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Studie zu Sexarbeit unter Studierenden:Der Traum vom schnellen Geld

Fachleute einer Beratungsorganisation für Prostituierte, dagegen nannten als Gründe unter anderem "Illusionen, Erwartungen vom schnellen, großen Geld, Suche nach körperlicher Nähe und Neugier am Sex". An ihre Kunden kommen die Studierenden meistens über Kontaktbörsen im Internet. Nahezu gleichauf folgen persönliche Kontakte oder die Arbeit in Bordellen.

Ungewöhnliche Studentenjobs

"Stöhn doch mal"

Die Studenten sind überwiegend in höheren Semestern und im Durchschnitt knapp 26 Jahre alt. Auffällig ist, dass mit 52,3 Prozent ähnlich viele in einer festen Beziehung leben wie andere Studenten auch.

Auffällige Unterschiede gibt es aber offenbar bei der sexuellen Orientierung der Studenten. So bezeichnen sich nur 49 Prozent der Sexarbeiter als heterosexuell (Vergleichsgruppe: 85,5). 13,3 Prozent (Vergleichsgruppe: 5,3) gaben dagegen an homosexuell zu sein, während sich 37,8 Prozent (Vergleichsgruppe: 8,9) als bisexuell bezeichneten.

Die Hoffnungen dieser Studierenden auf hohe Verdienste werden nur teilweise erfüllt. Nike etwa verdient zwischen 2000 bis zu 5000 Euro je Woche, andere Studentinnen liegen zwischen 50 und 300 Euro am Tag. Dafür bezahlen sie mit besonderen Belastungen: Stigmatisierung, Geschlechtskrankheiten, soziale Ausgrenzung und Probleme in der Partnerschaft führten jeweils rund 60 Prozent der Befragten an.

Gerade der Blick von Fremden auf Sexarbeiter ist den Studienergebnissen zufolge von Stadt zu Stadt sehr unterschiedlich. So haben in Berlin, Paris und Kiew zwischen 50 und 60 Prozent der Befragten Mitgefühl mit den Betroffenen oder Bestürzung empfunden. Unverständnis zeigten in Kiew mit gut 30 Prozent viel mehr Befragte als in Berlin und Paris, wo die Werte etwa bei 20 Prozent lagen. In Berlin reagierten weit mehr als 40 Prozent der befragten Studierenden auf das Thema mit Neugier, während in Paris fast 40 Prozent des Sexarbeitern Anerkennung zollten.

Die Untersuchung, die am Mittwoch in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften vorgestellt wird, bezieht sich ausschließlich auf Studierende. Die Situation von Zwangsprostituierten oder etwa notleidenden illegalen Immigranten wurde nicht erfasst. Das Studienkolleg zu Berlin ist eine gemeinsame Initiative der Studienstiftung des deutschen Volkes und der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung in Kooperation mit dem Wissenschaftskolleg zu Berlin und der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.