Umgang mit E-Mails im Urlaub:"Das deutsche Arbeitsrecht stammt aus der Steinzeit"

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Doch solche klaren Regeln sind hierzulande die Ausnahme. "Gemessen daran, wie schnell und tiefgreifend neue Technologien die Arbeitswelt verändern, stammt das deutsche Arbeitsrecht aus der Steinzeit", sagt der Berliner Anwalt Alexander Bredereck.

Grundsätzlich gilt: Der Arbeitsvertrag regelt, was ein Mitarbeiter zu leisten hat. "Wenn das Bearbeiten von E-Mails dazu gehört, dann hat der Arbeitgeber auch das Recht einzufordern, dass die im Urlaub angefallene Post eben nicht liegen bleibt."

Von einer Sekretärin wird eher erwartet, für Ordnung im E-Mail-Postfach zu sorgen, als von einem Automechaniker. Allerdings muss der Chef seinen Mitarbeitern auch klarmachen, wie sie diesen Berg an Arbeit am besten abtragen. "Niemand kann von einem erwarten, dass man aus dem Urlaub kommt und erst einmal drei Tage am Stück im Büro hockt, um seine 5000 E-Mails zu beantworten." Grundsätzlich gilt nämlich auch das Arbeitsschutzgesetz, das mehr als zehn Stunden Arbeit am Tag nicht zulässt.

"Das kriegt man nicht mehr ausgebügelt"

Statt eigenmächtig eine Abwesenheitsnotiz aufzusetzen, die alle Empfänger automatisch darüber informiert, dass ihre Anfrage direkt im Papierkorb landet, empfiehlt Bredereck, vor dem Urlaub mit dem Chef zu besprechen, wie man mit E-Mails im Urlaub umgeht. "Man sollte nicht von vornherein in die Verweigerungshaltung gehen." Denn das kann zur Abmahnung und später sogar zur Kündigung führen.

Nicht aus jeder Abwesenheitsnotiz in deutschen Büros wird zwar gleich eine Schlagzeile in der Bild. Aber es macht ja schon genug Ärger, wenn der Chef ähnlich denkt wie die Boulevardjournalisten: Groß sei die Gefahr, warnt Bredereck, dass sich, während man selbst im Urlaub weilt, im Büro viel Unmut anstaut - weil sich nach Empfang einer allzu pampigen Abwesenheitsnotiz vielleicht verwirrte Kollegen oder gar verärgerte Kunden beim Chef melden. "Das kriegt man nicht mehr ausgebügelt, wenn man dann gut gelaunt aus dem Urlaub zurückkommt."

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