.

Standortrisiko Klagekultur

Die Klagekultur entwickelt sich immer mehr zum Standortrisiko. Gerade auch mittelständische Unternehmen aus Deutschland lassen sich dadurch abschrecken, wie die deutsch-amerikanische Handelskammer bestätigt. Der kriselnden US-Wirtschaft entgingen dadurch dringend benötigte Investitionen.

Wie drakonisch die Strafen teilweise ausfallen, zeigt auch der Fall Novartis. Im Juli 2010 willigte der Schweizer Bayer-Konkurrent ein, 175 Millionen Dollar zu zahlen. Auch damals hieß die Klägeranwältin: Katherine Kimpel. Die US-Tochter des japanischen Toshiba-Konzerns und die französische Werbefirma Publicis hat die Juristin ebenfalls verklagt.

Diskriminierungsprozesse sind ein florierendes Geschäft. Viele Kanzleien bieten potentiellen Klägerinnen, die Prozesskosten zu übernehmen. Im Gegenzug lassen sie sich an der Schadenersatzzahlung oder der außergerichtlichen Einigung beteiligen. Auch mittellose Angestellte sollen so die Chance erhalten, gegen erlittenes Unrecht vorzugehen. In der Praxis führt die Regelung zu einer Klageinflation - und einer Flut haltloser Anschuldigungen. Ohne finanzielles Risiko gibt es keine Hemmschwelle für ein Verfahren.

Entscheidende Anhörung

Gerade das Urteil im Fall Wal-Mart wird nun mit Spannung erwartet. Am 29. März beginnen die Anhörungen vor dem Obersten Gericht. Die Verfassungsrichter müssen entscheiden, ob Mitarbeiterinnen aus unterschiedlichen Geschäften gemeinsam klagen dürfen oder ihre Interessen getrennt verfolgen müssen. Das Grundsatzurteil wird weitreichende Folgen haben, auch für Katherine Kimpel und Bayer. Sollte sich Wal-Mart durchsetzen, wird sie es sehr viel schwerer haben, dem deutschen Konzern 100 Millionen Dollar abzuringen.

© SZ vom 23.03.2011/holz

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