Studenten-Proteste in Deutschland Zurück vor "Bologna"

Seit Wochen streiken sie und blockieren die Hörsäle. Nun zeigen die Studentenproteste Wirkung: Die Hochschulrektorenkonferenz schlägt eine Bestandsaufnahme der Probleme vor.

Die beharrliche Mobilisierung der deutschen Studenten zahlt sich offenbar nun doch aus: Die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz, Margret Wintermantel, zeigt sich gesprächsbereit. Angesichts der vehementen Studentenproteste plädiert die Hochschulrektorenkonferenz nun für einen "Bologna-Gipfel" mit allen Beteiligten. Ob aus den Gesprächen allerdings tatsächlich Veränderungen hervorgehen werden, das muss sich erst zeigen. Die Studenten versuchen seit Wochen, bessere Bildung, sicheres Bafög und die Rücknahme des "Bologna"-Beschlusses mit der Einführung der Bachelor und Master-Studiengänge zu erzwingen - mit Streiks und Besetzungen.

Mehrere hundert Studenten beteiligten sich auch in Oldenburg an dem Protest für bessere Bildung, sicheres Bafög, die Abschaffung der Studiengebühren und die Rücknahme des "Bologna"-Beschlusses mit der Einführung der Bachelor und Master-Studiengänge.

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"Bund, Länder, Hochschul- und Studentenvertreter müssen noch einmal eine Bestandsaufnahme der Probleme machen, damit wir zu den richtigen Lösungen kommen", sagte die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz, Margret Wintermantel, der Welt am Sonntag. "Gleichzeitig muss die Politik das Ressourcenproblem lösen, wir brauchen mehr Geld und weniger Regulierungen."

"Bologna" in mehr als 40 Staaten

Mit der Bologna-Erklärung haben sich inzwischen mehr als 40 Staaten verpflichtet, ihr Studienangebot auf international vergleichbare Bachelor- und Masterstudiengänge umzustellen. Gegen die Ausgestaltung dieser Studiengänge richten sich die Proteste der Studierenden. Sie kritisieren unter anderem, dass die Studiengänge inhaltlich überfrachtet und zu verschult seien. Zudem sei der Prüfungsdruck zu hoch. Lehrende sollen gesagt haben, dass es unmöglich sei, die erforderliche Stofffülle in die kurze Studiendauer zu packen.

Zur Kritik von Bildungsministerin Annette Schavan (CDU), die den Hochschulen in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung Fehler vorwirft, sagte Wintermantel, gegenseitige Schuldzuweisungen seien nicht zielführend. Sie gab Schavan dem Bericht zufolge zwar im Kern Recht, sagte aber: "Doch die Hochschulen handeln längst. Im Zuge der Erfahrungen mit den neuen Studiengängen wurden und werden kontinuierlich Verbesserungen dort vorgenommen, wo es notwendig ist." Das Hauptproblem der Reform sei in der mangelnden finanziellen Ausstattung der Hochschulen zu suchen. "Auch im internationalen Vergleich geben wir zu wenig Geld für den einzelnen Studierenden aus. Wir haben ein Ressourcenproblem."

Verbesserungsvorschläge aus Bayern

Bayerns Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) hat unterdessen schnelle Nachbesserungen der von Studenten heftig kritisierten Bachelor- und Masterstudiengänge zugesichert. Bereits in der kommenden Woche wolle er an den Hochschulen in München, Regensburg und Würzburg "einmal zeigen, wo der Weg hingeht", sagte Heubisch im Bayerischen Fernsehen. Er wolle aber dafür "keine x-te Kommission", sondern "rangehen" und "umsetzen".

Heubisch fügte hinzu: "Ich möchte gerne die studentische Freiheit wieder ein bisschen aufleben lassen". Das derzeitige System sei "zu verschult". Er gehe "konform" mit der Kritik. Studenten und Hochschulen fordern derzeit in bundesweiten Aktionen Verbesserungen bei der Umsetzung des sogenannten Bologna-Prozesses, bei dem unter anderem die Einführung der umstrittenen Bachelor- und Masterstudiengänge beschlossen wurden.

Am 5. Februar 2010 will Heubisch gemeinsam mit Studenten und Hochschulvertretern ein Symposium zum Thema "Gute Lehre im Zeichen von Bologna" veranstalten.