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Traditionelle Berufe:Hutmachen, Schneidern, Drehen - Hat das noch Zukunft?

Mode wird heute in asiatischen Fabriken produziert, Bücher werden durch E-Books ersetzt. Einige Handwerksberufe können sich jedoch in Nischen behaupten.

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Hutmacherin

Christine Halbig Hutmacherin

Quelle: Hüte Christine Halbig

Ein Hut ist für Christine Halbig mehr als ein Kleidungsstück. Deshalb hat die Hutmacherin keine Sorge, dass Maschinen sie bald ersetzen könnten. "Eine Maschine wird niemals künstlerischen Ausdruck erzeugen", sagt sie. Während man bei einem maschinell gefertigten Hut immer Nähte sehen würde, wirke ein handgefertigter Hut wie geklebt. Jedes Jahr sucht sich Halbig einen neuen Lehrling aus und muss einige ablehnen. Den Auszubildenden bringt sie bei, wie sie mit dem Material umgehen müssen, damit es in der Hand liegt wie Knete: "Wer Hutmacher werden möchte, sollte Kreativität in sich spüren, handwerkliches Geschick, Detailverliebtheit und Geduld mitbringen", sagt Halbig.

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Schneiderin

Ausbildungsberuf Maßschneider

Quelle: www.amh-online.de

Internationale Modeketten können ihre Ware heute günstiger im Ausland produzieren. Doch Arbeit für Maßschneider gibt es weiterhin: Sie fertigen passgenaue Anzüge, reparieren den Riss im Abendkleid, nähen Kostüme am Theater und ändern jede Hose so, dass sie perfekt sitzt. Aussterben wird der Beruf so schnell also nicht, obwohl die Zahl der Auszubildenden in den vergangenen Jahren drastisch zurückgegangen ist. Begannen im Jahr 2006 noch 864 Lehrlinge eine Maßschneiderlehre, waren es 2015 nur noch gut 300.

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Uhrmacher

Uhrmacher

Quelle: RENE GAENS; Glashütter Uhrenbetrieb GmbH

Eine moderne Smartwatch kann nicht nur die Uhrzeit und das Datum anzeigen. Sie ist ein kleiner Computer, den man am Handgelenk tragen kann. Den Uhrmachern bereitet das jedoch keine Sorgen: "Das Tragen eines hochwertigen mechanischen Zeitmessers ist heute umso mehr ein Statement", sagt Gitte Hammerström vom Glashütter Uhrenbetrieb. Die Nachfrage nach wertbeständigen, aufwendig handwerklich gefertigten Dingen sei in Zeiten zunehmender Digitalisierung und sich ständig ändernden Trends hoch wie nie. Und zumindest in Glashütte ist auch das Interesse an der Ausbildung in diesem Kunsthandwerk groß: Die Uhrmacherschule "Alfred Helwig" kann sich in einem Auswahlverfahren die besten Bewerber aussuchen. Ruhige Hände, gute Schulnoten, Liebe zum Detail und ein Sinn für Schönheit gehörten zu den wichtigsten Voraussetzungen, sagt Gitte Hammerström. Denn ein Uhrmacher müsse heute sehr filigrane Montagearbeiten durchführen, Prototypen entwickeln und das Uhrmacherhandwerk international demonstrieren können. In der dreijährigen Ausbildung lernen die Lehrlinge, neue Technologien mit traditionellen Fertigungstechniken zu verknüpfen.

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Drechsler

Drechslermeister Miller in seiner Werkstatt im unterfränkischen Maßbach.

Quelle: Drechslerei Miller

Drechsler verarbeiten Holz zu Treppenstäben, Perlen, Rougepinselgriffen, Müslischalen oder beispielsweise großen Holzkugeln - wie diesen vor der Werkstatt von Wolfgang Miller im unterfränkischen Maßbach. Moderne Drehmaschinen können geometrische Modelle einlesen und, einmal programmiert, Massenware produzieren; Ganz von allein gehe dabei jedoch nichts, sagt Drechslermeister Miller: "Nur wer gut mit Röhre und Meisel umgehen kann, versteht, diese Maschinen vernünftig bedienen zu können." Alles, was die Maschine leistet, müsse vorausgedacht werden. An der Berufsschule in Bad Kissingen unterrichtet Miller die Drechslerklasse - und würde sich über mehr Lehrlinge freuen. Auszubildende sollten Tüftler und Bastler sein, eine gute Beobachtungsgabe und Feinmotorik mitbringen.

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Schuhmacher

Schuhmacher Ausbildungsberuf

Quelle: © argum / Thomas Einberger

Wenn ein teures Paar Schuhe abgelaufen ist oder ein Kunde eine Maßanfertigung wünscht, sind Schuhmacher nach wie vor gefragt. In der dreijährigen Ausbildung erlernen sie heute nicht nur den Umgang mit Werkzeug und Material, sondern auch wie sie Fußfehlstellungen oder Gehfehler mit einem Spezialschuh verbessern können. Das kann die Massenproduktion nicht leisten. Der traditionelle Handwerker setzt aber auch zunehmend hochmoderne Technik ein: 3D-Fußscanner können Füße computergesteuert in wenigen Sekunden rundum vermessen. Auf die industrielle Fertigung bereitet dagegen die Ausbildung als Schuhfertiger vor.

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Bürsten- und Pinselmacherin

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Quelle: DEFET GmbH

Ohne Bürsten- und Pinselmacher könnten Künstler, Kunsthandwerker, Restauratoren, aber auch Kosmetiker längst nicht so gute Arbeit machen. Denn für Aquarell, Öl und Acryl werden ebenso unterschiedliche Pinsel benötigt wie für Haut, Zähne und Nägel. Auch zum Vergolden und Restaurieren braucht es Spezialpinsel. Die trainierten Hände eines Pinselmachers seien der Maschinentechnik dabei überlegen, sagt Sebastian Müller von der da Vinci Künstlerpinselfabrik DEFET in Nürnberg. "Sie sind ausgebildet, das Haarbündel in gewünschter Form auszuarbeiten und die wertvollen Spitzen der Haare zu erhalten", so Müller. Deshalb biete das Handwerk auch heute noch gute Berufsaussichten. Aktuell hat die Künstlerfabrik zwei Lehrlinge, zwei haben ihre Prüfung gerade abgeschlossen. Die einzige Berufsschule für angehende Bürsten- und Pinselmacher deutschlandweit befindet sich im mittelfränkischen Dinkelsbühl.

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Buchbinderin

Buchbinder; Buchbinder

Quelle: argum / Falk Heller

Fast 1500 Jahre alt ist das Handwerk des Buchbinders. Nicht nur die maschinelle Produktion, die in der Lehre zum Medientechnologen erlernt werden kann, hat das Buchbindehandwerk verdrängt. Sondern auch die Digitalisierung und das E-Book als Nachfolger des gebundenen Buches. Dennoch übersteigt die Zahl der Ausbildungsstellen in Drucktechnik und Buchbinderei deutlich die Zahl der Bewerber: Im Ausbildungsjahr 2015/2016 wurden 1705 Ausbildungsstellen gemeldet, auf die sich nur 648 Interessierte bewarben. Buchbinder sind heute vor allem dann gefragt, wenn Doktorarbeiten oder Kondolenzbücher gebunden werden sollen, sie fertigen kleine Stückzahlen und erfüllen individuelle Wünsche. Häufig arbeiten Buchbinder aber auch noch in Bibliotheken, um alte Bücher instand zu halten oder Magazine für das Archiv zusammenzubinden.

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Kürschnerin

Kürschnerhandwerk

Quelle: Markus Abele

In den Achtziger- und Neunizigerjahren zeigten Menschen mit Vermögen gerne, was sie hatten: weite Pelzmäntel, breite Schultern. "Heute wollen die Leute nicht mehr so auffallen und fragen nach Teilen, die man auch im Alltag tragen kann", sagt Kürschnermeisterin Stephanie Metz. Der Pelzboom sei endgültig vorbei, viele Kürschnerbetriebe hätten deshalb aufgegeben. Durch moderne Technik droht den verbliebenen Betrieben jedoch keine Konkurrenz. Häufig müssen die Kürschner aus mehreren Fellen von Lämmern, Nerzen oder Bisams erstmal eine Fläche gestalten: "Welches Fell gehört wohin, wo passt das Muster zusammen, wo stimmt die Haarlänge und der Haarwinkel - das erkennt die Maschine nicht", sagt Metz. Auch, dass kein Haar eingeklemmt werde, könne nur in feinster Handarbeit sichergestellt werden. Wer als Kürschner arbeiten möchte, muss sich neben den Fingerfertigkeiten ein Wissen über Tierhaltung aneignen. "Wir müssen erklären können, woher die Felle stammen und warum und wie die Tiere getötet worden sind", sagt Metz. In ihrem Betrieb würden Pelze aus vorwiegend skandinavischen Zuchtbetrieben eingesetzt sowie Felle von Rotfüchsen, Waschbären und Bisams, die von Jägern in Deutschland und den Nachbarländern sowieso getötet würden. Im kommenden Jahr soll im Betrieb Kürschnermeister Raab und Metz in Nürnberg wieder ein Lehrling eingearbeitet werden.

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Posamentenmacherin

Posamentenmacherin auf der Internationalen Handwerksmesse in München.

Quelle: © argum / Thomas Einberger

Fransen, Quasten, Kordeln, Borten: ein Posamentenmacher stellt alle möglichen Verzierungen für Polstermöbel, Gardinen und Lampenschirme her. Doch es hat sich beinahe ausgefranst mit dem Handwerk in Deutschland. "Die meisten Posamente werden inzwischen maschinell hergestellt oder kommen aus Asien zu uns", sagt Christiane Reuter vom Bundesinstitut für Berufsbildung in Bonn. Wer von Hand Deko aus Garn und Faden herstellen möchte, muss vielseitig sein: Alle textilen Handwerkstechniken wie Weben, Sticken, Handstricken und Filzen seien heute in der Ausbildung zum Textilgestalter zusammengefasst, sagt Reuter. Die industrielle Fertigung von Troddeln und Schnüren lernen Lehrlinge des Ausbilungsgangs Produktionsmechaniker Textil.

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Gerber

Gerber

Quelle: HELLER-LEDER GmbH & Co. KG

Schon vor mehreren tausend Jahren haben Menschen Häute und Felle von Tieren verarbeitet und sich bemüht, diese haltbar zu machen. Wann genau die Gerbtechnik erfunden wurde, bei der mit natürlichen oder künstlich hergestellten chemischen Substanzen aus roher Tierhaut Leder hergestellt wird, vermag heute niemand zu sagen. Modern ist sie jedoch immer noch: Ob bei der Schutzkleidung des Motorradfahrers, den Sitzbezügen im Auto oder als Bezug auf dem Sofa: "Die Nachfrage nach edlem Leder ist ungebrochen", sagt Frank Fiedler, Geschäftsführer der Gerberei Heller-Leder in Hehlen an der Weser. Imitate hätten ihre Vor- und Nachteile, könnten den Wunsch nach einem natürlichen Unikat aber niemals erfüllen. Solange nur Häute verarbeitet werden, die ohnehin durch die Nahrungsmittelversorgung anfallen, sei Leder ein nachhaltiges und langlebiges Produkt. Für die zwei bis drei Ausbildungsstellen, die das familiengeführte Unternehmen pro Jahr anbietet, seien bislang immer genügend Bewerber gefunden worden. Denn: "Einem guten Gerber steht sozusagen die Welt offen und für die heimatverbundenen gibt es in den kommenden Jahren sehr gute Aufstiegsmöglichkeiten in deutschen Betrieben", sagt Fiedler. In der Ausbildung "Fachkraft für Lederherstellung und Gerbereitechnik" werden die Lehrlinge heute auch in Maschinentechnologie und Chemie unterrichtet.

© SZ.de/schma/lot

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