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Unternehmensgründung:Hauptsache, die Haftung ist geklärt

Wer eine eigene Firma starten will, muss vorab wichtige Fragen klären. Schon bei der Wahl der Unternehmensform gibt es viele Möglichkeiten - und genauso viele Risiken.

Florian Teistler schreibt ziemlich klein. Zum Glück. Sonst hätte noch mehr Blätter für seine lange Liste gebraucht. Er hat viele Fragen, will er doch ganz genau wissen, was er tun muss, um sich als Reparateur und Verkäufer von Vakuumpumpen selbständig zu machen. Das sind die Geräte, die man in Laboren benutzt, um Luft aus einem Behälter zu saugen und Wasser bereits unter hundert Grad verdampfen zu lassen; im Vakuum, daher auch der Name.

Deutsche Bundesbank - Jahresabschluss 2010

Die Rechtsform eines neuen Unternehmens will weise gewählt sein - schließlich hängt die eigene Existenz daran.

(Foto: dpa)

Vor zwei Jahren hat Teistler, Chemielaborant in München, in der Arbeit mal eine kaputte Pumpe repariert. Die läuft immer noch, ebenso wie viele andere, an denen er geschraubt hat. Die Firmenidee lag da nahe. Den Namen hat er auch schon: Vakuumtec soll sie heißen. Bis zur Gründung muss sich der 23-Jährige in lässigen Jeans aber noch mit ziemlich trockener Materie herumschlagen. Deshalb sitzt er jetzt im Beratungsraum des Münchner Existenzgründungsbüros. Ein schmaler Raum, weiße Wände, schmucklos, nichts was vom Thema und Monika von Braitenbergs Worten ablenkt.

Die blonde, junge Juristin von der Industrie- und Handelskammer (IHK) weist Teistler darauf hin, dass er als erstes klären muss, ob seine Firma unter die Zulassungspflicht für Feinmechaniker fallen würde. "Nein, da hab ich mich informiert", sagt er. Als nächstes erläutert Braitenberg, wie man einen Businessplan aufstellt und welche Rechtsformen für Teistlers Unternehmen in Frage kämen. "Für jede Idee gibt es die passende Form", sagt sie. Das hört sich beruhigend an und beruhigen will sie auch. Denn angesichts der Vielzahl möglicher Firmenvarianten mit ihren Vor- und Nachteilen hinsichtlich der Organisation, Kosten und Haftung kann künftigen Gründern leicht mulmig werden.

Für Markus Neuner, den Rechtsformspezialisten der IHK München, ist die Haftung eine ganz wichtige Frage, "Fehler dabei können Existenz vernichtend sein", sagt er. Denn bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften - also Offenen Handelsgesellschaften, Kommandit- und Partnergesellschaften - haften alle Gesellschafter mit ihrem gesamten Vermögen, auch dem privaten. Geht die Firma pleite, können auch das Privathaus, das Auto und alle Ersparnisse verloren sein. Allein im Jahr 2009 gab es in Deutschland etwa 15.000 Insolvenzverfahren, die solche Firmen betrafen. "Im schlimmsten Fall bezahlt man bis zu 30 Jahre seine Schulden ab", sagt Neuner.

Dagegen können Beteiligte an Kapitalgesellschaften - also Gesellschaften mit beschränkter Haftung oder Aktiengesellschaften - meist ihre Haftung auf das beschränken, was sie in die Firma gesteckt haben. Für Pläne mit großem Risiko ist so eine Form also die bessere Variante. "Ich rate auch dazu, wenn jemand Subunternehmer beschäftigt", sagte Neuner. "Wenn ich zum Beispiel Solaranlagen anbiete und für die Montage einen Handwerker einspannen muss, der dann einen Schaden produziert, bin ich als Unternehmen verantwortlich - und dann doch besser nur mit dem Firmenvermögen haftbar", sagt der Jurist.

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