bedeckt München 27°

Unbeliebte Unternehmensberater:Nur nicht untergehen

Sie gelten als arrogant und besserwisserisch. Mit Misstrauen und Skepsis im Unternehmen müssen Berater leben. Und manchmal hilft nur ein Projektwechsel - oder Begleitschutz.

Das schwäbische Unternehmen hatte Berater für die Restrukturierung engagiert. Oliver Schmidt erinnert sich nur ungern an sie. "Die Firmenmitarbeiter ließen sie in dem Glauben, mit ihnen in den Workshops über mögliche Vorgehensweisen diskutieren zu können. Dabei war deren Entlassung längst entschieden", sagt der Betriebswirt, der seinen Namen nicht in der Zeitung sehen möchte.

Hochwasser in Brandenburg

Land unter: Es ist das Los vieler Berater, dass sie erst dann an Bord eines Betriebs geholt werden, wenn nur noch unpopuläre Maßnahmen greifen.

(Foto: ddp)

Seit kurzem muss sich der 36-Jährige bei seinem aktuellen Arbeitgeber erneut mit externen Spezialisten auseinandersetzen. "Da kommen ein paar Leute von außen, verschaffen sich rasch einen Überblick und glauben, dass sie uns ihr mehr oder weniger vorgefertigtes Konzept aufdrücken können", wundert sich Schmidt. Er beobachtet, dass Kollegen den Weg des geringsten Widerstands gehen, wenn Berater im Haus sind. "Ein hochrangiger Manager meinte neulich zu mir, dass wir alles tun sollten, die Berater schnellstmöglich loszuwerden, um dann wieder so arbeiten zu können wie bisher."

Es gibt in der Tat beliebtere Berufsgruppen als Unternehmensberater, vor allem, wenn sie für die großen Strategiehäuser arbeiten. Ihre Ankunft wird oft mit einem bevorstehenden Arbeitsplatzverlust gleichgesetzt. Und wer plötzlich externe Experten vor die Nase gesetzt bekommt, dem wird klar, dass der Glaube der Chefetage an die Fähigkeiten der eigenen Leute begrenzt ist.

Dabei ist der Weg des geringen Widerstands nur eine Möglichkeit der Belegschaft, Ablehnung zu zeigen. Es gibt kaum Berater, denen nicht schon falsche Daten geliefert oder wichtige Informationen vorenthalten wurden. In extremen Fällen werden sie angeschrien, als Leichenfledderer beschimpft, oder sie können gar nur mit Geleitschutz die Auftraggeberfirma betreten. Doch mit Ablehnung klarzukommen, ist eben auch Teil des Beraterjobs, der von vielen Menschen hauptsächlich mit Geld und der Mitgliedschaft im "Hon Circle" der Lufthansa gleichgesetzt wird.

"Keiner schaute mich an, und es lag eine aggressive Stimmung in der Luft", erinnert sich Burkhard Wagner an seine Zeit als Berufsanfänger im Consulting. "Bei manchen Projekten hatte ich keine Lust, am Montagmorgen wieder zur Arbeit zu gehen." Doch das ist lange her. Heute weiß der Geschäftsführer beim Beratungsunternehmen Kienbaum, dass die richtige Kommunikation von Anfang an entscheidend ist. "Die Geschäftsführung muss vorher die Belegschaft über die Hintergründe, die Zielsetzung und die Beteiligten des Projekts informieren", sagt er. Danach ist es an den Beratern, für die notwendigen Schritte zu werben. "Wir sehen uns mittlerweile auch als eine Art moderierende Coaches, die versuchen, möglichst alle Mitarbeiter ins Boot zu holen."

Vertrauenswürdige Berufe

Lieber Feuerwehrmann als Fußballer