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Traineeship:Stellenangebot mit zwei Gesichtern

Nach dem Studium knüpfen Berufseinsteiger oft große Erwartungen an Trainee-Programme.

(Foto: Robert Haas)

Traineeships machen es Unternehmen leicht, Fachkräfte unter Wert zu bezahlen. Bereiten die Programme wenigstens auf eine tolle Karriere vor?

Eine Berliner Marketing-Agentur sucht Bewerber für ein zwölfmonatiges Traineeship im Bereich "PR und Brandmanagement". Ein Hochschulzeugnis oder eine überdurchschnittlich abgeschlossene Ausbildung sind gewünscht. Geboten wird ein "Traineeprogramm mit steiler Lernkurve", unterstützt durch ein "internationales, cleveres und gut ausgebildetes Team" mit marktüblicher Vergütung und "einer realistischen Chance zur Übernahme".

Steckt hinter dieser Anzeige eine echte Karriere-Option? Vermutlich eher der Versuch einer Mini-Firma, günstig an qualifiziertes Personal zu kommen, schätzt Simone Lasser vom Career Service der Universität Heidelberg. Im Gegensatz zu einer Ausbildung oder einem Praktikum unterliegen Traineeships keinen gesetzlichen Beschränkungen. "Gerade im Mittelstand und in kleinen Unternehmen wird damit viel Missbrauch betrieben", sagt Lasser.

Ganz anders als ihr unsicherer rechtlicher Status ist der Ruf von Trainee-Programmen. Sie gelten als ideale Basis für einen erfolgreichen Einstieg in ein Unternehmen: Teilnehmer durchlaufen dabei verschiedene Abteilungen, können sich unterschiedliche Arbeitsbereiche ansehen, immer unterstützt von einem Vorgesetzten, der als Ansprechpartner zur Verfügung steht, begleitet durch Fortbildungen und im Idealfall mit Möglichkeit zu einem Auslandsaufenthalt.

Nach einer Studie des Marktforschungsunternehmens Trendence im Auftrag der Stellenbörse Absolventa sind von 150 befragten Trainees knapp die Hälfte überzeugt, mit ihrer Entscheidung für die Stelle den ersten Schritt zu einer steilen Karriere getan zu haben. Ein weiteres Drittel hofft das zumindest. Entsprechend liegen Traineehips im Trend. 2016 bewarben sich auf jede Anzeige 30 Anwärter, heißt es bei Absolventa, während es vor einem Jahr noch 20 waren. Gleichzeitig, das zeigt die Umfrage des Personalvermittlers Staufenbiel-Institut unter etwa 300 Firmen, bieten immer mehr potenzielle Arbeitgeber Trainee-Stellen an. Während es 2015 noch 40 Prozent waren, gaben 2016 schon 47 Prozent ein entsprechendes Angebot an.

Dieser Trend sei jedoch mit Vorsicht zu genießen, meint Simone Lasser. Traineeships seien an die Stelle der inzwischen gesetzlich regulierten Praktika getreten. Immer weniger Studenten könnten in ihr straff organisiertes Vorlesungsprogramm längere Praxisphasen integrieren. Und Praktika nach dem Studium werden eher gemieden: In der Absolventenstudie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) in Hannover nennen die Befragten Praktika nach dem Studium als keine Erfolg versprechende Strategie bei der Jobsuche. So sind die Trainee-Programme zu einer interessanten Alternative für die Unternehmen geworden, um Absolventen kennenzulernen, sagt Lasser.

Außerdem machen sie es den Unternehmen leicht, Fachkräfte unter Standard zu bezahlen. Denn unter der Voraussetzung, statt einer Arbeitsstelle eine karrierefördernde, weitere Ausbildung anzutreten, sind Bewerber bereit, finanzielle Einbußen in Kauf zu nehmen. 15 Prozent weniger als beim Direkteinstieg gilt in der Personalvermittlungsbranche für Traineeships als angemessen. Häufig sind die Abstriche aber größer.

Verdienstmöglichkeiten unterscheiden sich stark

Nach der repräsentativen Befragung des DZHW können Absolventen je nach Hochschulart und Abschluss bei ihrer ersten Stelle mit durchschnittlich 30 200 bis 40 200 Euro Startgehalt im Jahr rechnen. Die Befragung des Staufenbiel-Instituts, die stärker Großunternehmen berücksichtigt, setzt die Einstiegsgehälter bei 43 Prozent der Arbeitgeber mit 40 000 bis 45 000 Euro im Jahr an.

Ganz anders sehen die Zahlen aus, wenn die Marktforscher von Trendence die Trainees befragen: Hier gaben junge Männer ein durchschnittliches jährliches Gehalt von rund 26 000 Euro an, junge Frauen etwa 23 400 Euro. Dem gegenüber stehen Trainee-Programme wie zum Beispiel das der DZ Bank, die Bachelor-Absolventen 50 000 Euro im Jahr zahlt, Master-Kandidaten noch 5000 Euro zusätzlich.

Es gibt Versuche, in diesem uneinheitlichen Markt für Fairness und Transparenz zu sorgen. So hat Absolventa zum Beispiel im Jahr 2011 in Zusammenarbeit mit dem Institut für Personalwirtschaft der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität das Siegel "karrierefördernde und faire Trainee-Programme" ins Leben gerufen. Hier müssen sich die Unternehmen zu einer Charta verpflichten. Dazu gehört zum Beispiel, dass die Programme wirklich darauf ausgerichtet sind, künftige Experten und Manager auszubilden, dass es konkrete Lern- und Entwicklungsziele gibt, die in Dauer und Vergütung des Programms sinnvoll abgebildet werden. Bei Verstößen gegen die Charta kann das Siegel wieder aberkannt werden.

Als wirkliche Orientierung für junge Bewerber kann es aber nicht dienen. Denn nach Angaben von Absolventa haben sich insgesamt nur vier Prozent aller Arbeitgeber mit Trainee-Stellen um die Zertifizierung beworben. Vermutlich nicht unbedingt, weil sie die Standards nicht erfüllen können, sondern deshalb, weil sie es sich leisten können, auf diesen Image-Bonus zu verzichten.

Arbeitgeber mit bekanntem Namen können sich die Kandidaten für ihre Programme nämlich aussuchen. Generell gilt auch für Trainee-Plätze die Losung: Bachelors sind willkommen! 85 Prozent der Arbeitgeber lassen sie laut der Staufenbiehl-Studie ebenso zu ihren Programmen zu wie Master-Absolventen. Und 72 Prozent der Arbeitgeber bezahlen gleich, unabhängig vom akademischen Qualifikationsniveau. Im Einzelfall zeigt sich dann aber oft, dass Master doch die Nase vorn haben. So sagt zum Beispiel Sylvia Wolf-Britsch, Leiterin Entwicklungsprogramme der DZ Bank: "Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass Master-Absolventen bevorzugt den Erwartungen unserer Fachabteilungen an Trainees gerecht werden." Stellen, für die ein Bachelor-Abschluss gewünscht sei, könne das Unternehmen meist im Rahmen der eigenen betrieblichen Fortbildung besetzen.

So erweist sich das Trainee-Programm als ein Stellenangebot mit zwei Gesichtern: Zum einen als hochattraktives Ausbildungs- und Schnupperprogramm für Absolventen, die ohnehin schon gute Chancen auf einen geschmeidigen Start ins Berufsleben haben. Zum anderen als Einstieg zweiter Klasse für diejenigen, denen vielleicht nicht so viele Optionen bleiben. Aber selbst im zweiten Fall muss es nicht die schlechteste Lösung sein, wenn am Ende ein fester Job steht.

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© SZ vom 28.01.2017/mkoh
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