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Work-Life-Balance:Lieber Home-Office statt Oval Office

Donald Trump spielt in seiner Freizeit gerne Golf, wie hier, im Turnberry Golf Club. Nur, wann ist Freizeit? Und wann "Executive Time"?

(Foto: Peter Morrison/AP)

Die Terminkalender des US-Präsidenten Donald Trump wurden geleakt. Viele konkrete Termine stehen allerdings nicht drin.

Altbundeskanzler Gerhard Schröder hat einmal behauptet, er brauche zum Regieren nur Bild, BamS und Glotze - also ein paar Pressevertreter, die ihn gut darstellen. Das passt zu einem Mann, der als Medienkanzler galt, weil ihm seine Außenwirkung so wichtig war. Donald Trump ist da ein bisschen anders. Journalisten braucht der US-Präsident zum Regieren zwar auch als Hofberichterstatter (Fox News), sonst aber allenfalls als Feindbilder. Den Rest besorgt er via Twitter und Telefon selbst. Das geht aus Terminkalendern hervor, die jetzt in die Hände von US- Journalisten geraten sind.

Die Kalender an sich sind nicht sonderlich brisant. Etwa 60 Prozent seiner Arbeitszeit hat der US-Präsident demnach in den vergangenen drei Monaten "Executive Time" gehabt. Das klingt wichtig und lässt sich mit "Zeit zum Führen" übersetzen, die ein Präsident der Vereinigten Staaten neben Zeit für das Reisen und Repräsentieren zweifelsohne braucht.

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Mitarbeiter des Weißen Hauses tuscheln

Vor allem die ersten drei Stunden seines Arbeitstags, die von acht bis elf Uhr, verbringt Trump ohne fixe Termine und mit irgendwie gearteter Führungsarbeit. Trumps Führungsverständnis ist allerdings zumindest fragwürdig, Mitarbeiter des Weißen Hauses tuscheln darüber schon länger. Deshalb kann man sich auch ohne konkretere Eintragungen vorstellen, womit sich der Präsident in der "Executive Time" beschäftigt. Bekannt ist etwa, dass der Präsident lieber aus dem Home-Office statt aus seinem Büro, dem Oval Office führt, dass er dabei gern fernsieht und Kurznachrichten postet.

Nun wollen nicht alle Mitarbeiter den Präsidenten mit Spott überziehen. Deshalb haben sich auch solche bei den Journalisten gemeldet, die ihn verteidigen. "Er ruft ständig Leute an, spricht mit Leuten", sagte ein älterer Bediensteter dem Nachrichtenportal Axios, "er ist ständig mit irgendetwas beschäftigt. Es ist nur nicht das, was man typischerweise als Struktur bezeichnen würde." Schon als Unternehmer war Trump dafür bekannt, Entscheidungen am liebsten spontan und aus dem Bauch heraus zu treffen.

Geheime Termine

Die Petzen werden nun auch ein bisschen vorgeführt: Manche Termine des Präsidenten seien geheim, heißt es auf der Axios-Website. Deshalb stünden einige Meetings und Telefonate nicht in den jetzt bekannt gewordenen Terminplanern, sondern in Kalendern, die nur sehr wenige Mitarbeiter einsehen könnten. Es scheint ganz so, als hätte man mit dem Kalender-Leak bereits gerechnet.

Selbst ein Twitterpräsident kann eben nicht alles transparent machen. Zum Regieren braucht es Raum für Hinterzimmerdeals. Hilfst du mir hier, helf ich dir da. Der Eine oder Andere könnte deshalb erleichtert sein, dass nicht überliefert ist, wann er sich wie lange vom Präsidenten hat bequatschen lassen. So ist das mit der Transparenz: Wie Trump Politik macht, mag bisweilen rätselhaft bleiben. Was dabei herauskommt, sehen aber alle.

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