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Traineeship:Verdienstmöglichkeiten unterscheiden sich stark

Nach der repräsentativen Befragung des DZHW können Absolventen je nach Hochschulart und Abschluss bei ihrer ersten Stelle mit durchschnittlich 30 200 bis 40 200 Euro Startgehalt im Jahr rechnen. Die Befragung des Staufenbiel-Instituts, die stärker Großunternehmen berücksichtigt, setzt die Einstiegsgehälter bei 43 Prozent der Arbeitgeber mit 40 000 bis 45 000 Euro im Jahr an.

Ganz anders sehen die Zahlen aus, wenn die Marktforscher von Trendence die Trainees befragen: Hier gaben junge Männer ein durchschnittliches jährliches Gehalt von rund 26 000 Euro an, junge Frauen etwa 23 400 Euro. Dem gegenüber stehen Trainee-Programme wie zum Beispiel das der DZ Bank, die Bachelor-Absolventen 50 000 Euro im Jahr zahlt, Master-Kandidaten noch 5000 Euro zusätzlich.

Es gibt Versuche, in diesem uneinheitlichen Markt für Fairness und Transparenz zu sorgen. So hat Absolventa zum Beispiel im Jahr 2011 in Zusammenarbeit mit dem Institut für Personalwirtschaft der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität das Siegel "karrierefördernde und faire Trainee-Programme" ins Leben gerufen. Hier müssen sich die Unternehmen zu einer Charta verpflichten. Dazu gehört zum Beispiel, dass die Programme wirklich darauf ausgerichtet sind, künftige Experten und Manager auszubilden, dass es konkrete Lern- und Entwicklungsziele gibt, die in Dauer und Vergütung des Programms sinnvoll abgebildet werden. Bei Verstößen gegen die Charta kann das Siegel wieder aberkannt werden.

Als wirkliche Orientierung für junge Bewerber kann es aber nicht dienen. Denn nach Angaben von Absolventa haben sich insgesamt nur vier Prozent aller Arbeitgeber mit Trainee-Stellen um die Zertifizierung beworben. Vermutlich nicht unbedingt, weil sie die Standards nicht erfüllen können, sondern deshalb, weil sie es sich leisten können, auf diesen Image-Bonus zu verzichten.

Arbeitgeber mit bekanntem Namen können sich die Kandidaten für ihre Programme nämlich aussuchen. Generell gilt auch für Trainee-Plätze die Losung: Bachelors sind willkommen! 85 Prozent der Arbeitgeber lassen sie laut der Staufenbiehl-Studie ebenso zu ihren Programmen zu wie Master-Absolventen. Und 72 Prozent der Arbeitgeber bezahlen gleich, unabhängig vom akademischen Qualifikationsniveau. Im Einzelfall zeigt sich dann aber oft, dass Master doch die Nase vorn haben. So sagt zum Beispiel Sylvia Wolf-Britsch, Leiterin Entwicklungsprogramme der DZ Bank: "Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass Master-Absolventen bevorzugt den Erwartungen unserer Fachabteilungen an Trainees gerecht werden." Stellen, für die ein Bachelor-Abschluss gewünscht sei, könne das Unternehmen meist im Rahmen der eigenen betrieblichen Fortbildung besetzen.

So erweist sich das Trainee-Programm als ein Stellenangebot mit zwei Gesichtern: Zum einen als hochattraktives Ausbildungs- und Schnupperprogramm für Absolventen, die ohnehin schon gute Chancen auf einen geschmeidigen Start ins Berufsleben haben. Zum anderen als Einstieg zweiter Klasse für diejenigen, denen vielleicht nicht so viele Optionen bleiben. Aber selbst im zweiten Fall muss es nicht die schlechteste Lösung sein, wenn am Ende ein fester Job steht.

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© SZ vom 28.01.2017/mkoh
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