Stress im Job Immer mehr Frührentner wegen psychischer Erkrankungen

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Depressionen und andere psychische Leiden bedeuten jedes Jahr für Zehntausende Arbeitnehmer das berufliche Aus - Tendenz steigend. Dabei könnte vielen Erkrankten geholfen werden.

Arbeitnehmer in Deutschland gehen immer häufiger wegen psychischer Erkrankungen in Frührente. Fast jede zweite neue Frührente ist inzwischen psychisch verursacht (42 Prozent). Das geht aus einer Studie der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) hervor, die in Berlin vorgestellt wurde. Die Zahl der Betroffenen stieg demnach innerhalb von zehn Jahren um etwa 25.000 auf 75.000 im Jahr 2012. Im Durchschnitt sind die betroffenen Frauen und Männer dann erst 49 Jahre alt.

"Psychisch kranke Frührentner werden praktisch abgeschrieben", kritisierte Kammerpräsident Rainer Richter. Vielen Kranken könnte mit geeigneten Therapien geholfen und der Wiedereinstieg in den Beruf ermöglicht werden. Arbeit sei nicht nur belastend, sondern könne die Betroffenen auch stabilisieren, wenn ihre Leiden angemessen behandelt würden.

Insgesamt bekomme aber nur jeder dritte psychisch Kranke in Deutschland überhaupt eine Therapie. Es mangele sowohl an Behandlungsplätzen, als auch an maßgeschneiderten Rehabilitationsleistungen. Richter forderte, die langen Wartezeiten auf einen Therapieplatz - im Durchschnitt vergingen etwa drei Monate bis zum ersten Termin in einer psychotherapeutischen Praxis - müssten gesenkt werden. "Wir brauchen da gesetzliche Vorgaben."

Erst arbeitsunfähig, dann erwerbsunfähig

Als Grund für eine Frühverrentung zugenommen hätten seit 2001 vor allem Depressionen (plus 96 Prozent), Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen (plus 74 Prozent) sowie Suchterkrankungen (plus 49 Prozent). Oft gehe dem endgültigen Arbeitsaus eine längere Leidensgeschichte voraus - aus einer vorübergehenden Arbeitsunfähigkeit werde eine dauerhafte Erwerbsunfähigkeit. Richter kritisierte, die Kranken würden häufig unzumutbar zwischen Kranken- und Rentenversicherung hin- und hergeschoben.

Mit der Frührente steigt nach Darstellung der Kammer das Armutsrisiko der psychisch Kranken. Denn die Erwerbsminderungsrenten seien seit 2000 stark gefallen - auf zuletzt durchschnittlich etwa 600 Euro pro Monat. Mehr als ein Viertel der erwerbsunfähigen Rentner lebe in Armut.