TheologiestudiumPfarrer und mehr

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Illustration: Stefan Dimitrov
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Theologen erwerben im Studium Wissen in vielen Fächern. Das qualifiziert sie auch für ganz andere Berufe.

Von Miriam Hoffmeyer

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Wer katholische oder evangelische Theologie nicht auf Lehramt studiert, wird Pfarrer - so die landläufige Meinung. In Wirklichkeit landen viele Absolventen eines sogenannten theologischen Vollstudiums in ganz anderen Berufen. Und das, obwohl die Einstellungschancen für Theologen in Gemeinden beider Konfessionen hervorragend sind.

Unter den angehenden katholischen Theologen möchte von vornherein kaum jemand Priester werden. Rund 3500 junge Leute, 56 Prozent davon Männer, bereiten sich derzeit an den katholisch-theologischen Fakultäten in Deutschland auf einen Diplom- oder Magisterabschluss vor. Nur 115 von ihnen sind in den Priesterseminaren gemeldet. Wie viele eine Stelle als Pastoralreferent anstreben - ein Beruf ohne Zölibat, der auch Frauen offensteht -, ist nicht bekannt. Bundesweit sind circa 3300 Volltheologen als Pastoralreferenten in Seelsorge und Katechese tätig. Sie dürfen auch Gemeinden leiten, sind allerdings in der Regel einem Priester untergeordnet. Freie Stellen sind oft schwer zu besetzen.

Anders sieht die Situation bei den evangelischen Theologen aus: Gut 7000 Studierende, davon zwei Drittel weiblich, sind im Vollstudium eingeschrieben, die große Mehrheit strebt in den Pfarrdienst. "Wer das Examen besteht, bekommt auf jeden Fall ein Vikariat", sagt Oberkirchenrätin Birgit Sendler-Koschel, die die Bildungsabteilung der Evangelischen Kirche in Deutschland leitet. Trotzdem entscheiden sich einige Absolventen am Ende gegen den Beruf des Pfarrers und müssen sich umorientieren.

Am nächsten liegt für Theologen eine Tätigkeit als Religionslehrer oder auch eine wissenschaftliche Laufbahn. Doch ist das Spektrum möglicher Karrieren erstaunlich breit, wie die "Arbeitsgemeinschaft Studierende der Katholischen Theologie in Deutschland" in Absolventen-Umfragen festgestellt hat. Besonders viele Theologen kommen im Bildungsbereich unter, etwa als Referenten. Andere arbeiten bei sozialen Einrichtungen, Medien oder Verlagen oder wechseln in die freie Wirtschaft, etwa als Personaler oder Unternehmensberater. Der katholische Theologe Patrick Becker von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen hat den Ratgeber "Berufschancen für Theologinnen und Theologen" veröffentlicht. Als Bewerber hätten sie einen klaren Startvorteil bei kirchlichen Einrichtungen im Bildungs-, Sozial- und Entwicklungshilfe-Bereich, meint Becker: "Besonders bei der Besetzung leitender Positionen greifen die Kirchen sehr gern auf Theologen zurück. Im Theologiestudium lernt man ja auch, die innere Logik der Kirche zu verstehen."

Doch auch auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt hätten Theologen Vorteile. Denn ihr Studium sei inhaltlich und methodisch so breit angelegt wie kein anderes, sagt Becker: "Literaturwissenschaftliche Methoden, Geschichte und Philosophie gehören ebenso dazu wie Fragestellungen des Kirchenrechts. Dieser ganzheitliche Blick auf die Gesellschaft kann aus Arbeitgebersicht ein Vorzug sein." Außerdem werde Theologen grundsätzlich eine hohe Sozialkompetenz unterstellt: "Gerade Personalabteilungen suchen Mitarbeiter, die mit Menschen umgehen können. Und das Studium bietet Chancen, sich zu einer reflektierten, reifen Persönlichkeit zu entwickeln." Kurse etwa in Gesprächsführung oder Mediation, die die Kirchen studienbegleitend anbieten, seien nicht nur für angehende Seelsorger nützlich, sondern in vielen Berufen.

Trotzdem hält Becker fest: Um in der Konkurrenz mit anderen Geisteswissenschaftlern, Sozial- oder Wirtschaftswissenschaftlern zu bestehen, müssen Theologen Praktika machen und in vielen Fällen Zusatzqualifikationen erwerben. Psychologische Kenntnisse oder auch ein Kurs in Sozialmanagement erleichtern einen Wechsel in den sozialen Bereich. Kurse in Konfliktmanagement oder Teamprozessen, eine Ausbildung zum Supervisor oder Coach könnten einer Karriere in der psychologischen Unternehmensberatung auf die Sprünge helfen. Und wer in einem Unternehmen arbeiten will, sollte sich in Personalmanagement, Kommunikation und Betriebswirtschaft weiterbilden. Grundsätzlich dürften seine Fachkollegen bei Bewerbungen in der Wirtschaft ruhig selbstbewusst auftreten, meint Patrick Becker: "Die Katholische Kirche ist das am weitesten globalisierte 'Unternehmen' der Welt - daraus lässt sich sicherlich ein positives Argument für die eigene Person ableiten."

© SZ vom 13.03.2020 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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