Studie zur Emigration Von wegen "Goodbye Deutschland"

Miami statt München? Allen Doku-Soaps zum Trotz gibt es in Deutschland keinen Trend, dauerhaft ins Ausland umzusiedeln.

Von Jutta Pilgram

Wenn Konny Reimann seinen Cowboyhut verliert oder beim Rodeo vom Pferd stürzt, dann fiebert das RTL-Publikum mit. Der schnauzbärtige Hamburger ist Deutschlands bekanntester Auswanderer. Seit er vor fünf Jahren nach Texas zog, sind unzählige Deutsche seinem Beispiel gefolgt und haben sich beim Kistenpacken und Radebrechen von einem Fernsehteam begleiten lassen. Doku-Soaps wie "Mein neues Leben", "Grenzenlos verliebt" oder "Goodbye Deutschland" erwecken den Eindruck, dass die Bundesbürger massenhaft ihrer Heimat den Rücken kehren. Dabei zeigen sämtliche Statistiken eine seit Jahrzehnten stabile Auswanderungsrate: Seit mehr als 20 Jahren liegt sie konstant bei 0,8 Prozent.

Jenseits der Grenze ist alles besser? Während im Fernsehen ständig jemand auswandert, verlassen in der Realität nur wenige Deutsche ihre Heimat.

(Foto: Foto: iStock)

Vor allem Medienhysterie

"Der vermeintliche Trend zur Auswanderung ist vor allem Medienhysterie", sagt Marcel Erlinghagen, Autor einer aktuellen Studie über Emigration. Dafür hat er ausgewählte Daten des Sozio-ökonomischen Panels analysiert, einer am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung Berlin (DIW) angesiedelten Wiederholungsbefragung von 11.000 deutschen Haushalten. Herausgefunden hat er erstens, welche Bevölkerungsgruppen das Land verlassen, und zweitens, wie es ihnen in der neuen Heimat geht.

Grundsätzlich gilt: Je jünger jemand ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er ins Ausland zieht. Zudem sind Auswanderer häufiger weiblich, Akademiker und kinderlos. Der Grund dafür liegt für Erlinghagen auf der Hand: "Auswanderung ist auch heute noch immer eine riskante Entscheidung. Wer ungebunden ist und eine gute Ausbildung hat, tut sich damit leichter als jemand, der seine ganze Familie mit in dieses Abenteuer nehmen muss." In den bevorzugten Auswanderungsländern - der Schweiz, Österreich und den USA - hätten es Akademiker außerdem viel leichter als andere, einen neuen Job zu finden.

Die Analyse lässt auch Rückschlüsse auf die Gründe der Umzugsentscheidung zu. Dabei zeigt sich vor allem eines: "Es gibt meist nicht den einen Grund zur Auswanderung. Wer eine solch folgenschwere Entscheidung fällt, hat dafür mehrere, zusammenhängende Gründe", sagt Erlinghagen. Diese Gründe sind in der Regel sowohl privater als auch beruflicher Natur. Auffällig ist, dass die Zufriedenheit mit der eigenen wirtschaftlichen Lage meistens keine Rolle spielt. Der Umstand, dass sich Menschen große Sorgen um die konjunkturelle Entwicklung im Allgemeinen und ihre eigene wirtschaftliche Lage im Besonderen machen, hat - wenn überhaupt - nur einen schwachen Einfluss auf Umzugsentscheidung.

Im Ruhestand zurück in die Heimat

In der Studie wird zwischen Deutschen einerseits und Migranten und Deutschen mit Migrationshintergrund andererseits unterschieden. Mit gutem Grund, denn in dieser Gruppe zeigt sich ein völlig anderes Bild der Auswanderer: Hier sind die Auswanderer deutlich älter, oft Rentner und häufig arbeitslos. "Wir verlieren hier vor allem diejenigen, die überhaupt nicht oder nicht mehr in den Arbeitsmarkt integriert sind", sagt Erlinghagen. "Dazu kommt dann noch die große Gruppe von Auswanderern, die mit dem Eintritt in den Ruhestand weiterwandern oder in ihre Heimat zurückkehren."

Und: Je länger jemand in Deutschland lebt, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er auswandert. "Wenn jemand länger als 20 Jahre in Deutschland lebt, können wir eigentlich gar keine Unterschiede mehr zum Auswanderungsverhalten von Deutschen feststellen", sagt Erlinghagen.

Es antworten nur die Zufriedenen

Im Rahmen des Pilotprojekts "Leben außerhalb Deutschlands" hat das Sozio-ökonomische Panel auch erstmals untersucht, wie es Auswanderern in ihrer neuen Heimat geht. "Die meisten Befragten sagen ganz klar, dass sich ihre Lebenszufriedenheit deutlich verbessert hat und dass sie ihre Entscheidung zur Auswanderung nicht bereuen", sagt Erlinghagen, weist dabei aber auch auf die geringe Anzahl von Befragten hin: "Wir haben nur etwa 50 Prozent der verschickten Fragebögen zurückbekommen. Das lässt natürlich vermuten, dass eher diejenigen geantwortet haben, deren Auswanderung erfolgreich war." Umso mehr sei deshalb das Sechstel zu beachten, dass seine Auswanderung bereut.

Der RTL-Auswanderer Konny Reimann gehört schon deshalb zur Gruppe der zufriedenen Auswanderer, weil er längst nicht mehr als Monteur arbeitet. Er hat inzwischen ein Buch über das Auswandern geschrieben und vertreibt Souvenirs mit Konny-Konterfei im eigenen Online-Shop.

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