Hamburg (dpa/lno) - Zum ersten Mal in der Geschichte des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) hat es am Tag der Arbeit in Hamburg keine großen Kundgebungen der Gewerkschaften gegeben. Wegen der Corona-Krise verlegten sie ihre Aktionen ins Internet und machten virtuell auf ihre Forderungen aufmerksam. Ungeachtet dessen waren in Hamburg 37 andere Versammlungen unter Infektionsschutzauflagen genehmigt worden, viele davon als Protest gegen einen ursprünglich geplanten Neonazi-Aufmarsch. Am Abend lieferten sich linke Demonstranten auf St. Pauli und im Schanzenviertel ein Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei.
Die in Harburg geplante Versammlung der Rechtsextremisten war am Mittag vom Bundesverfassungsgericht gestoppt worden. Einen Eilantrag des Anmelders, des früheren Vorsitzenden der vom Verfassungsschutz beobachteten Partei Die Rechte, Christian Worch, auf Erlass einer einstweiligen Anordnung lehnte das Karlsruher Gericht ab.
Angesichts der Corona-Pandemie forderten die Gewerkschaften eine weitere Aufstockung des Kurzarbeitergeldes, mehr Unterstützung für Eltern und Alleinerziehende im Homeoffice sowie einen besseren Gesundheits- und Arbeitsschutz für Beschäftigte in systemrelevanten Berufen. „Gemeinsam zeigen wir auf moderne und digitale Weise, warum gerade jetzt die Rechte der Beschäftigten eingehalten werden müssen und warum es wichtig ist, dafür in den Gewerkschaften zu kämpfen“, sagte Hamburgs DGB-Vorsitzende Katja Karger.
Um auf die in der Corona-Krise wichtige und systemrelevante Arbeit von Seeleuten aufmerksam zu machen, ließen am Mittag im Hamburger Hafen zahlreiche Schiffe ihre Hörner ertönen.
Wegen der lange unklaren Lage, ob die von den Rechtsextremisten angemeldete Versammlung stattfinden darf, war die Polizei schon am Vormittag mit starken Kräften am Harburger Bahnhof im Einsatz. Die Hamburger Beamten wurden dabei von Kollegen aus Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen unterstützt. Auch die Reiterstaffel und zahlreiche Wasserwerfer standen bereit.
Am Abend verlagerte sich das Demonstrationsgeschehen Richtung St. Pauli. Auf der Reeperbahn löste die Polizei eine nicht genehmigte Versammlung auf. Mehrere Hundert Menschen aus dem linken Spektrum hatten sich zuvor auf der Amüsiermeile trotz eines coronabedingten Versammlungsverbots eingefunden und antifaschistische Slogans skandiert.
Die Polizei forderte die Teilnehmer auf, die Reeperbahn zu verlassen, und drohte andernfalls den Einsatz von Wasserwerfern „als erstes Mittel“ an, um einen Mindestabstand zwischen Einsatzkräften und Versammlungsteilnehmern zu gewährleisten.
Die Menge kam der Aufforderung nur schleppend nach. Vereinzelt wurde Pyrotechnik gezündet. Die Polizei war mit einem großem Kräfteaufgebot im Einsatz.
Die meisten Demonstranten zogen ins Schanzenviertel weiter, wo sie sich vor dem linksautonomen Kulturzentrum Rote Flora erneut versammelten, die Straße blockierten und Pyrotechnik zündeten. Die Polizei drängte die Demonstranten schließlich zurück und machte die Straße frei.
Ursprünglich hatten Linksextremisten für Freitagabend zu einer „revolutionären 1. Mai-Demo“ aufgerufen. Der Aufzug, der von der Reeperbahn ins Schanzenviertel führen sollte, war allerdings untersagt worden.
In der Vergangenheit war es rund um den 1. Mai in Hamburg wiederholt zu schweren Ausschreitungen gekommen. In den vergangenen drei Jahren verliefen die „revolutionären“ Maikundgebungen aber weitgehend friedlich.
