Trainee-Programme Trainee-Programme und die Finanzkrise

Thom beschäftigt sich seit 30 Jahren mit Trainee-Programmen. Nach seiner jüngsten Studie erwarten 60 Prozent der befragten deutschen Unternehmen, dass die Bedeutung der Programme weiter wachsen wird. Allerdings hält Thom es für möglich, dass die Krise sich bald auch in diesem Bereich auswirken könnte. "Aus früheren Krisenzeiten wissen wir, dass Firmen dazu neigen, an der Aus- und Weiterbildung zu sparen. Einige haben dies später allerdings bereut."

Besetzt werden Trainee-Stellen fast immer mit Wirtschaftswissenschaftlern, Ingenieuren und Naturwissenschaftlern. Juristen als Trainees sind eher selten, Geisteswissenschaftler schon fast exotisch. Der Anglistin Caroline Bandulet, die heute die Marktforschung bei der Stuttgarter Klett-Gruppe leitet, gelang der Einstieg ins verlagseigene Trainee-Programm vor allem deshalb, weil sie vorher schon bei einem Marktforschungsinstitut gearbeitet hatte und deshalb Bilanzen lesen konnte. "Mein geisteswissenschaftlicher Hintergrund war dem Verlag allerdings auch wichtig", sagt sie.

Für ein Unternehmen, das Trainees ausbildet, ist die Klett-Gruppe eher klein. Die meisten Stellen gibt es bei großen Konzernen, vor allem Industriebetrieben und Banken, aber auch im Handel, bei Versicherungen und IT-Firmen. Die Programme dauern meist zwischen einem und zwei Jahren und sind unterschiedlich aufgebaut.

Von der Börse bis zur "Blaumannphase"

Oft können die Trainees gemeinsam mit einem Mentor die Bereiche und Projekte auswählen, in denen sie arbeiten wollen. Neben dem klassischen ressortübergreifenden Modell gibt es auch Programme, in denen die Trainees in nur einem Ressort arbeiten - etwa IT oder Finanzen - und darin verschiedene Abteilungen durchlaufen. Oder der Trainee lernt zwar mehrere Ressorts kennen, hat aber einen klaren Schwerpunkt in einem Bereich.

Der 27-jährige Wirtschaftsingenieur Christian Grapatin hat in seiner Traineezeit beim Energiekonzern EnBW ganz klassisch "die ganze Wertschöpfungskette" kennengelernt: Stromerzeugung, Handel an der Strombörse, Vertrieb. Zuerst arbeitete Grapatin in einem Kraftwerk, wo er auch einmal Gelegenheit hatte, einen Kessel, der gewartet wurde, von innen zu sehen.

Sogenannte "Blaumannphasen" sind bei EnBW fester Bestandteil des einjährigen Konzern-Trainee-Programms. Das ist nicht ungewöhnlich - auch zum Beispiel bei Daimler müssen alle Trainees einige Tage am Fließband stehen.

Nach Ablauf seiner Traineezeit entschied sich Grapatin für eine Stelle im Handel, wo er sich jetzt mit mittelfristiger Energieplanung beschäftigt. Die Position konnte er sich aussuchen - ihm und den anderen Trainees seines Jahrgangs wurden die freien Jobs bei EnBW auf dem Silbertablett serviert: "Wir waren 17 Trainees und konnten aus 75 Stellenangeboten auswählen."