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Stuntman:Die Gefahr als Beruf

Sie springen von Dächern und fliegen über Autokühler. Seit im Fernsehen immer häufiger Reifen quietschen und Fäuste aufeinander treffen, hat die Stuntszene ihr Nischendasein verlassen.

Stuntmänner und -frauen sind nicht nur in Hollywood gefragt. "Es gibt kaum noch Fernsehfilme, in denen keine Actionszene vorkommt", sagt Ronald Zillinger von der Arbeitsgemeinschaft Stunt der deutschen Medien- und Eventwirtschaft in Krefeld.

(Foto: Foto: AP)

Für einen angehenden Stuntman ist Sportlichkeit unverzichtbar: "Besonders in den ersten Jahren muss man viel für die Fitness tun", sagt René Lay, Stuntman aus Dresden. Gefragt sei aber auch eine "künstlerische Ader". Stuntmen doubelten nicht nur Schauspieler bei gefährlichen Parts, sondern übernehmen ganze Filmszenen.

"Wir achten auch darauf, dass die Leute nicht zwei linke Hände haben", sagt Tanja Maschkowski von der Film- und Stuntproduktion Action Concept in Hürth (Nordrhein-Westfalen). Auch technisches Verständnis sei von Nutzen - zum Stunt gehöre auch die Vorbereitung.

Der Einstieg in die Vollzeit-Ausbildung erfolgt über ein Praktikum. Einige Schulen veranstalten zunächst "Sichtungsseminare". Wer reinschnuppern möchte, kann etwa in der Stuntschule der Stunt-AG oder bei Action Concept auch an einem Workshop teilnehmen.

"In der Ausbildung werden die Grundlagen vermittelt", sagt Tanja Maschkowski. Dazu gehört in der Stuntschule von Action Concept der Bodystuntbereich: "Fallen, Abrollen und Stürze in allen Variationen." Für diese Vollzeit-Ausbildung wird eine Vergütung gezahlt, während des Praktikums 500 Euro, später abhängig von den Vorkenntnissen entsprechend mehr.

Zu den wenigen Frauen in der Branche gehört Tanja de Wendt: "Ich habe großes Glück gehabt", erzählt die erfolgreiche Stuntfrau. "Ich konnte viele und außergewöhnliche Erfahrungen machen." Inzwischen arbeitet sie auch als Stunt-Koordinatorin. Ihre Aufgabe: Stunts so zu planen, dass das Risiko für alle Beteiligten möglichst gering bleibt.

"Eine realistische Selbsteinschätzung ist wichtig", sagt de Wendt. Man müsse die eigenen Grenzen kennen. Den größten Mut erfordere es, Nein zu sagen, wenn die Beine anfangen zu schlottern. "Wir sind keine Sensationsdarsteller", bringt es Stuntman René Lay auf den Punkt.

Der Markt für Stuntman ist eng: "Es schaffen nur wenige, wirklich professionell zu arbeiten und davon zu leben", sagt Lay. "Je vielseitiger man ist, desto mehr Arbeit hat man." Das bestätigt auch Zillinger: Wer sich spezialisiere und in einem Bereich "sehr, sehr gut" ist, werde zwar besser bezahlt, habe aber eventuell weniger Aufträge. Wem die Freiberuflichkeit zu unsicher ist, kann sich auch von einem Freizeitpark anstellen lassen. "Auch im Event- und Veranstaltungsbereich sind die Stunts live", so der Stunttrainer.

Informationen: Arbeitsgemeinschaft Stunt der deutschen Medien- und Eventwirtschaft, Sterkenhofweg 4, 47804 Krefeld, (Tel.: 0700/78 86 88 326, Fax: 0700/78 86 83 29, E-Mail: info@stuntschule.de)

Action Concept Film- und Stuntproduktion, Abteilung Stuntschule, An der Hasenkaule 1-7, 50354 Hürth, (Tel.: 02233/50 85 37, Fax: 02233/50 85 66, E-Mail: stuntschule@actionconcept.com)