Studie zu Stress im Job Ständige Erreichbarkeit als großer Stressfaktor

Weil wir nicht marginalisiert werden wollen, geben wir damit an, wie gefragt wir sind. Zudem sind Arbeit wie Alltag sehr viel komplexer geworden, was neue Strategien der Arbeitsbewältigung erfordert, so Nussbaum: "Früher, als es Handy und Mails noch nicht gab, konnte man sich am Morgen eine To-Do-Liste schreiben, die Aufgaben priorisieren und dann bis zum Abend abarbeiten. Heute ist das nicht mehr so einfach, weil die Abläufe so komplex sind und der Alltag so schnell ist."

Ein großer Stressfaktor ist laut Nussbaum die ständige Erreichbarkeit - und die Möglichkeit, immer weiterarbeiten zu können, egal wo man ist. Wer auf seinem Smartphone und dem Laptop Zugriff auf die Arbeitsmails hat, der muss sich geradezu rechtfertigen, wenn er sie übers Wochenende nicht wenigstens mal checkt.

Job Auf halber Strecke
Karriere

Auf halber Strecke

Viele Berufseinsteiger sind überzeugt, dass sie weit nach oben aufsteigen. Die ganz große Karriere wird es aber meistens nicht - diese Erkenntnis kann bitter sein. Wie lässt sie sich verkraften?   Von Christine Demmer

Zeit, über die wir komplett frei verfügen können, wird heute als Zeichen der drohenden Überflüssigkeit betrachtet. Früher wurde dagegen eine Zeit des Müßiggangs als Freiraum betrachtet, in dem wir reflektieren, Introspektion betreiben und den schönen Dinge des Lebens nachgehen können.

Für Cordula Nussbaum ist diese Umdeutung von Zeit besorgniserregend. Für sie sind Pausen elementar für erfolgreiches Arbeiten: "Wir brauchen Phasen, in denen wir Gedanken nachhängen können. Erholte Mitarbeiter sind um vieles produktiver als gestresste. Wenn Top-Führungskräfte behaupten, sie kämen mit vier Stunden Schlaf aus, dann verschweigen sie dabei, dass ihre Gehirnleistung der eines Menschen mit zwei Promille entspricht."

Es wird Zeit, freie Zeit wieder umzudeuten. Und am besten, wir fangen beim nächsten Anruf eines guten Freundes an. Wenn der mal wieder fragt, ob er stört, behaupten wir im Brustton der Überzeugung: "Nein, überhaupt gar nicht. Schieß los!"