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SZ-Jobcoach:Wie stoppe ich die Lästerei der Kollegen?

Job und Bewerbung - der SZ-Jobcoach hilft

Regelmäßig beantworten die SZ-Jobcoaches Fragen zum Berufsleben.

(Foto: Jessy Asmus)

SZ-Leser Maximilian M. hält sich lieber heraus, wenn Kollegen und Kolleginnen schlecht über andere reden. Kürzlich wurde er selbst Opfer einer Lästerattacke. Wie soll er reagieren?

SZ-Leser Maximilian M. fragt:

Ich arbeite im Controlling eines IT-Unternehmens. Einige meiner Kolleginnen und Kollegen tratschen gerne über andere Mitarbeiter oder Vorgesetzte. Ich höre zwar manchmal zu, beteilige mich aber nicht daran. Kürzlich kam ich an der Teeküche vorbei und hörte, dass gerade über mich gelästert wurde. Wie gehe ich am besten mit solchen Lästereien um? Wie schaffe ich es, dem Einhalt zu gebieten, ohne anschließend gemobbt zu werden?

Jan Schaumann antwortet:

Lieber Herr M., wie heißt es so schön: Sprich nicht über dich selbst; das wird erledigt, sobald du den Raum verlässt. Tratsch und Lästereien gibt es wahrscheinlich in jedem Unternehmen. Was die Sache nicht besser macht. Doch es verdeutlicht vielleicht, dass wir es wohl nie ganz verhindern können.

Gut wäre, zunächst einmal seine eigene Rolle zu betrachten und zu reflektieren. Wie spreche ich eigentlich selbst mit anderen über Kollegen oder Vorgesetzte? Oder grundsätzlich über andere Menschen, auch im privaten Bereich? Neige ich dazu, hinter dem Rücken von anderen Kritik an ihnen zu üben und öfter auch mal unsachlich zu werden? Dann sollte ich das tunlichst abstellen. Die höhere Form der kommunikativen Erleuchtung bestünde schließlich darin, falls man nichts Positives über einen Menschen zu sagen hat, eben gar nichts zu sagen. Wohl dem, der das immer umsetzen kann.

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Sie sagen, dass Sie ab und an zuhören, wenn über andere gelästert wird. Auch das ist eine Form der Beteiligung und des passiven Mitmachens. Die aufwandsärmste Form wäre, sich zu entziehen. Also beispielsweise einfach den Raum zu verlassen, in dem getratscht wird. Das wird der Lästerei wahrscheinlich nicht unmittelbar Einhalt gebieten, jedoch signalisieren Sie damit, dass Sie sich nicht daran beteiligen möchten.

Wenn Sie Ihren Abgang dann auch noch mit einer Ich-Botschaft ("Da möchte ich nicht mitmachen", "Damit fühle ich mich nicht wohl") kommentieren, setzen Sie zudem ein vorsichtiges, aber klares Statement, das Sie auf Nachfrage jederzeit begründen können.

Jetzt wurde aber über Sie persönlich gelästert. In solch einem Fall ist es viel wirkungsvoller, wenn Sie die Lästermäuler direkt ansprechen. Fragen Sie, ob es irgendwelche Probleme gäbe, was genau sie stört und ob sie vielleicht direkt miteinander darüber sprechen wollen.

Ja, das erfordert Mut und in diesem Moment eine gehörige Portion Selbstbewusstsein. Aber glauben Sie mir, eine solch direkte Konfrontation stiftet nicht nur unmittelbar Verwirrung bei den Tratschenden, sondern sie hinterlässt außerdem Eindruck. Davon abgesehen kann es im besten Fall wirklich zum Aufklären eventueller Missverständnisse beitragen und dafür sorgen, dass Sie künftig seltener Gegenstand von Lästereien sind.

Info

Haben Sie auch eine Frage zu Berufswahl, Bewerbung, Etikette, Führungsstil oder Arbeitsrecht? Dann schreiben Sie ein paar Zeilen an coaching@sueddeutsche.de. Unsere Experten beantworten ausgewählte Fragen. Ihr Brief wird selbstverständlich anonymisiert.

Eine weitere, weniger konfrontative Möglichkeit besteht darin, die Tratsch-Problematik öffentlich zu machen. Sprechen Sie das Thema beim nächsten Meeting in der großen Gruppe an. Ihr Ziel sollte in erster Linie darin bestehen, die Sensibilität Ihrer Kolleginnen und Kollegen, aber auch der teilnehmenden Führungskräfte zu schärfen.

Hier geht es nicht um Petzen oder persönliche Verurteilungen, das wäre in diesem Rahmen nicht förderlich. Schildern Sie möglichst objektiv (und anonymisiert, die Beteiligten werden sich schon selbst erkennen) Ihre Wahrnehmung. Berichten Sie, welche Wirkung das Erlebte auf Sie persönlich hatte, und gehen Sie mit einem konkreten, positiv formulierten Wunsch auf die kommunikative Zielgerade. Einem konstruktiven Wunsch kann man sich nämlich leichter anschließen. Vielleicht wäre es ja sogar der Anstoß für eine Initiative des netten Umgangs miteinander.

Jan Schaumann lebt als Managementberater, Seminarleiter und Buchautor in Berlin.