bedeckt München
vgwortpixel

Studentenproteste:Empörung schweißt zusammen

Wenn jetzt just diejenigen Bildungspolitiker wie Annette Schavan, die das Bologna-System durchgepeitscht haben, plötzlich für "Korrekturen der handwerklichen Fehler" plädieren, dann schweißt die Empörung darüber zusätzlich zusammen - in jenen fernen Zeiten der großen Revolte hätte man wohl von "repressiver Toleranz" gesprochen. Und auch die Studenten-Kritik an der "Ökonomisierung" verfängt neuerdings bei den Professoren: weniger, weil sie Angst vor dem Einfluss einer dämonisierten Wirtschaft auf die Wissenschaft haben, sondern weil sie unter dem Zwang zur Drittmittel-Einwerbung und der Managementsprache ihrer Universitätspräsidenten leiden, die ihre Uni als einen wichtigen Player unter lauter Leuchttürmen wieder mal gut aufgestellt sehen.

Studentenproteste

Deutschlands besetzte Hörsäle

Das Erbe der alten Schule

Es ist also - endlich - ein Bündnis von Lehrenden und Lernenden entstanden, das die Missstände des Studiums gemeinsam angreift. Indes werden die Möglichkeiten dieses Bündnisses durch ein entscheidendes Hindernis auf Seiten der Studentenvertreter gehemmt: nämlich durch eine Vermengung von Sozialpolitik und Bildungspolitik. Dies ist ein Erbe der Studentenvertretung alter Schule, welches den Widerstand gegen die Bologna-Reformen schwächt, nicht stärkt.

Denn der Protest gegen die - im internationalen Vergleich moderaten - Studiengebühren ist nicht nur ziemlich aussichtslos, er ist auch falsch. Warum soll ein Student, dem ein sozialer Aufstieg in Aussicht steht, nicht gut achtzig Euro pro Monat zahlen, wo nötig abgefedert durch Darlehen oder Stipendien? Warum sollte das Studium, das kein Anrecht, sondern ein Privileg ist, gratis sein, wenn für Krippen- und Kindergartenplätze erhebliche Summen zu zahlen sind? Und wie redlich ist es, Schüler zum "Bildungsstreik" hinzuzurufen, damit die Demonstrantenzahlen wachsen - und anschließend ein subventioniertes Mensaessen für zwei Euro zu verspeisen, während das Essen in den neuen Schul-Mensen oft 4,50 Euro kostet?

Provokation eines Kuhhandels

Nein, diese unglaubwürdige Verquickung mit dem Sozialen schadet der dringend nötigen Verbesserung der Studienbedingungen. So provoziert man nur einen Kuhhandel wie den, dass die Bundesbildungsministerin eine Bafög-Erhöhung ankündigt, um die Studentenproteste zu befrieden. Um aber im Bündnis gegen Bologna jetzt wirklich etwas zu erreichen, ist gefragt, was Professoren wie Studenten an der Universität immer weiter erschwert wird: Konzentration.