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Umgang mit der eigenen Schwäche:"Fehler gehören zum Lernprozess"

Wie können Personalabteilungen Mitarbeiter finden, die ein dynamisches Selbstbild haben?

Ich habe einmal mit einem Profi-Baseballteam zusammengearbeitet. Wir haben neue Spieler zu ihrer Selbstwahrnehmung befragt. Sprachen sie eher über Fähigkeiten oder über hartes Training? Suchten sie für ihre größten Fehler die Verantwortung bei sich, oder bei anderen? Wir wollten von neuen Spielern wissen, was sie nun in der Profi-Liga ändern mussten. Manche erklärten, dass sie sich an den lauten Jubel der Fans gewöhnen müssen, andere sagten, sie müssten womöglich alles ändern, um mitzuhalten. Ich darf das Team nicht nennen, aber es war sehr erfolgreich.

Eine Firma, in der sich alle Mitarbeiter Fehler verzeihen und sich Raum geben, um zu wachsen. Das klingt nett, aber in Wahrheit herrscht Konkurrenzdruck, es geht um Posten, Chefs müssen Leistungen bewerten.

Am Ende geht es bei Unternehmen natürlich immer um Resultate, aber die Fähigkeit zum Teamwork, Brainstorming, das Teilen von Ideen kann eine Firma messbar voranbringen. Ich habe einmal mit einem großen Tech-Konzern aus dem Silicon Valley zusammengearbeitet, in dem eine sehr statische Haltung herrschte. Das Idealbild des "kreativen Genies" hatte dazu geführt, dass von Mitarbeitern erwartet wurde, nur brillante Sachen zu sagen. Ich schlug dem Team, das ich beriet, vor: Beginnt eure Meetings damit, dass jeder am Tisch davon erzählt, was ihm gerade Mühe macht.

Warum das?

Dadurch konnten sie sich von der Vorstellung lösen, dass jeder kleine Schritt zu einer Idee gleich brillant und unangreifbar sein musste. Es entstand eine neue Form der Zusammenarbeit. Das führte sogar dazu, dass es fast seltsam schien, wenn jemand nicht mit irgendwas zu kämpfen hatte.

Ist der Unterschied zwischen "statisch" und "dynamisch" nicht einfach der zwischen einem Pessimisten und einem Optimisten?

Beide können Optimisten sein, gerade bevor sie eine Aufgabe angehen. Sie reagieren allerdings unterschiedlich auf Rückschläge, mit einer dynamischen Haltung können sie ihren Optimismus eher behalten. Der Unterschied zwischen statisch und dynamisch kann übrigens auch je nach Gebiet wechseln - sie können zu ihrer Intelligenz eine dynamische Haltung haben, aber die Qualitäten ihrer Kollegen statisch wahrnehmen.

Wie finde ich meine Haltung heraus und ändere sie vielleicht sogar?

Hören Sie darauf, was Ihre innere Stimme erzählt. Sagt sie Sätze wie "Ich bin nicht gut genug, der Kollege da drüben kann das viel besser" oder "Wenn ich scheitere, merkt jeder, dass ich ein Hochstapler bin"? Hören Sie einfach ein paar Wochen zu, und fangen Sie dann an, ihr etwas zu entgegnen. Wer nichts versucht, wird nicht besser, und Fehler gehören zum Lernprozess. Und es gibt fast immer Hilfe - vielleicht sogar von dem Kollegen da drüben, den wir für so viel besser halten.

© SZ.de/mkoh
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