Der Smartphonejunkie

Das macht ihn aus: Er ist überall und er vermehrt sich rasend: der Mensch, der während jeder auch noch so langen Bahn- oder Busfahrt den Blick kein einziges Mal von Smartphone oder Tablet losreißen kann. Vor Smartphone-Nacken und bleibenden Haltungsschäden hat er dabei keine Angst, sein Interesse gilt einzig und allein den Neuigkeiten des Tages, seinen Timelines, seinen Spielen, seinen Fotos, Chats und Mails. Trotz gewöhnlich bester Gesundheit steht er nie für bedürftige Mitreisende auf - weil er die ältere Dame/den Rentner mit Gehstock/die Hochschwangere wegen seines sehr eingeschränkten Blickfeldes schlicht nicht sieht.

Das wichtigste Utensil: Geladene Akkus auf sämtlichen Endgeräten.

Der erste Satz im Büro: "Ich hab vorhin mal überlegt, wann ich mir zuletzt eine Zeitung oder Zeitschrift gekauft hab. Und echt jetzt: Ich weiß es nicht mehr."

Das würde er nie zugeben: Dass er trotz starrem Blick aufs Display manchmal amüsiert die Plaudereien der -> Freundinnen belauscht. Und dass, auch nur manchmal, versteht sich, sein Nacken ein wenig schmerzt.

Matthias Kohlmaier

Bild: Katharina Bitzl 27. Januar 2015, 09:242015-01-27 09:24:35 © SZ.de/mkoh