Unis nach den Plagiatsaffären Pläne für Plagiatssoftware

Auch an anderen Hochschulen, etwa in Köln und Bonn, ist geplant, Doktorarbeiten mit Plagiatssoftware zu testen. Allerdings sind die Computerprogramme nicht über jeden Zweifel erhaben und können eine sorgfältige Prüfung keinesfalls ersetzen. Einen Generalverdacht gegen Doktoranden halten die meisten Hochschullehrer außerdem für schädlich, weil er die Atmosphäre auf dem Campus vergifte. Der Bayreuther Juraprofessor Oliver Lepsius, der Guttenberg einen "Betrüger" genannt hatte, kündigt an, eine Recherche nach Plagiaten "bei Verdachtsfällen im Einzelfall zu belassen". Er kenne seine Doktoranden meist seit Jahren und vertraue ihnen. Lepsius warnt davor, sich auf Software zu verlassen, die viele Quellen gar nicht erfasse.

Entscheidend für den Kampf gegen Doktor-Pfusch bleibt eine gute, aufmerksame Betreuung der Kandidaten durch die Professoren. Problematisch sind zu große und damit unkritische Nähe; andererseits aber auch zu große, von Desinteresse geprägte Distanz.

Der eine Professor betreut seine Doktoranden sehr intensiv, der zweite beutet sie aus, der dritte kümmert sich kaum", sagt der Vizepräsident der Universität Potsdam, Bernd Walz. Er leitet die Graduate School, ein fächerübergreifendes Kolleg, dem die Doktoranden in Potsdam angehören. Zwischen Kandidaten und Professoren werden förmliche "Betreuungsvereinbarungen" geschlossen. Walz räumt jedoch ein: "Es ist schwierig, einem Kollegen in die Betreuung seiner Doktoranden hineinzuregieren." Professoren zählen den Umgang mit Doktoranden zum Kernbereich ihrer wissenschaftlichen Freiheit. Es fehlen die Mittel, eine gute Betreuung zu erzwingen. "Ich kann nur stetig werben", sagt Walz.

Um bei der Bewertung von Dissertationen mehr Transparenz und Kontrolle zu schaffen, könnten externe Professoren hilfreich sein. Sie würden die Kollegen vielleicht davor bewahren, schlechte oder sogar betrügerische Arbeiten durchzuwinken. Der Präsident der Humboldt-Uni in Berlin, Jan-Hendrik Olbertz, sagt: "Mindestens Doktorarbeiten, für die eine Bewertung mit der Bestnote in Frage kommt, sollten zusätzlich von einem externen Gutachter beurteilt werden."