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Teilzeit im Management:"Es gibt keine Ausreden mehr"

Sie können sich nicht mehr mit ihrer Arbeit herausreden.

Wenn Sie hundert Prozent arbeiten, stellt im Zweifelsfall niemand Ansprüche an Sie. Aber wenn Sie offiziell zwanzig Prozent weniger arbeiten, um für Ihre Familie da zu sein, dann wird Ihre Familie diese Zeit auch einfordern.

Sie sagen selbst: Vom Inhaber eine Vollzeitstelle würde wohl eine 50-Stunden-Woche erwartet. Also arbeiten Sie bei 80 Prozent mindestens 40 Stunden in der Woche.

Man muss sich immer bewusst sein: Führen in Teilzeit ist etwas anderes als eine reguläre 80-Prozent-Stelle. Ich mache im Normalfall schon jede Woche zwei Nachmittage oder einen ganzen Tag frei. Aber bei mir kann ein regulärer Arbeitstag auch mal bis acht oder zehn Uhr abends gehen.

Was braucht es, damit ein Teilzeit-Chef erfolgreich sein kann?

Man muss sich ein Umfeld aufbauen, auf das man sich verlassen kann. Ich delegiere viel. Meinen Mitarbeitern macht es Spaß, Verantwortung zu übernehmen und mitentscheiden zu können. Sie haben dadurch die Chance, persönlich zu wachsen - und auch die Organisation profitiert. Mitarbeiter werden an Managementaufgaben herangeführt. Wenn ich von heute auf morgen nicht mehr da wäre, wüssten meine Mitarbeiter ziemlich genau, was zu tun ist. Teilzeit-Chef zu sein, bedeutet auch, dass man seine eigene Eitelkeit zurückstellt.

Wie meinen Sie das?

Man darf sich selbst nicht so wichtig nehmen. Viele Arbeitnehmer - und gerade Männer in Führungspositionen - halten sich für unentbehrlich. Sie bilden sich ein, alles selbst machen und überall dabei sein zu müssen. Ich bin überzeugt: Acht von zehn Mal kann das Meeting ebenso gut ein fähiger Mitarbeiter halten.

Mit welchen Problemen haben Sie als Teilzeit-Chef zu kämpfen?

Die größte Herausforderung ist, mich nicht selbst zu betrügen. Ich bin sehr pflichtbewusst und leistungsorientiert. Und auch ich kann mich nicht komplett von jobbedingter Eitelkeit freimachen. Oft genug ertappe ich mich bei Gedanken wie "Das wolltest du noch machen" oder "Darum musst du dich noch kümmern". Es ist ja immer leicht gesagt: "Die Familie kommt zuerst." Aber wenn man dann vor der konkreten Entscheidung steht, bleibt man doch noch zwei Stunden im Büro, um etwas zu erledigen, anstatt nach Hause zu gehen.

Können Sie es verstehen, wenn Frauen über Ihre Vorstellung von Teilzeit lächeln?

Ja, das verstehe ich. Ich gebe zu, dass ich in einer privilegierten Situation bin. Aber ich glaube auch, dass viele Männer in meiner Position sagen würden: "Es ist für mich absolut unmöglich, nur 80 Prozent zu arbeiten." Denen möchte ich zeigen, dass es möglich ist - wenn die Einstellung stimmt.

© SZ.de/jobr/pak/leja

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