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Studie in dänischen Unternehmen:Chefs mit erstgeborenen Töchtern bezahlen Frauen mehr

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Von Vätern und Töchtern: Wenn männliche Führungskräfte Kinder kriegen, wirkt sich das einer Studie zufolge auf die Gehälter der Angestellten aus. Ob die Mitarbeiter mehr oder weniger Geld bekommen, hängt demnach vom Geschlecht des Babys ab.

Machen Töchter aus Vätern möglicherweise bessere Menschen? Bill Clinton gab jüngst ganz offen zu, wie sehr Tochter Chelsea seine Lebensanschauung prägt. "Sie hat einen großen Einfluss darauf, wie ich die Welt sehe", sagte er bei der Verleihung eines Preises der Schwulen- und Lesben-Vereinigung GLAAD. Chelsea und ihre Freunde hätten ihm vorgelebt, wie ein vorurteilsfreies Miteinander aussehe, so der frühere US-Präsident.

Und Clinton ist nicht der einzige Mann, dessen Welt- und Frauenbild durch weibliche Familienmitglieder nachhaltig beeinflusst wird. Eine Studie aus Dänemark legt jetzt nahe, dass die Geburt einer Tochter das schaffen kann, woran politische Appelle vielfach scheitern: Sie schärft bei Männern das Bewusstsein für Geschlechtergerechtigkeit. Demnach neigen männliche Führungskräfte, die als erstes Kind eine Tochter bekommen, dazu, nach der Geburt die Gehälter ihrer weiblichen Angestellten zu erhöhen.

Noch immer bekommen Männer im Durchschnitt deutlich mehr Geld als Frauen. In Deutschland betrug die Geschlechterdifferenz im vergangenen Jahr 22 Prozent (bezogen auf den durchschnittlichen Stundenlohn). Der Verdienstunterschied hat vor allem strukturelle Gründe: Frauen sind häufiger in schlechter bezahlten Berufen und Branchen tätig und arbeiten öfter Teilzeit. Daneben hat die Geschlechterkluft bei den Gehältern aber auch sozialpsychologische Ursachen.

"Vorstellungen einer männlichen Höherwertigkeit"

Die meisten Führungskräfte sind immer noch männlich (etwa 70 Prozent). Chefs neigen dazu, ihren Geschlechtsgenossen eine größere Kompetenz zuzurechnen - oder wie es der Soziologe Reinhard Bispinck ausdrückt: "Vorstellungen einer diffusen männlichen Höherwertigkeit" prägen das Verhalten bei Einstellungen, Beförderungen - und eben Gehaltsentscheidungen.

Genau hier setzt die Studie unter der wissenschaftlichen Leitung des Dänen Michael Dahl, Professor für Unternehmensführung an der Uni Aalborg, an. Gemeinsam mit zwei amerikanischen Kollegen ging er der Frage nach, welchen Einfluss das Geschlecht vor allem des erstgeborenen Kindes auf die Gehaltspraxis von männlichen Führungskräften (CEOs) in mittelständichen Unternehmen hat.

Das Forscher-Trio um Dahl kam unter anderem zu folgenden Ergebnissen:

  • Zwar tendieren Männer generell dazu, die Gehälter ihrer Angestellten zu kürzen, wenn sie Vater werden. Weil sie, so die Erklärung der Wissenschaftler, finanzielle Ressourcen der Firma nun eher für sich selbst und ihre neu gegründete Familie einsetzen. Dieser Trend wird aber moderiert durch das Geschlecht des Kindes - und das Geschlecht des Arbeitsnehmers.​​​
  • So sinken die Gehälter um durchschnittlich 0,4 Prozent, wenn der Chef einen Sohn bekommt. Ist das Kind dagegen ein Mädchen, bleiben die Gehälter konstant.​​
  • Außerdem kommen auf weibliche Angestellte bei der Geburt eines Sohnes geringere, statistisch nicht signifikante Lohnkürzungen zu (0,2 Prozent). Wohingegen der Verdienst von männlichen Mitarbeitern deutlicher und statistisch signifikant um 0,5 Prozent sinkt.
  • ​​Ist das Kind des Chefs hingegen eine Tochter, müssen Männer lediglich mit 0,1 Prozent weniger Gehalt rechnen. Und Frauen dürfen sich sogar über eine Erhöhung von 0,1 Prozent freuen.
  • Handelt es sich bei der Tochter um das Erstgeborene des Chefs fällt das Plus für weibliche Angestellte sogar noch höher aus. Sie bekommen dann 1,1 Prozent mehr Lohn. Und auch männliche Mitarbeiter profitieren in diesem Fall: Ihr Gehalt erhöht sich ebenfalls - allerdings nur um 0,6 Prozent.

Die Forscher vermuten, dass sich bei Männern durch die Geburt einer Tochter "weibliche" Eigenschaften verstärken - wie beispielsweise das Empathievermögen. Väter von Töchtern sind demnach eher am Wohlergehen ihrer Angestellten interessiert. Außerdem verändere sich das Frauenbild von Männern, wenn diese ihre Partnerin als Mutter erlebten. Dahl et al. schreiben:

Mütter haben die Autorität, wenn es um das Wohlergehen und die Erziehung des Kindes geht, und stellen so Führungskompetenz unter Beweis. Diese Demonstration könnte Auswirkungen auf die Wahrnehmung anderer Frauen haben (...).

Für ihre Studie werteten die Wissenschaftler Daten der Dänischen Datenbank für Arbeitsmarktrecherche (IDA) aus. Dort sind umfassende Informationen zu jedem Dänen hinterlegt, unter anderem werden die Familiengeschichte und der Verdienst erfasst. Die Forscher selbst bezeichnen ihre Untersuchungsanlage als "Quasi-Experiment".

Auch wenn die Studienergebnisse aufgrund von Methode und Datensatz (nur Dänemark) sicher nicht ohne Weiteres verallgemeinerbar sind: Andere Studien belegen einen Einfluss von Töchtern auf ihre Väter. So stimmen Parlamentarier mit Töchtern beispielsweise eher für liberale Gesetze.

Und nicht zuletzt das Beispiel Bill Clinton zeigt: Selbst der einst mächtigste Mann der Welt lässt sich zum Positiven beeinflussen - von seiner Tochter.

© Süddeutsche.de/feko
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