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Studie zu Bewerbungen:Wie Stereotype die Auswahl beeinflussen

Arbeitgeber verlassen sich nur ungern allein auf Zeugnisse. Lehrer können mal strenger, mal milder bewerten, Bundesländer stellten unterschiedliche Anforderungen, Prüflinge hätten am Prüfungstag Schnupfen, da ließen sich Arbeitgeber nicht so leicht täuschen, wie manch einer denkt, erklärt der Soziologe. Deshalb ist für sie häufiger relevant, was nicht in der Bewerbung steht, sich aber zusammenreimen lässt.

Was wissen Arbeitgeber über einen Mehmet, den sie nicht kennen? Dass seine Eltern wahrscheinlich aus der Türkei eingewandert sind und er demnach zu den Nachfolgern der Gastarbeiter gehört, über die Medien berichten, dass sie in der Schule immer noch nicht die gleichen Leistungen erbringen wie ihre deutschstämmigen Mitschüler. Und über jemanden, der sich für einen muslimischen Bürgerverein engagiert? Dass es dort Menschen gibt, die vor Frauen wenig Respekt haben. "Was Arbeitgeber über die jeweilige Gruppe denken, ist, was den Gruppendurchschnitt anbelangt, relativ realitätsnah, aber sie nehmen an, dass jedes Mitglied diesem Stereotyp entspricht, und liegen damit natürlich falsch", sagt Koopmans.

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Leser Fabian G. ist zweimal durch das juristische Staatsexamen gefallen. Jetzt fragt er sich, wie er damit bei einer Bewerbung umgehen soll.

Die Forscher wollten es aber noch genauer wissen und haben mehr als 5800 der fiktiven Bewerbungen sowie ihre Rücklaufquoten immer wieder in verschiedenen Rechenverfahren miteinander verglichen. Waren es eher die Vorurteile hinsichtlich des Bildungsniveaus - der vermeintlich arme, ungebildete Afrikaner und die ehrgeizige, hochgebildete Chinesin - die bei der Entscheidung über Einladung oder Absage ausschlaggebend waren? Oder die vermuteten kulturellen Unterschiede, die Sorge, muslimische Frauen legten keinen Wert auf ihre eigene Karriere oder würden von ihrem Mann bald zum Kinderhüten verdonnert?

Deutsche Bewerbungskultur bietet auch Vorteile für Migranten

Nach vielen Rechenoperationen können sich die Wissenschaftler festlegen: "Das Bildungsniveau der Herkunftsgruppe spielt eine Rolle, aber entscheidend ist die kulturelle Distanz", sagt Koopmans. Die Effekte überlagern sich, weil ausgerechnet in Weltregionen mit für deutsche Maßstäbe sehr fremden Kulturen auch das Bildungsniveau nicht sehr hoch und die Modernisierung noch nicht so weit vorangeschritten sei. "Die Gruppen mit großer Wertedistanz sind häufig auch Gruppen mit niedriger Bildung", sagt Koopmans.

Die gute Nachricht für all diejenigen, die von dieser Pauschalisierung betroffen sind: Es gibt Möglichkeiten, den Arbeitgebern ihre diffusen Ängste zu nehmen. "Migranten in Deutschland profitieren davon, dass hier eine Bewerbungskultur gelebt wird, die relativ viele Informationen über den Bewerber bietet", sagt Koopmans. Wenn Murat angibt, dass er sich als Jugendtrainer einer Fußballmannschaft engagiert hat und seinen Gruppenleiterjob in einer muslimischen Jugendgruppe weglässt, dann könnten Arbeitgeber ihn in die Gruppe derjenigen Mitbürger einordnen, die sich integriert haben und soziale Verantwortung übernehmen. Und wenn Fayola sich im Hosenanzug ablichten lässt, geht sie als Karrierefrau ins Rennen.

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