Stress am Arbeitsplatz Ohnmacht stresst

Was bislang oft in Befragungen mit subjektiven Eindrücken erhoben wurde, haben die amerikanischen Forscher nun auch anhand körperlicher Reaktionen nachgewiesen: Sherman und seine Kollegen hatten Teilnehmer eines Weiterbildungsprogramms für Führungskräfte, speziell aus dem öffentlichen Dienst und dem Militär, mit einer zufälligen Auswahl von Arbeitnehmern und Selbstständigen aus dem Großraum Boston verglichen. Die Teilnehmer wurden als Führungskraft registriert, wenn sie Verantwortung für Mitarbeiter trugen. Alle sollten in einem Fragebogen angeben, wie stressig und belastend sie ihren Arbeitsalltag empfanden. Zusätzlich gaben sie Speichelproben ab, in denen die Forscher die Menge des Stresshormons Cortisol bestimmten.

Überraschenderweise lagen die Werte der Manager sowohl beim Cortisol als auch beim subjektiv empfundenen Stress unter denen der Vergleichsgruppe, wie die Auswertung ergab. Um diesen Effekt besser zu verstehen, schlossen die Wissenschaftler eine zweite Studie an, in der sie ausschließlich Führungskräfte erfassten - in diesem Fall jedoch aus unterschiedlichen Managementebenen. Registriert wurden die Gesamtzahl an Untergebenen, der Grad an Autorität der Führungskraft und die Anzahl der Mitarbeiter, die dem Manager direkt unterstellt waren.

Je höher der Rang einer Führungskraft, desto geringer waren der subjektive und der gemessene Stress. Ausnahmen gab es jedoch dann, wenn der Manager sehr vielen Mitarbeitern direkt Anweisungen geben musste, ohne die Aufgaben delegieren zu können. Das Forscherteam schlussfolgert aus diesen Ergebnissen, dass das Gefühl von Kontrolle dem Stress entgegenwirkt und ihn zumindest zum Teil abpuffern kann.

Allerdings lasse sich aus den vorliegenden Daten nicht ablesen, ob die geringere Stressbelastung der Führungskräfte tatsächlich dem Job geschuldet seien oder einfach eine bestimmte persönliche Veranlagung widerspiegelten, die erst dazu geführt hat, dass jemand eine Führungsposition erreichen konnte.

Die Befunde passen aber zu dem, was sich in früheren Studien bereits in Versuchen mit Affen gezeigt hat: Auch hier geht ein höherer Rang in der Gruppenhierarchie häufig mit einem eher niedrigen Cortisolspiegel einher. Das gelte vor allem dann, wenn es nur wenig Konkurrenz um die Führungsposition gebe, erläutern die Forscher.