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Stress am Arbeitsplatz:Frauen wollen besser drauf sein, Männer leistungsstärker

Welche Gründe lassen knapp drei Millionen Beschäftigte in Deutschland zu Medikamenten greifen, die eigentlich nicht für sie bestimmt sind? Die meisten Betroffenen (4,7 Prozent aller Beschäftigten) wollten laut Studie Nervosität und Ängste verringern, 3,3 Prozent haben die Neuro-Enhancer zur Leistungssteigerung verwendet.

Wie schon in den Ergebnissen der Erhebungen von 2008 greifen Frauen eher zu Präparaten, die ihr psychisches Wohlbefinden steigern. Medikamente zur Leistungs- und Konzentrationssteigerung werden vor allem von Männern konsumiert.

Es sind nicht die gehetzten Top-Manager, die Doping betreiben

Ein Vorurteil widerlegt die Studie: die Mär vom pillenschluckenden Top-Manager. Hirndoping zieht sich den Ergebnissen der Studie zufolge durch alle Berufsfelder, Hierarchieebenen und Qualifikationen. Eine wichtige Rolle spielen dagegen das Tätigkeitsniveau der Arbeit und die Beschäftigungssicherheit. Die Studie bilanziert: "Je unsicherer der Arbeitsplatz und je einfacher die Arbeit selbst, umso höher ist das Risiko für Hirndoping."

Als Hauptmotive für den Konsum von Neuro-Enhancern (41 Prozent) nennt die Studie konkrete Anlässe wie "Prüfungen, Präsentationen, wichtige Verhandlungen und schwierige Gespräche". 35,2 Prozent der Nutzer sagten: "Mit Hilfe von solchen Medikamenten geht mir die Arbeit leichter von der Hand."

Die meisten bekommen die Präparate vom Arzt verschrieben

Wie kommen die Betroffenen an die Medikamente? Über die Hälfte von ihnen (53,8 Prozent) gab in der Umfrage an, ein ärztliches Rezept für die Präparate erhalten zu haben. Ein erstaunlicher Wert, der einen stutzigen Blick auf die Ärzteschaft erlaubt. Die Forscher selbst nehmen an, dass die Hirndoper gegenüber ihrem Arzt entweder die medizinische Notwendigkeit vortäuschten oder die Ärzte die Medikamente zu einem gewissen Teil verschreiben, ohne dass die medizinische Indikation gegeben ist. 22,4 Prozent der Nutzer bekamen die Medikamente in ihrer Apotheke laut Angaben ohne Rezept. Am dritthäufigsten (14,1 Prozent) besorgen sich die Konsumenten ihre Präparate über Kollegen, Freunde, Bekannte oder Familienmitglieder.

Warum die große Mehrheit der deutschen Berufstätigen kein Hirndoping betreibt, hat die Studie auch untersucht. Demnach kommt für 70,1 Prozent der Gebrauch von Neuro-Enhancern grundsätzlich nicht infrage, wenn ein Arzt nicht ausdrücklich dazu rät. Der zweithäufigste Grund seien Risiken und Nebenwirkungen der Medikamente, die seit Bekanntwerden des Themas geläufiger wurden.

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