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Teamwork im Job:T steht für Trauerspiel

Kolumne #endlichfreitag

Teamwork - das klingt für manchen Arbeitnehmer wie eine Drohung.

(Foto: SZ.de/Katharina Bitzl)

"Auf gute Zusammenarbeit" klingt für Sie wie eine Drohung? Sie geben ungern Aufgaben ab? Und halten Vertrauen für ein Esoterik-Konzept? Dann sind Sie hier richtig: eine Abrechnung mit dem Teamwork-Diktat im Job.

Job-Kolumne #endlichfreitag

Endlich Freitag. Hochgefühl! Ein letzter Gedanke an die verpatzte Präsentation am Montag, ein Erschauern im Rückblick auf das Get-together am Mittwochabend, schnell noch ein Papierkügelchen in Richtung des Kollegen im Polohemd geschnippt: Was Arbeitnehmer im Büro erleben und warum es immer wieder schön ist, wenn die Arbeitswoche rum ist - darum geht es in der Kolumne #endlichfreitag.

Die Pointe vorweg: Es wird Ihnen nichts anderes übrig bleiben. Wenn Sie Teamwork hassen und hoffen, hier einen Ausweg aus Ihrem Leiden aufgezeigt zu bekommen, oder gar den ultimativen Aufruf zur Rebellion gegen das gezwungene Miteinander - vergessen Sie's. Oder vergessen Sie Ihren Job. Denn Teamwork ist das Paradigma unserer Arbeitswelt und daran wird sich nichts ändern.

Wer seinem Chef heute mit Descartes' "Ich denke, also bin ich" kommt, um zu rechtfertigen, warum er lieber im stillen Kämmerlein vor sich hinwurschteln will, kriegt als Antwort vermutlich zu hören: "Und ich denke, dass Sie sich einfach nicht ins Team einfügen wollen."

"Ja, stimmt", möchte man sagen, "ich will nicht". Aber das ist natürlich wieder so ein Satz, der die Karriere kosten kann. Mal davon abgesehen, dass Einzelbüros mehr sind als ein Privileg des Führungspersonals: Sie sind auch das Relikt eines überholten Zeitgeistes. Selbst ganz oben ist man immer seltener allein. Die Doppelspitze ist en vogue. Der Star ist die Mannschaft. Blablabla.

Ein Team ist nur so gut wie sein schlechtester Spieler. Den gibt es immer

Das Teamwork-Diktat lebt von gefühligen Phrasen. "Auf gute Zusammenarbeit!", sagt der Chef zum Start des mehrmonatigen Gemeinschaftsprojekts. Für manchen Arbeitnehmer klingt das wie eine Drohung. Zurecht.

Denn ein Team ist immer nur so gut wie sein schlechtester Spieler. Und seien wir ehrlich: In den meisten Teams gibt es mindestens einen, der eigentlich wegen Leistungsverweigerung vom Platz gestellt werden sollte. Der auf Mails mit vier Tagen Verzögerung antwortet, der zu jedem Treffen schlecht bis gar nicht vorbereitet erscheint, der Abgabefristen nicht einhält - und seinen Teil der gemeinsamen Präsentation dann unformatiert nachreicht.

Doch anstatt dem Kollegen die rote Karte zu zeigen, setzt der Chef einen Mediator ein, damit Sie "miteinander reden". Noch ein Teammitglied mehr. Toll. Im wahrscheinlichen Fall rutscht Ihnen dann in einem der Klärungsgespräche folgender Satz heraus: "Hätte ich es mal besser alleine gemacht!" Und schon sind Sie die oder der mit dem Ego-Problem. Berufliches Todesurteil: "einfach nicht teamfähig".

"So ist es - und ich schäme mich nicht dafür!" zu rufen, führt vermutlich ohne Gnadenfrist zur Vollstreckung. (Soll heißen: Kündigung.) Deshalb lieber einmal tief durchatmen und betonen, dass Sie sehr wohl ein Teamplayer sind. Falls Sie es über sich bringen, ergänzen Sie das Adjektiv "überzeugter". Zur Bekräftigung bringen Sie die Zauberformel aller Teamwork-Fetischisten an: "Wir müssen einfach besser kommunizieren. Wir wünschen uns doch alle ein harmonisches Miteinander."

Keine Angst vor Übertreibung

Falls Ihnen weitere Wir-Plattitüden einfallen, immer raus damit. Angst vor Übertreibung brauchen Sie nicht zu haben. Wir waren schließlich schon Papst und wir sind Weltmeister. Da haben auch alle gejubelt.

Aber hier geht es ja nicht um alle, hier geht es um Sie. Um tapfere Anti-Teamworker, die jeden Tag wieder ins Büro gehen und ihre Natur verleugnen. Und dann abends zuhause des Redens so überdrüssig sind, dass sie sich jeglicher Kommunikation verweigern: Dem Partner wird einmal kurz zugenickt, das klingelnde Telefon ignoriert. Kein Anschluss unter dieser Nummer.

Selbstständigkeit wäre natürlich eine Möglichkeit, aber letztendlich keine Lösung. Klar, Freiberufler können jeden Tag im heimischen Einzelbüro dem Eremitentum frönen. Aber irgendwann müssen auch sie zum Telefon greifen, um mit dem Kunden letzte Änderungen zu besprechen oder Kundenakquise zu betreiben. Aus Teamworken wird Netzwerken - die Qual aber bleibt gleich.

Deshalb an dieser Stelle zumindest ein paar aufmunternde Worte für alle überzeugten Eigenbrötler: Sie haben absolut keinen Grund, sich zu schämen, weil Sie Aufgaben nur ungern abgeben. Schließlich erledigt sie keiner so perfekt wie Sie. Das ist Fakt, genauso wie Vertrauen etwas für Esoteriker ist.

Es gibt nur eine einzige Ausnahme: Wenn Ihre Kollegen Hannibal, Face, Murdock und B.A. Baracus heißen, dann lassen Sie das A-Team ruhig machen. Und sie zünden sich entspannt eine Zigarre an.