Studie zu Zeitarbeit Von wegen Sprungbrett

Nur wenigen Arbeitslosen verhilft die Zeitarbeit zu einem dauerhaften Job, wie eine Studie belegt. Ganz umsonst ist die schlecht bezahlte Arbeit aber nicht.

Viel Engagement, wenig Ertrag: Nur sieben Prozent aller zuvor arbeitslosen Zeitarbeiter bleiben nach dem Auslaufen ihrer Verträge dauerhaft in regulärer Beschäftigung. Dies ist ein zentrales Ergebnis einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), die in Berlin vorgestellt wurde.

Ob die Zeitarbeit dem Fensterputzer irgendwann zu einer festen Anstellung verhilft, ist fraglich, wie eine Studie zeigt.

(Foto: ddp)

Die Beschäftigungschancen für Langzeitarbeitslose erhöhten sich jedoch nach der Leiharbeit enorm, sagte Florian Lehmer, Mitarbeiter in der IAB-Forschungsgruppe. Sie sei die deutlich bessere Alternative zu weiterer Arbeitslosigkeit.

25 Prozent der Leiharbeiter waren laut IAB in den zwei Jahren vor ihrer Beschäftigung mindestens die Hälfte der Zeit arbeitslos. In den zwei Jahren nach der Leiharbeit habe dieser Anteil nur noch bei 17 Prozent gelegen. Auf lange Sicht hätten Langzeitarbeitslose, die als Zeitarbeiter beschäftigt sind, keinen Nachteil gegenüber Langzeitarbeitslosen, die eine reguläre Beschäftigung finden. "Leiharbeit ist zwar keine breite Brücke, aber zumindest ein schmaler Steg in Beschäftigung", sagte IAB-Direktor Joachim Möller.

Die aktuelle Anzahl der Leiharbeiter liege bei etwa 750.000, Anfang 2004 seien es noch 300.000 gewesen. Die Mehrzahl arbeite im Produktionssektor, sei männlich und habe ausländische Wurzeln. Etwa die Hälfte der Leiharbeitsverhältnisse ende bereits innerhalb von drei Monaten.

Leiharbeiter haben laut der Forschungsgruppe "einen Lohnnachteil in substanzieller Höhe", sie verdienten 20 bis 25 Prozent weniger als regulär Beschäftigte. Für Betriebe sei Zeitarbeit attraktiv, um flexibel auf Auftragsschwankungen reagieren zu können, sagte IAB-Vizedirektor Ulrich Walwei. Wenn sich ihr Ruf verbessere, werde die Zeitarbeit in Deutschland weiter an Bedeutung gewinnen. Dafür müsste sie allerdings in Bereiche vordringen, in denen es sie bislang kaum gebe, zum Beispiel in den Dienstleistungssektor.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) fühlt sich durch die Studie in seiner Ablehnung der Zeitarbeit bestätigt. "Leiharbeit ist eine der Hauptverkehrsstraßen in prekäre Beschäftigung", sagte DGB- Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach in Berlin. Personal langfristig zu ersetzen sei Missbrauch. Ein dauerhaft hoher Lohnunterschied zwischen Leiharbeitern und regulären Arbeitnehmern in den Betrieben verstoße gegen das Prinzip der Leistungsgerechtigkeit und vermindere Übernahmeanreize.

Die Linke bezeichnete Zeitarbeit als "beschäftigungspolitischen Fehlschlag". Sie sei "alles andere als ein Jobmotor für Langzeitarbeitslose", sagte die Linken-Sprecherin für Arbeit und Mitbestimmung, Jutta Krellmann.

Der Bundesverband Zeitarbeit Personal-Dienstleistungen (BZA) kritisierte, der Erfolg der Zeitarbeit bemesse sich nicht daran, wie viele Leiharbeiter von Unternehmen übernommen würden. Auch Zeitarbeit sei eine reguläre Tätigkeit. "Wir sind eine selbstständige Branche mit vollwertiger Arbeitgeberfunktion", sagte BZA-Präsident Volker Enkerts.

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