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Stress im Job:Der Job soll dem Leben einen Sinn geben

Die ständig steigenden technischen Anforderungen am Arbeitsplatz überfordern viele Beschäftige, sagt Hoppe: "Der Mensch kann sich zwar sehr schnell an Gegebenheiten anpassen, aber auch für diese Anpassung gibt es Grenzen." Das sollte jeder Mensch für sich erkennen, aber vor allem auch die Politik und die Industrie.

Sie stellen die Rahmenbedingungen für unsere Arbeitsumstände - und gehen dabei bereits in die richtige Richtung, attestiert Psychologin Koch. Angebote von flexibler Arbeitszeit oder Homeoffice nehmen zu. Das Bestreben sei da, dadurch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern und den Stress aus dem Arbeitsalltag zu nehmen. "Doch die Angebote alleine reichen nicht. Mitarbeiter müssen auch das Gefühl haben, sie guten Gewissens annehmen zu können. Oftmals haben sie Angst, damit ihrer Karriere zu schaden."

Die flexiblere Gestaltung bringe den Beschäftigten zwar neue Freiräume, aber auch neuen Druck: "Das Gute an solchen Modellen ist: Wir können immer und überall arbeiten. Das Schlechte daran: Wir können immer und überall arbeiten", so die Psychologin. Nicht wenige fühlten sich deshalb beispielsweise im Homeoffice besonders unter Druck gesetzt, es falle ihnen schwerer, wirklich Feierabend zu machen. "Die Arbeit greift viel stärker ins Privatleben ein. Manch einer denkt, weil er immer erreichbar sein könnte, muss er das auch tatsächlich sein."

Und manch einer will es durchaus auch sein. Was in Anbetracht der ganzen Diskussion um Stress nämlich oft vernachlässigt wird: Unsere Arbeitsbedingungen haben sich gravierend verbessert, für viele ist ihr Beruf ein wichtiger und sehr erfüllender Teil ihres Lebens. "Arbeit ist grundsätzlich etwas Positives und Stabilisierendes. Und die meisten kommen gut mit den Anforderungen im Berufsalltag zurecht", betont auch Psychologin Koch.

Sinnerfüllung ja - aber nicht nur im Beruf

Das bestätigt auch die aktuelle SZ-Umfrage, wonach die meisten Beschäftigten mit ihrem Job durchaus zufrieden sind. Anders als noch in vorhergehenden Jahrhunderten eröffnet den Menschen das heutige Arbeitsleben ungleich mehr Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung. Viele engagieren sich im Job, weil es ihnen Spaß macht und sie ihre Arbeit als sinnstiftend empfinden.

Dieser Anspruch kann jedoch trotz aller positiver Energie auch neuen Druck freisetzen. Den Druck, mit dem eigenen Job nicht nur den Lebensunterhalt zu verdienen, sondern auch noch seinem Leben einen Sinn zu geben. Damit kommt dem Beruf eine ungleich wichtige Rolle im Leben zu. "Je besser es uns geht, desto mehr schrauben wir die Ansprüche hoch und machen uns damit leicht selbst unzufrieden. Früher hätte ich vielleicht gesagt, naja, in dem Job verdiene ich gutes Geld, es ist nicht das Ideale, aber ich bin froh, dass ich einen hab. Jetzt muss es auch noch die Sinnerfüllung sein", sagt Arbeitspsychologe Kastner.

Doch auch hier wandelt sich die Einstellung vieler Arbeitnehmer. Sinnerfüllung ja - aber nicht nur im Beruf. Für die gut ausgebildete jüngere Generation wird Lebensqualität immer wichtiger. "Wenn Firmen die guten Leute binden wollen, müssen sie ihnen jede Menge bieten im Sektor Gesundheitsmanagement und Work-Life-Balance", beobachtet auch Kastner. Und die Angestellten legen in ihrer Freizeit das Smartphone vielleicht sogar einmal ganz aus der Hand.

Wenn dies beiden Seiten gelingt, ist womöglich auch ein langfristiges gesundes und motiviertes Arbeiten möglich. Auch dann, wenn gleichzeitig das Telefon klingelt, das Handy vibriert und die Mails nur so eintrudeln.

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