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Karriere:Welche Vorteile bietet ein duales Studium?

Chance für gute Azubis: Nach dem Abschluss um Stipendium bemühen

Ein duales Studium kann man in vielen Branchen absolvieren. Neuerdings haben die Teilnehmer - je nach Angebot - mehr Optionen, wie viel Zeit sie im Betrieb und an der Hochschule verbringen.

(Foto: Florian Schuh/dpa-tmn)

Akademische Ausbildung und Berufspraxis miteinander verbinden: Das kommt bei Schulabsolventen gut an - vor allem, weil die Studierenden sich die Zeit flexibler einteilen können.

Von Christine Demmer

Bei Vodafone gibt es Handyverträge, bei der Deutschen Bank Finanzdienstleistungen und bei der Betriebskrankenkasse SBK gesundheitliche Absicherung. Was längst nicht jeder weiß: Bei den dreien gibt es außerdem Studienplätze, für die man nicht bezahlen muss, sondern Geld bekommt. Seit einem halben Jahrhundert zieht das duale Studium junge Menschen an, denen eine Berufsausbildung nicht wissenschaftlich genug und ein Hochschulstudium zu theorielastig ist. Das duale Studium verbindet beide Welten - und es ist kürzer als eine Berufsausbildung plus Studium.

Die entscheidenden Vorteile seines dualen Studiums sieht Niklas Roszak in der Abwechslung und im Selbermachen. "Ich konnte schon während des Studiums Projekte in eigener Verantwortung bearbeiten", erinnert sich der Betriebswirt an den praktischen Teil seines dualen Studiums beim Bremssystembauer ZF Wabco in Hannover, das er vor wenigen Jahren absolvierte. Diese Nähe zur Praxis gibt für viele den Ausschlag, sich eben für dieses Studienmodell und nicht für ein anderes zu entscheiden.

Ein weiterer handfester Vorteil des dualen Studiums: Während der Ausbildung bezahlen die Arbeitgeber den Studierenden ein Gehalt, von dem sie durchaus leben können. Vertraglich ebenfalls geregelt sind der Urlaub und die zeitliche Aufteilung der Ausbildung zwischen den Lernorten Hochschule und Betrieb. Sicherheitssuchende dürfte beruhigen, dass viele Betriebe bereits bei Studienantritt ihre grundsätzliche Bereitschaft zur Weiterbeschäftigung erklären.

Das motiviert. "Die Studierenden bringen in der Regel eine sehr hohe Lern- und Leistungsbereitschaft mit", sagt Anke Eistert, Personalmanagerin bei der Deutschen Bank in Frankfurt. Es sei beeindruckend, welch tolle Ergebnisse der große Ideenreichtum und die Kreativität der Nachwuchskräfte in Kombination mit dem Gelernten bei Projektaufträgen und bei der Optimierung von Standardabläufen zu Tage brächten. "Der Übergang in ein festes Anstellungsverhältnis benötigt weniger Einarbeitungszeit und ermöglicht in vielen Fällen ein schnelleres Durchstarten als nach einem Vollzeitstudium", erläutert Eistert.

Lehrpläne zu modernisieren, ist an dualen Hochschulen leichter als an Unis

Die beliebtesten Fachrichtungen im dualen Studium sind Wirtschaftswissenschaften - diese belegt fast jeder zweite Studierende -, Ingenieurwesen, Sozialwesen und Informatik. Gemessen am Studierendenaufkommen und an der Fächervielfalt hat die Computerwissenschaft in den vergangenen Jahren den größten Sprung nach vorn getan. Das liegt nicht nur an den Interessen der Bewerber, sondern auch an der engen Zusammenarbeit zwischen Hochschule und Ausbildungsbetrieben.

Während die Branchenverbände bei den Lehrstühlen der Universitäten oft viel Überzeugungsarbeit leisten müssen, um eine Modernisierung des Studiums durchzusetzen, kommen Ausbildungsleiter und Professoren regelmäßig zusammen. Dabei besprechen sie, was die Betriebe brauchen und welche neuen Inhalte deshalb in die akademische Ausbildung aufzunehmen sind. Insbesondere im Studium der Informatik in all seinen Spielarten haben die Lehrenden den Finger am Puls der Zeit.

Seit 2000 bildet die Betriebskrankenkasse SBK dual Studierende unter anderem zu Gesundheitsökonomen aus. Mit dem Bachelortitel bekommen die Absolventen das Zeugnis einer abgeschlossenen Berufsausbildung zum Sozialversicherungsfachangestellten. Diese Doppelqualifikation - Ausbildung plus Bachelor - geht auf die Grundidee des dualen Studiums zurück. In den vergangenen Jahren ist sie allerdings in den Hintergrund getreten - Praxisnähe bedeutet nicht zwangsläufig, dass man einen Ausbildungsabschluss erwirbt. Die in den Betrieben vermittelten Inhalte freilich sind auf der Höhe der Zeit.

In zwei Studiengängen, die die SBK gemeinsam mit der Hochschule Ludwigshafen beziehungsweise der Hochschule Rosenheim aufgelegt hat, stecken erheblich mehr digitale Themen als noch vor einigen Jahren. "Vom nächsten Jahr an gibt es an der Hochschule Ludwigshafen ein Wahlfach mit Schwerpunkt digitale Transformation", kündigt Ausbildungsleiter Rüdiger Burkard an. "Denn Datenanalyse und digitale Prozesse werden im Gesundheitswesen immer zentraler."

Die ersten 14 von insgesamt 54 Studienmonaten der Gesundheitsökonomie lernen die Studierenden in der Betriebskrankenkasse. Danach wechseln sich jedes Vierteljahr Theorie und Praxis ab. Beim vierjährigen Programm "Management in der Gesundheitswirtschaft", das an der Hochschule Rosenheim studiert wird, wechseln die Lernorte von Anfang an alle drei Monate.

Bei modernen Modellen muss man die Lernorte seltener wechseln

Angesichts der unterschiedlichen Zielsetzungen der Ausbildungsbetriebe und der wachsenden Spezialisierung im Hochschulsektor ist der ursprünglich einheitliche Ablauf des dualen Studiums längst einer Vielfalt von individuellen Modellen gewichen. "Wichtig ist, dass sie sich gut mit der Vermittlung der praktischen Ausbildungsinhalte in den jeweiligen Einsatzbereichen vereinbaren lassen", unterstreicht Anke Eistert von der Deutschen Bank. In manchen dualen Programmen verbringen die Studierenden drei Tage in der Woche im Betrieb und zwei im Hörsaal, anderswo wechseln sie im zweiwöchigen Rhythmus, in manchen Studiengängen nur jedes Halbjahr.

Unter den sieben Fachrichtungen des dualen Studiums, die Vodafone in Düsseldorf anbietet, liegt Business Administration mit Schwerpunkt Digital Innovation in der Nachfrage noch vor den Informatik-Studiengängen. Stephen Scholl, Senior Expert Young Talents, erklärt den Clou daran: "Wir bieten den Studiengang zusammen mit den Hochschulen der Steinbeis-Gruppe an, das ist für uns ein komplett neues Modell: Die Studierenden verbringen nur noch acht Tage je Semester an der Hochschule. Das hat für viele den Vorteil, dass sie nicht alle drei Monate an einen anderen Lernort umziehen müssen."

Vier Tage in der Woche lernen und arbeiten die Studierenden im Betrieb, und am fünften Tag studieren sie im Home-Office digital auf der Hochschulplattform, mit Video-Tutorials und Online-Sprechstunden mit Dozenten. Diese Struktur gefällt Vodafone und offenbar auch den Bewerbern so gut, dass das Unternehmen künftig einen Großteil seines Studienangebots daran anlehnen will. Die Vorteile des Konzepts kommen in der aktuellen Situation besonders zur Geltung. Auch deshalb dürfte es bald Nachahmer finden.

© SZ/ssc/mai
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